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SC Idar in der Regionalligasaison 1999/2000: Als der Trierer Torwart ins Abseits gestellt wurde

Regionalliga - Unser Redakteur Sascha Nicolay bestritt in der bisher einzigen Regionalligasaison des SC Idar-Oberstein als Torhüter alle 37 Spiele. An dieser Stelle kramt er in seinen Erinnerungen und erzählt, wie es 1999/2000 gegen den jeweiligen Gegner lief.

Am 17. Oktober, einem Sonntag, lief im Trierer Moselstadion die 95. Minute. Wir führten sensationell mit 1:0 bei Eintracht Trier, als die Eintracht wieder einmal einen Freistoß von der Seite, aus dem so genannten Halbfeld bekam. Wir spielten damals in diesen Situationen eine noch von Michael Dusek eingeführte Abseitsfalle. Und wir spielten sie fast perfekt. Das Kommando hatte Libero Dirk Schmell, das Schlüsselwort war "eng decken" oder "eng hin". Kurz bevor der Freistoßschütze den Ball spielte, sind unsere Abwehrspieler einige Schritte nach vorne gelaufen und die gegnerischen Stürmer standen im Abseits. Damals im Moselstadion hatte das schon gefühlte 25 Mal funktioniert. In dieser 95. Minute warfen die Trierer alles nach vorne, auch Daniel Ischdonat, der Torhüter tauchte im Strafraum auf. Dirk Schmell war nicht sicher, ob er so kurz vor Schluss noch einmal auf Abseits spielen sollte. Also spielte sich folgender kurzer Dialog: Dirk Schmell fragte seinen Freund und Abwehrkollegen Torsten Müller: "Sollen wir...? Und Torsten Müller sagte in tiefem Sulzbacher Dialekt mit einem Grinsen: "Nadiiiierlich!" Also kommandierte Dirk Schmell "eng hin", unsere Spieler machten zwei Schritte nach vorne, der Ball kam und mutterseelenallein stand Daniel Ischdonat im Strafraum, während draußen der Linienrichter die Fahne oben riss. Noch heute muss ich lachen, wenn ich daran denke. Wir hatten tatsächlich den gegnerischen Torwart ins Abseits gestellt. Direkt danach pfiff der Schiri ab und wir hatten den ersten Saisonsieg eingefahren - und das bei der Trierer Eintracht, die vier Tage zuvor 1860 München aus dem DFB-Pokal geworfen hatte.

Zum ersten Mal hatte unser Trainer Erwin Berg ausschließlich jenen Spielern vertraut, die in der Saison zuvor den Aufstieg in die Regionalliga geschafft hatten. Dirk Schmell zum Beispiel kam gerade von einem Australien-Aufenthalt zurück und ist quasi vom Flugplatz ins Moselstadion. Seiner Leistung hat es damals nicht geschadet. Das entscheidende Tor erzielte in der 90. Minute Tomasz Kakala. Er war zwei Minuten zuvor für Krzysztof Maslanka eingewechselt worden. Tomasz schloss einen Konter eiskalt ins lange Eck ab.

In der Pressekonferenz saß Erwin Berg neben Triers Coach Paul Linz und schlürfte genüsslich an seinem Bier - klar, Berg wohnte in der Moselstadt. Doch seine Zufriedenheit hatte eine weiteren Grund. Vor dem Spiel hatte er eine Abmahnung erhalten. Sie war ihm auf dem Weg in die Kabine von Angelo Milisenda in die Tasche gesteckt worden. Warum? Nun, dem Coach wurde vorgeworfen, er habe für das Spiel in Trier nicht die bestmögliche Mannschaft nominiert. Es ist eine jener netten Geschichten des Fußballs, dass ausgerechnet diese Aufstellung den ersten Saisonsieg brachte. Die Abmahnung erwies sich dann als haltlos. Berg schaltete einen Rechtsanwalt ein und der SC nahm sie zurück.

Die SC-Aufstellung damals: Nicolay - Schmell - Schäfer, Müller - Schneider, Türker, Maslanka (88. Kakala), Mayer, Bus (79. Bast) - Hausmann, Schwinn.

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