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  • Chef-Logistiker Bueble: Herausforderung Olympia

    Vancouver (dpa). Achim Bueble sitzt seit Wochen auf gepackten Kisten und Koffern - oder füllt Frachtscheine aus, telefoniert mit dem Zoll und verhandelt mit den Fachverbänden. Ohne den Cheflogistiker des Deutschen Olympischen Sportbundes wäre die deutsche Mannschaft in Vancouver ziemlich hilflos.

    Der 59-Jährige aus Bad Vilbel ist zuständig für den Transport von Mensch und Material - zum 15. und wohl letzten Mal bei Olympischen Spielen. Insgesamt über 60 Tonnen Gepäck werden aus- und teilweise wieder heimgeflogen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 300 000 Euro.

    «Einen kleinen Vorrat an Bier, Wein und Sekt haben wir auch dabei», erklärt Bueble mit einem verschmitzten Lächeln. «Wir wollen ja im Olympischen Dorf gewappnet sein für Medaillenfeiern und Geburtstage.» Dabei werden in Kanada auf Alkoholika bis zu 150 Prozent Zoll erhoben, das Liquor Control Board führt auch Stichproben durch. Bei den Medikamenten ist es noch schwieriger: Jedes einzelne muss von den Mannschaftsärzten bei der Gesundheitsbehörde angemeldet werden. Die Tücken liegen im Detail: Sogar die Holzpaletten müssen überprüft werden, damit keine Sporen auf den amerikanischen Kontinent eingeschleppt werden. Und auch bei den Waffen der Biathleten müssen die Beförderungsbestimmungen genau eingehalten werden.

    Doch Bueble wirft so schnell nichts um: In Peking 2008 war er Herr über den Fuhrpark für die deutsche Mannschaft mit 60 Fahrern - «und keiner sprach Englisch». Vor vier Jahren in Turin kam der Koffer von Jenny Wolf nicht an. Die Eisschnellläuferin war in Tränen aufgelöst, und Bueble verbrachte die Nacht weitgehend am Flughafen, bis das Gepäckstück mit den Kufen auftauchte. Die dürfen nämlich seit dem Anschlag vom 11. September 2001 nicht mehr im Handgepäck verstaut werden. Am schwierigsten sei der Transport von Pferden zu Sommerspielen. «Zum Glück ist das Eispolo, was ja in der Schweiz gespielt wird, nicht olympisch.»

    Eine Herausforderung wird die Beförderung der Bobs nach Whistler, da eine Woche vor Beginn der Spiele noch die deutschen Meisterschaften in Altenberg anstehen. Nach einem «Registration- Meeting» mit dem Organisationskomitee von Vancouver vor ein paar Wochen in Frankfurt stöhnte Bueble noch: «Okay, dann werden wir nicht an den Spielen teilnehmen» - und machte sich an die Arbeit. «Da darf nichts schiefgehen», sagt der Pädagoge, der im Alltag vor allem Leiter der Olympischen Akademie des DOSB ist.

    Allein 19 stoßfeste Kisten á vier Tonnen - vier Meter lang, 1,10 Meter breit und tief - werden für die Bobs und Schlitten benötigt. Dazu kommen unter anderem: Die Schlägertaschen der Eishockey-Profis, unzählige Ski für die Biathleten, Langläufer, Kombinierer, Skispringer und alpinen Rennläufer, fünf Ergometer fürs Training, Massageliegen und Elektrotherapiegeräte, eine eineinhalb Tonnen schwere Schleifmaschine, kistenweise Mannschaftsbroschüren, 20 Computer fürs Mannschaftsbüro, Dutzende von Sporttaschen, die die 152 deutschen Teilnehmer schon vorher abgegeben haben - und und und.

    Wenn die olympische Flamme am 28. Februar erloschen ist, bleiben Bueble noch genau zwei Tage, um den Rücktransport zu bewältigen.«Es gab Spiele, wo ich an den letzten drei Tagen gar nicht geschlafen hab», sagt das «Gehirn» des Unternehmens Olympia. Seine Mission ist dann beendet: 2012 in London wird er nicht dabei sein - nachdem er 17 Spiele vorbereitet hat und bei zehn selbst vor Ort war. «Hoffentlich», sagt Bueble, «sagen die Athleten, wenn alles vorbei ist: Das Material war super.» Das wäre wie eine Goldmedaille für den Cheflogistiker.

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