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    Frankfurt/MainNamhafte Referees im Visier - Keine Schutzsperre

    Die juristische Dauer-Fehde zwischen Ex-Funktionär Manfred Amerell und dem früheren FIFA-Referee Michael Kempter droht nun sogar deutsche Top-Schiedsrichter in den Abgrund zu ziehen.

    Vorwürfe
    Gegen den ehemaligen Schiedsrichter Michael Kempter wird ermittelt.
    Foto: Franziska Kraufmann - DPA

    Nach dpa-Informationen sind außer Kempter mindestens drei namhafte Bundesliga-Referees wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten, darunter laut «Spiegel Online» der Münchner FIFA-Schiedsrichter Felix Brych. Insgesamt soll nach Medienberichten gegen rund 20 Unparteiische ermittelt werden.

    Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte trotz der Ausweitung der Affäre gelassen und stellte klar, dass er keine Schutzsperren gegen die betroffenen Schiedsrichter verhängen wird. «Das ist kein Thema. Eine Schutzsperre kann nur dann zur Anwendung kommen, wenn es sich um mögliche Verfehlungen im Rahmen der konkreten Schiedsrichtertätigkeit handelt, also zum Beispiel ein Manipulationsverdacht im Raum steht. Für ein eventuelles Fehlverhalten im privaten Bereich greift eine solche Maßnahme nicht», erklärte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.

    Die Ermittler sollen bei Brych und den beiden anderen Top-Referees Hausdurchsuchungen durchgeführt haben. «Ich kann nichts zum Stand der Ermittlungen sagen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt», sagte der Jurist Brych «Spiegel Online». Ein anderer Unparteiischer erklärte auf dpa-Anfrage: «Ich lasse dieses Gerücht im Raum stehen und werde dazu keine Aussage machen.»

    Alle drei Spitzen-Schiedsrichter - Kempter ist momentan nicht für die obersten Ligen vorgesehen - sind mit der Leitung von DFB-Pokalspielen betraut worden und sollen trotz der Ermittlungen zum Einsatz kommen. «Man sollte die Ruhe bewahren. Wir regeln das intern», sagte Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel der dpa. Sollten sich die Vorwürfe jedoch bestätigen und es zu einer Verurteilung kommen, müssten die Betroffenen gemäß der Statuten des Weltverbandes FIFA um ihre internationale Karriere fürchten.

    Die Ermittlungen sollen durch eine Anzeige von Amerell bei der Bezirksfinanzdirektion Augsburg ausgelöst worden sein. Dem ehemaligen DFB-Schiedsrichter-Obmann waren im Rechtsstreit mit Kempter nach eigener Einschätzung finanzielle Ungereimtheiten bei seinem früheren Schützling aufgefallen.

    Kempters Anwalt Christoph Schickhardt bestätigte am Dienstag, dass gegen seinen Mandanten ermittelt wird. «Michael Kempter ist einer der Betroffenen des Verfahrens, das kann ich bestätigen», sagte Schickhardt auf dpa-Anfrage. Kempter war bereits 2009 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe in Höhe von 23 750 Euro verurteilt worden. «Dabei handelt es sich um ein Verfahren, dass zehn Jahre zurückliegt», betonte Schickhardt.

    Zu Berichten über eine angebliche Durchsuchung der Privaträume Kempters am Montag in Sauldorf gab es unterschiedliche Darstellungen. Schickhardt dementierte: «Eine Hausdurchsuchung bei Herrn Kempter gab es nicht.» Dieser Darstellung widersprach Amerell, der nach eigenen Angaben als Augenzeuge vor Ort war. «Die Steuerfahndung war bei Michael Kempter im Anwesen und darüber hinaus in der Arbeitsstelle», sagte der 64-Jährige. Schickhardt dementierte erneut eine Durchsuchung von Kempters Privaträumen. Auch in der Sparkasse, in der Kempter arbeitet, habe es keinerlei Durchsuchungsmaßnahmen gegeben.

    Nach Informationen von «Spiegel Online» sollen Ermittler in Anwesenheit von Kempters Steuerberater Einsicht in zahlreiche Finanzabrechnungen des in die dritte Liga versetzten Schiedsrichters genommen haben. «Dabei geht es aber keineswegs um kleine zweistellige Beträge. Die Summen liegen im fünfstelligen Bereich», sagte ein Ermittler «Spiegel Online».

    Die Staatsanwaltschaft München I bestätigte am Dienstag drei Ermittlungsverfahren in ihrem Zuständigkeitsgebiet. Sprecherin Barbara Stockinger erklärte, dass es möglich sei, dass auch andere Staatsanwaltschaften Ermittlungen aufgenommen hätten.

    Auf Veranlassung der Münchner Behörde war am Montag die DFB-Zentrale in Frankfurt von Steuerfahndern durchsucht worden. Die Beamten nahmen Einsicht in Unterlagen aus dem Schiedsrichterbereich. «Der DFB hat sich kooperativ verhalten», sagte Stockinger. Sie stellte klar, dass der Verband nicht als Beschuldigter gelte.

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