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  • DFL erhöht Druck auf «Lilien»

    Spiele vom SV Darmstadt 98 in Offenbach?

    Darmstadt 98 erhält die Lizenz für die nächste Saison nur unter strengen Auflagen: Entweder das alte Stadion wird weiter überdacht - oder der Verein muss in eine andere Arena ausweichen.

    Auflage
    Die Darmstädter sollen die Gegentribüne (r) ihres alten Böllenfalltor-Stadions überdachen, oder in ein andere Arena ausweichen.
    Foto: Frederik von Erichsen - dpa

    Darmstadt (dpa) - Nach dem Spiel beim Hamburger SV könnte der SV Darmstadt 98 als erster Absteiger der laufenden Bundesliga-Saison feststehen. Den „Lilien“ droht aber noch ein anderes Schreckensszenario: Zweitliga-Heimspiele in den Stadien der Erzrivalen Eintracht Frankfurt oder Kickers Offenbach.

    Die Darmstädter müssen entweder bis zum 31. Januar 2018 die Gegentribüne ihres alten Böllenfalltor-Stadions überdachen oder ihre Heimspiele von der Rückrunde der nächsten Saison an in einer anderen Arena austragen. Diese Auflage hat die Deutsche Fußball Liga dem Verein in dem Lizenzierungsverfahren für die kommende Spielzeit gemacht. „Wegen der Stadionsituation droht nun das einzutreten, wovor wir bereits seit Jahren warnen. Heimspiele in Frankfurt oder Offenbach wären eine Katastrophe für den Fußball in Darmstadt und existenzbedrohend für den Verein“, sagte Präsident Rüdiger Fritsch.

    Das Stadionthema schwelt seit Jahren in Darmstadt. Die DFL hat in dieser Frage nun noch einmal den Druck erhöht. Bereits seit ihrer Zweitliga-Rückkehr im Jahr 2014 spielen die „Lilien“ nur dank einer Ausnahmegenehmigung an ihrem alten, baufälligen Böllenfalltor. Diese Genehmigung wurde nur deshalb immer wieder verlängert, weil der Verein vieles in die Infrastruktur des maroden Jonathan-Heimes-Stadions investierte und vor allem auf eines verweisen konnte: eine neue Arena soll kommen.

    Dass diese Pläne seit Jahren ins Stocken geraten sind, ist das Hauptproblem des Clubs. Der Grund für die strengen Auflagen sei „im Wesentlichen der fehlende konkrete Zeitplan für die Errichtung einer den Anforderungen des Profifußballs genügenden neuen Spielstätte“, teilte die DFL den Darmstädtern mit.

    Bereits 2013 stellte die Stadt Darmstadt eine Machbarkeitsstudie vor, derzufolge ein Umbau des alten „Bölle“ für rund 30 Millionen Euro die sinnvollste Variante sei. Doch 2016 wurde dieses Vorhaben vor allem aufgrund von Lärmschutz-Auflagen wieder gestoppt.

    Der aktuelle Stand ist, dass ein Frankfurter Architektenbüro gerade im Auftrag der Stadt vier mögliche Standorte für einen Neubau überprüft und im Frühsommer ein Ergebnis vorlegen will. Sicher ist weiterhin also nur: Die Stadt muss das Stadion bauen, weil der Verein allein das nicht bezahlen kann. Und bis zum Stichtag 31. Januar 2018 kann eine neue Arena auf keinen Fall irgendwo entstehen.

    Für Präsident Fritsch ist ein neues Stadion die Grundvoraussetzung dafür, dass Darmstadt 98 überhaupt eine Zukunft im Profifußball hat. Deshalb nutzt der Verein die Auflagen der DFL nun auch, um den Druck auf die Stadt zu erhöhen.

    „Selbstverständlich würden wir da gerne mehr Fortschritt sehen“, sagte Fritsch in einem FAZ-Interview. „Wir haben die Gespräche mit der Stadt wieder aufgenommen und werden gemeinsam neuen Schwung in die Sache bringen.“ Es wäre „superschade“, meinte der Jurist, „wenn dieses tolle Fußballfest, das wir hier in den vergangenen Jahren gefeiert haben und das Hunderttausenden von Menschen viel bedeutet hat und noch bedeutet, verloren ginge. Wir haben alle gemeinsam die Fußball-Identität nach Darmstadt zurückgebracht. Es wäre bitter, wenn Darmstadt wieder von der Fußball-Landkarte verschwinden würde.“

    Auch die Stadt Darmstadt möchte einen Zwangs-Umzug ihres bekanntesten Fußballvereins unbedingt verhindern und hat dem SV in der Stadionfrage die Erfüllung der strengen DFL-Auflagen in Aussicht gestellt. Auf die Forderung der Deutschen Fußball Liga, bis Januar 2018 auch die Gegentribüne des Böllenfalltor-Stadions überdachen zu lassen, sei man „vorbereitet“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

    „Nach ersten Erkenntnissen kann die Überdachung der Gegentribüne wie gefordert ermöglicht werden, allerdings in einem bautechnisch sehr aufwendigen und teuren Verfahren“, heißt es. „Dies würde den Abbruch der derzeitigen Gegengeraden und den Neubau dieser Zuschauerplätze erfordern - mit allen Konsequenzen: finanziellen, baurechtlichen sowie strategischen, was die Standortfrage angeht.“

    Mitteilung des Vereins

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