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    Leverkusen«Big Sam»: Der rasante Aufstieg von Bayer-Coach Hyypiä

    Sami Hyypiä ist der Gegenentwurf zu Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Er hält keine großen Reden, er tobt nicht an der Außenlinie, und die Bandbreite seiner öffentlich zur Schau getragenen Emotionen endet schon bei einem sympathischen Lächeln.

    Chefcoach
    Die ganze Bandbreite der öffentlich zur Schau getragenen Emotionen von Sami Hyypiä: ein sympathisches Lächeln.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Trotz des fehlenden Showtalents und eines nicht vorhandenen Selbstdarstellungsdrangs stieg der Finne als Trainer von Bayer Leverkusen im Rekordtempo zu einem der besten Coaches der Fußball-Bundesliga auf. Immerhin ist die Werkself Tabellenzweiter hinter Bayern München mit Pep Guardiola und noch vor Klopps Borussia.

    «Sami Hyypiä hat auf jeden Fall einen großen Anteil daran. Er kommt gut mit der Mannschaft aus und hat einen klaren Plan», lobte Bayer-Torwart Bernd Leno seinen Trainer. «Jeder Spieler weiß, was er zu tun hat.» Auch Kapitän Simon Rolfes bestätigte, dass Hyppiä einen enormen Verdienst am besten Saisonstart der Clubgeschichte mit 31 Punkten aus 13 Liga-Partien hat: «Ja, der Chef ist immer ganz entscheidend, ob etwas funktioniert. Ich glaube, dass wir gut zusammenarbeiten.»

    Der 40-jährige frühere Weltklasse-Verteidiger kam 2009 vom FC Liverpool nach Leverkusen und wollte nach England oder in die finnische Heimat zurückkehren. Doch Bayer bot ihm 2011 an, nach Ende der Profi-Karriere mit rund 700 Pflichtpartien das Trainergeschäft am Rhein zu lernen. Hyypiä blieb und wurde nach dem Aus für Robin Dutt Teil einer ungewöhnlichen Nachfolgelösung: Ohne Trainerlizenz wurde er zum Teamchef und der aus der Jugend kommende Sascha Lewandowski zum Chefcoach ernannt. Das Duo führte Bayer in die Champions League.

    Seit dieser Saison ist er alleinverantwortlich - und in allen Wettewerben erfolgreich: Im DFB-Pokal kämpft Leverkusen beim SC Freiburg am kommenden Mittwoch um den Einzug ins Viertelfinale und in der Champions League ist der Sprung ins Achtelfinale möglich. «Sami ist an seiner Aufgabe gewachsen. Das Jahr mit Sascha Lewandowski hat ihm gut getan», meinte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. «Jetzt ist er ein gestandener Trainer.»

    Auch die Spieler begrüßten, dass nur noch einer das Sagen hat. «Mit Sicherheit ist das einfacher. Die Beiden haben es super gemacht, aber es gab auch Reibungsverluste», sagte Rolfes. «Deswegen halte ich eine klarere Linie immer für die bessere Lösung.» Nebenbei hat Hyypiä in dieser Saison weiter am Erwerb der Trainerlizenz gearbeitet und beim englischen Nationaltrainer Roy Hodgson hospitiert. «Das letzte Jahr war ein Lehrjahr», sagte Hyypiä. «Jetzt bin ich gut vorbereitet auf den Job.»

    Seine große Erfahrung als Profi und seine natürliche Autorität helfen ihm bei dem schwierigen Job. Dabei hat er eine einfache Fußball-Philosophie. «Wenn du immer alles gibst, kannst du alles gewinnen.» Nach Erfolgserlebnissen ergänzt er das Motto oft um den Zusatz: «Wir haben noch viel Arbeit vor uns und nichts erreicht.»

    Die Malocher-Mentalität kommt nicht nur in der Industriestadt Leverkusen gut an, sondern hat ihm zu einem der erfolgreichsten Sportler seiner Landes werden lassen. «Ich komme aus einer kleinen Stadt in Finnland», erklärte Hyppiä einmal. «Da herauszukommen, etwas zu erreichen: Das konnte man nur mit harter Arbeit erreichen.»

    Längst ist der 51-malige Nationalspieler in seiner Heimat eine Ikone. «Big Sam» heißt ein Lied der Band «The Left Foot Group», das dem einstigen Spieler huldigt. Zudem wurde Hyypiä 2012, nach wenigen Monaten als Bayer-Teamchef und ohne Titelgewinn als «Trainer des Jahres» in Finnland ausgezeichnet.

    Auf Ehrungen und Erfolge will er sich nicht ausruhen. «Zufriedenheit ist gefährlich und schlecht für die Weiterentwicklung», lautet ein weiteres Leitmotiv von ihm. Schließlich soll Leverkusen nicht Endstation als Coach sein: «Es gibt zwei spezielle Plätze für mich, wo ich irgendwann Trainer sein möchte: beim FC Liverpool und bei der finnischen Nationalmannschaft.»

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