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Felix Sturm: Die Risiken des freien Mannes

Köln (dpa) - Baby-Speck weg, Selbstständigkeit da, Zukunft unsicher: Box-Weltmeister Felix Sturm boxt nach der Trennung vom Hamburger Universum-Stall erstmals in Eigenregie und fühlt sich grandios wie nie.

Eigenhändig
Felix Sturm hat sein eigenes Management übernommen.

«Es ist ein schönes Gefühl, wieder in den Ring zu steigen», sagt der WBA-Superchampion im Mittelgewicht nach 14-monatiger Zwangspause und preist das neue Vermarktungsgefühl: «Jetzt kämpfe ich für mich und meine Familie.»

Bei der freiwilligen Titelverteidigung in der Kölner Lanxess-Arena ist Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik der Rivale. Dafür mussten bei Sturm immerhin gut 14 Kilogramm Übergewicht purzeln, die er sich in der boxlosen Phase nach der Geburt seines Sohnes Mahir angefuttert hatte. Der neu verpflichtete Altmeister Fritz Sdunek als Trainer, der auch Vitali Klitschko betreut, brachte Sturm auf Vordermann.    

Zwei Monate zuvor hatte der gebürtige Leverkusener noch mit Promoter und Manager Klaus-Peter Kohl vor Gericht gestritten, ob seine Kündigung bei Universum rechtens sei. Sturm zahlte eine Abfindung an Kohl von rund 900 000 Euro und darf jetzt selbst machen, was sonst sein Manager tat: Gegner suchen, mit den Weltverbänden streiten, Veranstaltungen organisieren, Mitarbeiter auszahlen, mit Fernsehsendern feilschen und jene Summen kassieren, die - wie Sturm meint - ihm Kohl vorenthalten habe.    

Ob die Rechnung des 31-Jährigen aufgeht, ist ungewiss. «Ich weiß nicht, wie gut er organisiert», meint sein früherer Manager Kohl achselzuckend. Auf jeden Fall will sich der Promoter den Kampf im Fernsehen anschauen und gibt sich konziliant: «Wir haben uns ja finanziell geeinigt.» Sturm will den Klitschkos nacheifern, die sich ebenfalls von Kohl getrennt haben und seit Jahren in die eigene Tasche wirtschaften. «Die Klitschkos machen jetzt die Hälfte von dem, was sie früher bei mir verdient haben», entgegnete Kohl.    

Der Chef des einst größten europäischen Box-Stalls, der nach dem Absprung des TV-Partners ZDF ins Ungewisse abgerutscht ist und eine neue finanzielle Basis sucht, erläutert: «Die Klitschkos haben keinen festen amerikanischen Fernsehsender, ich hatte HBO. Sie wollten unbedingt nach Amerika, weil sie da die großen Kämpfe und das große Geld sahen, ich wollte hierbleiben. Wo kämpfen sie heute? In Deutschland. In Amerika will keiner mehr etwas von ihnen wissen.»

Im Profi-Boxen, wo es vorrangig ums Geschäft geht, sind die Wege alles andere als geradlinig. Jean-Marcel Nartz, der Sturm noch bestens als Technischer Leiter bei Universum kennt, hat so seine Bedenken. Den Kampf gegen Lorenzo werde der technisch beschlagenen Boxer nach Hause schaukeln, glaubt Nartz, auf längere Sicht gebe es jedoch Fragezeichen. «Ich wünsche Felix Erfolg, bin aber unsicher für seine Zukunft. Er geht große Risiken ein: sportlich wie auch wirtschaftlich. Ich glaube nicht, dass er das verdient, was er bei Universum bekommen hat.»

Zudem besteht mit dem übertragenden Sender Sat.1 zunächst nur ein Vertrag über diesen einen Kampf. Die weitere Zusammenarbeit hängt vor allem von der Einschaltquote ab. Als Kampfziel sind beachtliche rund acht Millionen Zuschauer im Gespräch.

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