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Wulff: Mainzer Synagoge steht für Vertrauen in unser Land

Mainz - Vor 72 Jahren zerstörten die Nazis die Mainzer Synagoge. Nun steht an gleicher Stelle ein architektonisch beachtliches neues Gotteshaus. Ein weithin sichtbares Zeichen des jüdischen Lebens.

Mit Wulff kam auch Charlotte Knobloch, die Vorsitzende des Zentralrats der Juden. Die beiden halten die Mesusa.
Moritz Meyer/Lukas Ondrek

Von unserer Redakteurin Anna Kröning

Bundespräsident Christian Wulff hat die neue Synagoge in Mainz als ein „Symbol des Vertrauens in unser Land" bezeichnet. Gleichzeitig erinnerte das Staatsoberhaupt bei der Einweihung des Gotteshauses an die Grauen des Nationalsozialismus: „Die Freude, die wir an Tagen wie dem heutigen empfinden, ist untrennbar verbunden mit dem Gedenken an Millionen Menschen, die der Schoah zum Opfer fielen", so Wulff. Rund 500 Gäste fanden sich in dem ganz in Gold gestalteten Gebetsraum des imposanten Bauwerks am Synagogenplatz ein, darunter auch Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, und der israelische Botschafter Yoram Ben-Ze'ev.

Genau 98 Jahre nach der Einweihung der alten Hauptsynagoge, die 1938 von den Nationalsozialisten zerstört worden war, wurde nun das neue Gotteshaus seiner Bestimmung übergeben. Von außen ist das zehn Millionen Euro teure Bauwerk des Kölner Architekten Manuel Herz mit grün-blauen Kacheln versehen. Das längliche Gebilde ergibt das hebräische Wort „Kedusha", was segnen, heiligen oder erhöhen bedeutet. Innen finden sich auf zwei Etagen auch eine Bibliothek und ein Veranstaltungssaal.

Zentralratspräsidentin Knobloch nannte die Synagoge einen „kühnen Bau". Aus Angst vor Antisemitismus seien Synagogen nur selten im Stadtbild präsent: „Wir vertrauen auf die Demokratie und ziehen jetzt in Gebäude, die auffallen." Es sei ein Wunder, dass nun in Deutschland wieder 100 000 Juden lebten. 1950 waren es nur 15 000. Ministerpräsident Beck lobte die evangelische und katholische Kirche, die den Thoraschrank gestiftet hatten: „Das ist ein Zeichen von Respekt für ein neues Miteinander."

Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) erinnerte daran, dass es fast 50 Jahre gedauert hat, bis nach vielen Überlegungen eine Synagoge geplant und gebaut wurde: „Die Zeit der Provisorien ist vorbei. Die jüdische Gemeinde ist zurück", fasste Beutel zusammen.

Für den gebürtigen Gonsenheimer und Holocaust-Überlebenden Fritz Weinschenk, der in die USA emi-griert ist, schließt sich mit dem Bau ein Kreis: „Die Synagoge soll auch ein Mahnmal sein", sagte der 91-Jährige. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Mainz, Stella Schindler-Siegreich, hofft auf einen „Neuanfang". Dazu setzt sie auf den Dialog mit den Kirchen in Mainz.

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