Weckruf im Morgengrauen: Ordnungsamt schuf Platz für Prozession
Mainz - Die am Freitagmorgen laufende Einweihung der Mainzer Synagoge hat einen ungewöhnlichen Einsatz in der Mainzer Neustadt ausgelöst: In von vielen Studenten bewohnten Straßenzügen setzten Ordnungshüter im Morgengrauen ein Parkverbot um - mit Lautsprecherdurchsagen, Abschleppwagen und entfernten Fahrrädern.
Schreck am frühen Freitagmorgen in der Mainzer Neustadt: „Hier spricht die Verkehrsüberwachung. Guten Morgen! Entfernen Sie ihre Fahrzeuge. Sie stehen im absoluten Halteverbot. Die Plätze werden dringend benötigt für eine kulturelle Veranstaltung", schallt es von einem Lautsprecherwagen des Amts für Verkehrsüberwachung, der im Schritttempo durch die noch schlafende Neustadt kreuzt.
Die Mitarbeiterinnen des Amts marschieren ab 6 Uhr von Auto zu Auto, fotografieren es und klemmen Zettel hinter die Scheibenwischer. Es wird tabula rasa gemacht. Sicherheitsstufe eins, heißt es. Verschlafene Gesichter mit fragendem Blick erscheinen teils in den Fenstern. Es sind diejenigen, die noch nichts mitgekriegt haben, dass am Freitagmorgen die neue Synagoge in Gegenwart von Bundespräsident Christian Wulff eingeweiht wurde. Jeder vom Halteverbot betroffene Anwohner hatte zuvor einen Hinweis im Briefkasten. In feierlicher Prozession soll ab 9 Uhr die Tora von der alten Synagoge in der Fosterstraße einmal links, einmal rechts ums Eck in die neue Synagoge in der Hindenburgstraße getragen werden. „Wir beginnen in Kürze mit den Abschleppmaßnahmen", tönt die Frauenstimme freundlich aber bestimmt aus dem Lautsprecher. „Klappe, da draußen", hört man eine Frau durch ein geöffnetes Fenster meckern. Hektisch parken aufgeschreckte Anwohner noch um. Ein ganzes Geschwader aus Abschleppfahrzeugen nimmt dann gnadenlos die Autos von Schlafmützen und Ortsfremden auf den Haken, die noch gar nichts gemerkt haben - bis nicht mal mehr ein Fahrrad den Weg der jüdischen Gemeinde Mainz flankiert.
Um 8 Uhr sind Forsterstraße zwischen Adam-Karrillon- und Frauenlobstraße sowie die Frauenlobstraße zwischen Forster- und Hindenburgstraße buchstäblich besenrein. Ein seltener Spuk, der am Mittag jedoch vorbei ist. .



















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