Überholmanöver auf B49: Klöckner hängt Beck ab
Cochem - Was für ein Verkehr! Die B 49 in Cochem wird freigegeben, mehr als 100 Gäste sind da. Doch hier geht es (nicht nur) um die Prachtpromenade, sondern um politische Prominenz: Kurt Beck (SPD) und Julia Klöckner (CDU). Der Ministerpräsident trifft bei diesem Termin auf die Frau, die ihn 2011 ablösen will.
Von unserer Redakteurin Birgit Pielen
Kurt Beck ist nicht bester Laune, als er kommt. An seiner Seite: Balou und Cameron, die Vierbeiner aus seinem Cochemer Stammhotel. Sie hält er während des ganzen Termins an der Leine. Da wünscht er sich insgeheim wohl Julia Klöckner. Denn die 37-Jährige stiehlt ihm dermaßen die Show, dass der 61-Jährige alt aussieht.
Sie, die Staatssekretärin aus Berlin, macht direkt klar,wer an diesem Nachmittag das Sagen hat. "Fangen wir mal an! Die Ersten fragen schon nach dem Essen." Bernd Cornely, Leiter des Landesbetriebs Mobilität Cochem-Koblenz und federführend bei der Baumaßnahme, ahnt, dass er bei aller Diplomatie nichts retten kann. "Na, wenigstens regnet es nicht", seufzt er.
Klöckner schüttelt viele Hände und beglückwünscht die Menschen: "Sie sind die Steuerzahler, Sie haben das mitfinanziert." Ob Beck da gerade an den Nürburgring denkt? Jedenfalls sinkt seine Stimmung.
SGD-Präsidentin Dagmar Barzen spannt den Regenschirm auf; es nieselt, alle drängen in ein Zelt. Die CDU-Leute, schon immer groß im Kreis, bilden eine stattliche Runde. Sozialdemokratin Heike Raab moniert: "Die Fotografen wollen ein Bild von allen haben; ihr müsst den Kreis ein bisschen größer machen." Beck tätschelt resigniert die Hunde.
In seiner Ansprache lobt Cornely das Engagement des Bundes und Landes beim vier Millionen Euro teuren Ausbau der Straße. Und, ach ja, er wünscht sich vom Land noch ein neues Dienstgebäude für den LBM. Auch das noch! Beck gefriert das Lächeln, er gibt den Hunden Leckerlis.
Klöckner indes greift das Anliegen auf, es ist schließlich Wahlkampf. Ja, sie will den "Wunsch nach einem ordentlichen Gebäude vehement unterstützen". Überhaupt: Investitionen in der Fläche sind gut, und ihr Bundestagskollege Peter Bleser könne da auch richtig nerven, wenn's um die Entwicklung seiner Heimat Cochem-Zell geht.
Zum Schluss schenkt Klöckner dem Cochemer Stadtbürgermeister Herbert Hilken ein "Koare Gehacktes" zum 65. Geburtstag und füttert ihn mit einem Fleischbällchen. Hilken: "Ich habe noch nie einer Staatssekretärin aus der Hand gefressen."Alle lachen - außer Beck. Mit den Hunden geht er zum Rednerpult, spricht über den Kampf der Finanzierung, die harte Arbeit der Bauarbeiter und "in diesem Sinne weiterhin alles Gute. Toi, toi, toi." Zuvor hat er bei seinen engsten Parteifreunden hörbar Dampf abgelassen: "Das macht ihr nicht mehr mit mir, das sag' ich euch."
Dann geht's über die neue B 49 zum Weinfest. Beck schreitet voran, dann wird er von Klöckner überholt. Tja, vielleicht muss er im Wahlkampf eine Spur zulegen.





















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