Richter: Keiner wurde über den Tisch gezogen
Rheinland-Pfalz - Kai Richter muss viel Kritik einstecken. Kritiker werfen dem Düsseldorfer Unternehmer vor, am Nürburgring rücksichtslos seine Geschäftsinteressen durchzusetzen. CDU, FDP und Grüne würden Richter lieber heute als morgen von der Eifel-Rennstrecke verbannen - vor allem nach der Veröffentlichung eines Geheimpapiers des Rechnungshofs zum bargeldfreien Bezahlsystem am Ring (CST). Doch was sagt der Gesellschafter der Automotive GmbH (neben Jörg Lindner) und damit der Pächter des Ring-Areals zu den Vorwürfen? Dazu ein Interview:
Was sagen Sie zu der massiven Kritik an Ihrer Person?
Als Unternehmer muss ich mit Kritik umgehen können. Wir gestalten den Nürburgring neu, da ist es ganz natürlich, dass damit nicht jeder einverstanden ist. Dennoch finde ich es teilweise unverantwortlich, was im allgemeinen Wahlkampfgetöse an Unwahrheiten verbreitet wird. Das schadet weniger mir als dem Nürburgring und damit letztlich auch den Mitarbeitern und allen Menschen, die vom Nürburgring abhängig sind.
Der Rechnungshof hat Ihnen vorgeworfen, als Geschäftsführer der CST unnötige Kosten verursacht zu haben, indem Aufgaben teilweise doppelt vergeben wurden oder indem Aufträge zu überhöhten Preisen an Firmen gingen, an denen Sie in irgendeiner Form beteiligt waren. Wie reagieren Sie darauf?
Ich habe sämtliche Geschäftsvorgänge rund um die CST bereits von unabhängigen Wirtschaftsprüfern prüfen lassen, diese sind zu einem positiven Ergebnis gekommen. Leider hat der Landesrechnungshof mein Angebot nicht angenommen, sich sämtliche Unternehmensunterlagen in meinen Geschäftsräumen anzuschauen. Der Rechnungshofbericht lässt wohl auch deshalb viele relevante Fakten unberücksichtigt.
Zudem attestiert der Rechnungshof eine nahezu chaotische Buchführung - Irrläufer, falsche Überweisungen, parallele Buchführung. Was lief bei der CST schief?
Überall, wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht. Auch bei der CST kam es vereinzelt zu Fehlüberweisungen. Diese wurden durch wirksame Kontrollmechanismen rechtzeitig entdeckt und bereinigt.
Offen gesprochen: Kritiker halten Ihnen vor, die Nürburgring GmbH und damit das Land vor der Neuordnung im Mai und Dezember 2010 mit Raffinesse und einem schier undurchsichtigen Firmengeflecht über den Tisch gezogen zu haben. Wie bewerten Sie diesen Vorwurf?
Über den Tisch wurde und wird dabei niemand gezogen. Mein Handeln ist nicht auf kurzfristige Gewinnmitnahme, sondern auf einen nachhaltigen Erfolg ausgerichtet. Wenn es mir um das schnelle Geld gegangen wäre, dann hätte ich mich nicht 20 Jahre an den Nürburgring vertraglich gebunden.
Was war Ihre Motivation, am Nürburgring einzusteigen?
Ich habe erkannt, dass hier ein großes Potenzial nicht vernünftig genutzt wurde.




















Diesen Artikel versenden