Remagen vor Neonazi-Aufmarsch: Ein Friedensmahnmal wird umgedeutet
Remagen - Am kommenden Samstag wird in Remagen der Ausnahmezustand herrschen. Wieder werden braune Horden einfallen und ein Friedensmahnmal für ihre Zwecke umwidmen.
Die Friedenskapelle, die der "Schwarzen Madonna" gewidmet ist, hat der frühere Bürgermeister wohlmeinend initiiert. Allerdings mit dem Werk eines Künstlers, den Adolf Hitler 1944 in seine Liste der „gottbegnadeten“ Künstler aufgenommen hatte.
Von morgens an kreisen am Samstag über der 17 000-Einwohner-Stadt im Kreis Ahrweiler wieder Hubschrauber mit lautem Getöse. Aus dem ganzen Land werden Hundertschaften der Polizei mit Wasserwerfern und schwerem Räumgerät anrücken. Gegen etwa 300 Neonazis sind dann rund 900 Beamte im Einsatz, die meisten in voller Montur. Sie tragen Schlagstöcke, Schutzschilde, Sturmmasken, manche Maschinenpistolen.Rechte kehren Täter-Opfer-Rolle um
In der rechten Szene hat sich der Tag vor Totensonntag als festes Datum für einen Aufmarsch etabliert, der an die Toten des Kriegsgefangenenlagers Goldene Meile erinnern soll. In dem Lager am Remagener Rheinufer waren zwischen April und Juli 1945 mehr als 300 000 deutsche Soldaten unter freiem Himmel und elenden Umständen inhaftiert. Etwa 1200 starben. Diesen Umstand nutzen Menschen mit rechtsradikaler Gesinnung gern für ihre Propagandazwecke und kehren dabei die Rolle von Tätern und Opfern im Zweiten Weltkrieg um.
Die Anwohner müssen sich an diesem Tag darauf einstellen. Ob sie das wollen oder nicht. Die meisten weichen für ihren Wochenendeinkauf in die Nachbarstädte aus oder haben ihn gleich auf den Vortag verlegt. Während die Radikalen durch den Ort ziehen, bleiben Remagener zu Hause und warten, bis der braune Spuk zu Ende ist und die Stadt wieder den Bürgern gehört.
Wie den Radikalen begegnen?





















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