RZ-KOMMENTAR: Das war nur die erste Hürde
Tim Kosmetschke zur Mittelrheinbrücke
Die positive Entscheidung der Unesco zur Mittelrheinbrücke ist gut und richtig. Denn sie zeigt, dass die Welterbe-Hüter eben nicht die miesepetrigen Käseglocken-Stülper sein müssen, als die sie so oft verschrien sind. Der Welterbe-Titel ist kein Blockade-Erlass, der in den geschützten Gebieten Veränderungen und Weiterentwicklungen vollends verhindern würde. Er trägt nur Sorge dafür, dass diese Entwicklungen nicht zum Nachteil der Region und der Welterbe-Substanz darin geraten. Und genau das brauchte der Mittelrhein nach Jahrzehnten des Schindludertreibens mit seiner Bausubstanz, seinen Ausblicken und Denkmälern, der wunderschönen Landschaft. Diese Landschaft musste geschützt werden – vor allzu aggressiven Eingriffen.
Nach allem, was wir bislang wissen und hoffen, könnte diese von vielen herbeigesehnte Brücke tatsächlich nicht zu aggressiv sein. Die Architektenmodelle erwecken den Anschein, dass sich die neue Flussquerung wirklich einigermaßen ins romantische Tal einfügen könnte – so harmonisch, wie das eben möglich ist bei einem modernen Neubau in historisch aufgeladener Gegend. Jedoch: Ohne die Euphorie, die die Entscheidung ausgelöst hat, bremsen zu wollen – gebaut ist die Brücke damit noch lange nicht. Es wartet nun ein aufwendiges Baugenehmigungsverfahren, in dem es viele, teils gegenläufige Interessen abzugleichen gilt. Umweltschutz, Denkmalpflege, örtliche Bedenken: Die Brücke mag Chancen bieten. Doch mit der Unesco hat sie zunächst nur die erste Hürde genommen. Wenn auch die wohl schwierigste. Und dass diese Hürde so hoch war, ist gut und richtig – für den Mittelrhein.
E-Mail an den Autor: Tim.Kosmetschke@rhein-zeitung.net




















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