Prozess in Koblenz: Ex-Ring-Chef will eine Million Euro
Rheinland-Pfalz. Ende 2009 wurde er als Nürburgring-Chef gefeuert – trotzdem fordert Walter Kafitz (60) jetzt von der Nürburgring GmbH bis zu einer Million Euro Gehalt. Er klagt vor dem Landgericht Koblenz gegen seine fristlose Kündigung.
Kafitz wirft der Nürburgring GmbH vor, dass sie ihn im Rahmen der Nürburgring-Affäre zum „Sündenbock“ machen will. „Hierfür stehe ich nicht zur Verfügung“, teilte er der Presse vor Prozessbeginn schriftlich mit.
Beim Großteil der Verhandlungen am Landgericht Koblenz gibt es keine Zuhörer. Doch als Kafitz am Dienstag zum Saal 121 kommt, herrscht großer Andrang. Fotografen und Fernsehteams belagern den einst mächtigen „Mister Nürburgring“. Als der Prozess beginnt, sind fast alle Stühle im Saal besetzt mit Journalisten und Nürburgring-Fans.
Die zentrale Frage im Prozess lautet: Hatte die Nürburgring GmbH im Dezember 2009 einen wichtigen Grund, um Kafitz fristlos zu kündigen? Die Nürburgring GmbH sagt Ja, Kafitz sagt Nein.
Die Nürburgring GmbH wurde vor Gericht von Kafitz' Nachfolger Gerd Weisel vertreten. Der Ring-Chef brachte mehrere Kündigungsgründe vor. Demnach verletzte Kafitz seine Sorgfaltspflichten und überschritt seine Kompetenzen. Vor allem soll er den Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH bei Entscheidungen nicht beteiligt haben, obwohl er dies hätte tun müssen.
Kafitz bestreitet dies: „Ich habe korrekt, im Interesse der Nürburgring GmbH und im Rahmen unternehmerischen Ermessens gehandelt und dabei sehr intensiv mit dem Aufsichtsrat und den Führungskräften der Nürburgring GmbH zusammengearbeitet.“ Seine Kündigung sei unrechtmäßig, sein Vertrag bestehe bis zu dessen Ende im März 2014 fort. Kafitz verdiente monatlich 18 750 Euro. Hätte Kafitz mit der Klage Erfolg, bekäme er bis 2014 wohl fast eine Million Euro Gehalt.
Im Prozess machte das Gericht unter Vorsitz von Richter Hans-Peter Hoersch klar, dass zumindest einer der Kündigungsgründe, die von der Nürburgring GmbH vorgebracht wurden, für eine fristlose Kündigung ausreichen könnte. Darum geht es: Die Bonner Anwaltskanzlei Redeker wurde im Herbst 2009 beauftragt, ein Gutachten über die Geschäftsführung von Kafitz zu erstellen. Der Standpunkt der Nürburgring GmbH: Kafitz wollte mit dem 54 000 Euro teuren Gutachten die heftige Kritik an seiner eigenen Arbeit ausräumen. Er gab es in Auftrag – und zwar auf Kosten der Nürburgring GmbH. Obwohl deren Aufsichtsrat kurz zuvor die Einholung des Gutachtens ausdrücklich abgelehnt hatte.




















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