Pfarrer greift eigene Kirche an
Betzdorf - In einer aufsehenerregenden Predigt fordert ein katholischer Pfarrer von seiner Kirche, sich radikal neu auszurichten. Die Antworten der Bischöfe zum Beispiel im Umgang mit den sexuellen Missbrauchsfällen bezeichnet der Pastor als "erbärmliches Flickwerk" und "schönfärbende Tünche".
Applaus der Gottesdienstbesucher nach einer mutigen Predigt des Betzdorfer Pfarrers Georg Koch (65): Der katholische Pastor aus dem Kreis Altenkirchen ging mit seiner Kirche auch wegen der Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsfälle hart ins Gericht. "Die katholische Kirche ist die absoluteste Monarchie der Welt, in der ein Mann das Sagen hat - und allen anderen wird der Mund verboten."
Koch fordert von der katholischen Kirche "radikal Neues". Den Bischöfen wirft er "Oberflächenkosmetik" vor. Es sei an der Zeit, das Diakonieamt für Frauen zu öffnen. Die Predigt, die Koch am Wochenende in drei Kirchen gehalten hat, im Wortlaut:
"Achilleus war der Sohn des Peleus und der Meeresnymphe Thetis. Da er einen menschlichen Vater und eine göttliche Mutter hatte, war er sterblich. Thetis versuchte, ihn wenigstens unverwundbar zu machen und tauchte ihn in den heiligen Fluss Styx ein. Sie hielt ihn an der Ferse, und hier konnte das Wasser nicht immunisieren, sodass er an der Ferse verwundbar blieb. Das ist die berühmte Achillesferse. Achilles galt als stattliche Gestalt, als großer Kämpfer, als einer, der mit vielen Talenten und Begabungen ausgerüstet war. Darüber aber vergaß er, dass er verwundbar, verletzlich war. Und so konnte ihn der Pfeil der Paris treffen und ihn töten.
Viel zu lange vertuscht
Auch unsere Kirche hat sich in den letzten Jahrzehnten als mächtig erwiesen. Sie war mehr fordernd und kämpfend als einladend. Sie drohte allzu oft mit der Peitsche der Angst. Dabei vergaß sie, dass sie verletzlich war.
Die Ereignisse in den vergangenen Wochen, die in unserer Kirche aufzuarbeiten sind, verschrecken und erschrecken. Da ist es an der Zeit, dass die Kirche sich bekennt und entschuldigt. Viel zu lange ist in den Personalabteilungen unserer kirchlichen Behörden vertuscht und unter den Tisch gekehrt worden.
Die Bischöfe nehmen nur zaghaft Stellung. Ihnen scheint der Ruf der Kirche wichtiger zu sein als der Schutz der Opfer. Manche wie Bischof Mixa führen diese schlimmen Ereignisse auf den Zeitgeist zurück, statt einen inneren Reinigungsprozess einzuleiten, der den Sumpf trockenlegt. "Seht, ich mache etwas Neues", so ruft in der heutigen Lesung der Prophet Isaias dem Volk in der babylonischen Gefangenschaft zu. Von diesem Neuen ist in diesen Tagen in unserer Kirche nichts zu spüren. Sie hält am Alten fest. Aber es wäre ihre Aufgabe, jetzt und heute die Zukunft zu gestalten.


















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