Obermendiger Hexenkessel auf Betriebstemperatur
Mendig - Für viele Karnevalsfreunde ist der Besuch der Kappensitzung im Obermendiger Hexenkessel ein ebenso fester Bestandteil der fünften Jahreszeit, wie die Teilnahme am traditionellen Veilchendienstagszug. Den ganzen Abend über reihten sich auch bei der zweiten Sitzung der Karnevalsgesellschaft Obermendig die hochkarätigen Gesangs- und choreografisch einwandfreien Tanzdarbietungen und gepfefferten Büttenreden der 180 Aktiven harmonisch aneinander.
Gleich zu Beginn brachten der Elferrat mit Sitzungspräsident Peter Schlaus und die Kellbachfunken den voll besetzten Narrentempel auf die richtige Betriebstemperatur. Wahre Begeisterungsstürme löste gleich darauf der umjubelte Auftritt von Prinz Jörg I. "Schwarzer Amtsschimmel von Vulkanen und Seen" und Prinzessin Judith I. "Fidele Jäß von der Wasserschöpp" mit ihrem Hofstaat und der Prinzengarde aus.
Einen ganz besonderen Glanzpunkt setzte et Hexje. Auf Mennejer Platt lenkte Annette Tiede, die mit dem Orden der RZ ausgezeichnet wurde, das Interesse aller - mit gekonnt gesetzten verbalen Spitzen - auf die Hütten und Schuppen entlang des Kerjän (Kirchenrain). Auf diese war die Kreisverwaltung vor rund fünf Jahren aufmerksam geworden. "Dann kütt de Kreis, reißt ab net kür, dat janze Spill beginnt von vür. Un nau, nau seid e winnije dumm, dat is e Mobil Perpetuum." Außerdem widmete sich die Büttenrednerin dem neuen Kreisel an der Kreisstraße 53. Nach Meinung der beliebten Stimmungsgarantin ist der von einem ortsansässigen Künstler geschaffene Sämann viel zu dünn geraten. Ob der wohl vegan lebt? "Aus Blaustein stäht do ein Fijur, en Sämann me do fend, der seiht aus, wenn der sohn dät: Er hätt jär en Essensspend. Aber kummt äs en de Wasserschöpp, braucht gar nicht weit zu gehn. Da könnde äs bekucke, bi en Sämann dät aussehn."
Eine Klasse für sich war das Zwiegespräch von Michael Hamann und seiner Frau Caroline. Die beiden Frohnaturen regierten vor einigen Jahren das Narrenvolk in Mendig, und sind auch aus dem Saalkarneval nicht wegzudenken. Dieses Mal bescheinigte die Karnevalistin ihrem Liebsten, der sich in einem "jemeinnötzijen Projekt um in Not geratene Männer die schlecht behandelt wuhre seijn" engagiert, seine Vergesslichkeit. "Der verjisst nämlech alles", informierte die junge Frau das begeisterte Publikum. "Ech han dem jetzt beim Sascha off de Volksbank en Scheckkoart met ner einstellige PIN mit neun Fehlversuche jehollt."
Um nur ja keinen witzigen Seitenhieb zu verpassen, hingen die Jecken dem Kellbachtrio, dass neben einem "Wetten dass …?"-Sketch auch wieder Stimmungslieder mit viel Lokalkolorit zum Besten gab, förmlich an den Lippen. Kein Auge blieb auch bei dem Auftritt der "Schützen-Tenöre" trocken. Karin Schrödl, Petra Haase und Brudermeister Christoph Nolden haben mit dieser bühnenreifen Schau anlässlich des St.-Sebastianus-Tags der Obermendiger Schützen ihr Debüt auf den Bühnenbrettern gegeben.
Elvira Bell




















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