Nürburgring: Land nimmt Schließungen nicht hin
Rheinland-Pfalz - Die neue Harmonie zwischen privaten Betreibern und Landesregierung lässt noch einen Moment auf sich warten. Denn das Innenministerium will nicht so einfach hinnehmen, dass die Nürburgring Automotive GmbH (NAG) einzelne Betriebsteile nur noch bei Veranstaltungen und Buchungen öffnet („Income-Geschäft“).
Ansonsten sollen sie geschlossen bleiben – im Sommer wie im Winter, wie ein NAG-Sprecher gegenüber unserer Zeitung bestätigte. Betroffen sind das Ringwerk, der Boulevard, das Event-Center und die Veranstaltungsarena. 59 Mitarbeitern wird gekündigt. Weitere 82 werden nicht weiterbeschäftigt oder müssen zu ihrem ursprünglichen Arbeitgeber, der nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH, zurückkehren (wir berichteten).
Rechtsgrundlage strittig
Nun ist die Landesregierung allerdings der Auffassung, dass die privaten Betreiber dauerhafte Teil-Schließungen nicht einfach beschließen können. „Es gibt grundsätzlich eine Betriebspflicht für sämtliche Pachtgegenstände am Nürburgring“, heißt es aus dem Innenministerium auf Nachfrage unserer Zeitung. Über die Ankündigungen der Pächter ist man nicht gerade erfreut. Am Mittwoch haben beide Seiten Gelegenheit, sich auszusprechen. Innenstaatssekretär Jürgen Häfner (SPD), und Klaus Stumpf, Chef des Aufsichtsrats der Nürburgring GmbH, treffen mit den Unternehmern Kai Richtern und Jörg Lindner zusammen.
Spitzentreffen vor Weihnachten
Das lange angekündigte Spitzengespräch findet also doch noch vor Weihnachten statt, wie die NAG auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Allerdings ohne Innenminister Roger Lewentz (SPD). Er steigt möglicherweise bei einer zweiten Begegnung im Januar zu.
CDU-Wirtschaftspolitiker Alexander Licht spricht angesichts der Schließungspläne von einem „Totalschaden“ für Rot-Grün. Licht weiter: „Zugleich wird klar, dass die Landesregierung einen dreistelligen Millionenbetrag aus Steuergeldern buchstäblich wie abgefahrene Reifen auf der Rennstrecke verbrannt hat.“ Die CDU will von Rot-Grün umgehend wissen, was wann und für wie lange am Nürburgring geschlossen wird. Licht: „Es ist unerträglich, dass sich das Parlament über die Presse informieren muss.“
Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ist indes nach wie vor davon erzeugt, dass der Ausbau des Nürburgrings zu einem Freizeit- und Geschäftspark in fünf Jahren als Erfolg gesehen wird. Der Regierungschef geht zugleich davon aus, dass sich die 330-Millionen-Investition am Ende für Land und Leute auszahlt, erklärte er vor Journalisten. Beck wünscht sich in der Debatte um die Zukunft des Nürburgrings, künftig „mehr Lust am Gelingen als am Misslingen“.
Von unserem Redakteur Dietmar Brück




















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