Mainzer Synagoge öffnet ihre Türen zum Jahrestag
Mainz - Manchmal muss Stella Schindler-Siegreich sich noch in den Arm kneifen, um zu realisieren, dass in Mainz tatsächlich eine neue Synagoge gebaut worden ist.
Vor einem Jahr, am 3. September, wurde sie eingeweiht. Bundespräsident Christian Wulff war dabei, der Südwestrundfunk übertrug das Ereignis live und alle überregionalen Tageszeitungen der Republik widmeten dem spektakulären Bau des Architekten Manuel Herz große Berichte. Den ersten Jahrestag nimmt die Jüdische Gemeinde zum Anlass, zum dritten Mal zu einem Tag der offenen Tür einzuladen - am Sonntag, 4. September, von 11 bis 17 Uhr. Das ist gleichzeitig der "Europäische Tag der Jüdischen Kultur".
Andrang 2010 war riesig
Geplant sind Führungen und kleine Kulturdarbietungen. Die Gemeinde bietet koscheren Brunch sowie Kaffee und Kuchen an. "Ich bin gespannt, wie viele Menschen dieses Mal kommen", sagt Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Gemeinde, und lächelt. Bei den ersten beiden Tagen der offenen Tür herrschte ein riesiger Andrang. "Das Interesse ist nach wie vor groß. Wir machen fast jeden Tag eine Führung, aber die Nachfrage ist viel größer."
Noch mehr Führungen möchte die Gemeinde aber nicht anbieten, denn das wäre organisatorisch nicht zu bewältigen und würde zudem auch das Gemeindeleben zu sehr beeinträchtigen. "Momentan haben wir auch noch Schreiner im Haus", berichtet Schindler-Siegreich. Denn das Gebäude ist immer noch nicht ganz fertig. Die 63-Jährige ist nahezu jeden Tag dort und genießt das wachsende Gemeindeleben. Mittwochs vormittags beispielsweise trifft sich der Chor der Gemeinde hier, am Nachmittag ist die Bibliothek geöffnet. Hier kann man auch Bücher in russischer Sprache ausleihen.
Integration ist ein wichtiger Aspekt
Denn 95 Prozent der 1035 Gemeindemitglieder sind in den vergangenen Jahren aus Osteuropa, die meisten aus Russland, zugezogen. "Da Russisch eine Weltsprache ist, raten wir den jungen Leuten, diese Sprachkenntnisse zu pflegen, denn sie sind ein Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt. Die Integration in Deutschland hat Vorrang, die Integration in die Jüdische Gemeinde steht an zweiter Stelle, beschreibt Schindler-Siegreich die Priorität.
"Hier ist jeden Tag was los", erzählt die Vorsitzende. Eine Gruppe von Holocaust-Überlebenden trifft sich hier regelmäßig und wird von der Gemeinde betreut. Aber sie ist auch gemeinsam sportlich aktiv oder unternimmt Spaziergänge. Auch koscheres Kochen soll demnächst angeboten werden.






















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