Mainzer Synagoge: Offen für alle - Aber noch ohne Rabbiner
Mainz - Von außen wirkt der Bau massiv, von innen zeigt er sich lichtdurchflutet: Die neue Synagoge soll nicht nur für das Gebet offen stehen, sondern auch für Juden und Nicht-Juden, die Veranstaltungen besuchen oder einfach nur den Bau bewundern wollen. „Ich habe bewusst keinen reinen Sakralraum entworfen“, sagt der Kölner Architekt und Schüler von Daniel Libeskind Manuel Herz im Gespräch mit der Rhein-Zeitung. Für den 41-Jährigen war die feierliche Eröffnung ein großer Tag: „Für mich geht hier ein Traum in Erfüllung“, sagt er. In seinem Entwurf spielen Buchstaben eine große Rolle. Der Gebetsraum, der sich über zwei Etagen erstreckt, ist mit hebräischen Schriftzeichen verziert, Wände, die er „ein Meer von Buchstaben“ nennt.
Doch der imposante Raum, der von oben von Licht durchflutet wird, ist nur ein Teil des gigantischen Baus. Im Untergeschoss gibt es einen Veranstaltungsraum, und in der Etage darüber wird die jüdische Gemeinde ihre Bibliothek einrichten. In alle Wände sind asymmetrische, keilförmige Fenster eingelassen – aus Sicherheitsglas zum Schutz vor antisemitischen Anschlägen. Der Hinterhof grenzt direkt an die Kita Gabelsberger Straße. Von dort tönt lautes Kindergeschrei hinüber.
Im ersten Stock hat Herz eine Drei-Zimmer-Wohnung eingerichtet. Dort will die Gemeindevorsitzende Stella Schindler-Siegreich gern langfristig einen eigenen Rabbiner für die Synagoge unterbringen. „Er darf eben nur nicht zu viele Kinder haben, dann wird es zu eng“, sagt sie scherzhaft. Momentan gilt in der Mainzer Synagoge wie im restlichen Bundesland noch das Prinzip des Wanderrabiners. „Eine unserer neuen Aufgaben ist es jetzt einen guten Vorbeter zu finden“, kündigt Schindler-Siegreich an.
Bis dahin hat Schindler-Siegreich ein umfassendes Programm für alle Interessierten vorgelegt. Die Gemeinde startet an diesem Sonntag mit einem Tag der offenen Tür von 11 bis 17 Uhr. Architekt Herz bietet eine Führung durch die Synagoge an, es gibt Klezmer-Musik und Kostproben aus der jüdischen Küche. Bis Ende Dezember steht einiges an. In der Synagoge gibt es Lesungen, Musik und Vorträge. Mit Anmeldung bietet die Gemeinde auch Führungen an.
Anna Kröning
Informationen unter www.jgmainz.de




















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