Helfer kämpften um das Leben des Sturmopfers
Koblenz - Als Jaroslaw Kucharczyk am Freitagnachmittag in seinem Hotel in Koblenz ankam, dem "Kleiner Riesen" in den Rheinanlagen, fiel ihm direkt Pretzers Biergarten auf. So schön fand er den, dass er aus seinem Fenster direkt zwei Fotos schoss. Dass er sich dort keine zwei Stunden später mit fast zwei Dutzend Menschen um einen umgestürzten Baum scharen würde, um eine Frau zu retten, hätte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen können.
Kucharczyk begleitete als Dolmetscher zwei polnische Geschäftsleute nach Koblenz, als er Zeuge des schrecklichen Unwetters wurde, bei dem eine Koblenzerin im Biergarten ihr Leben verlor. Mittlerweile ist Kucharczyk wieder in Polen, aber das Unglück lässt ihn nicht los. "Die Leute sollten wissen, dass viele versucht haben, der Frau zu helfen", fand er und hat sich mit der Rhein-Zeitung in Verbindung gesetzt.
Sein Aufenthalt in Koblenz sollte eigentlich mit einem Bier in Pretzers Biergarten beginnen. Aber kaum waren er und seine Begleiter aus dem Hotel getreten, kamen die heftigen Windböen auf, und die Polen haben im Zimmer gewartet, bis es auf einmal still wurde. "Vor dem Hotel sahen wir dann zuerst einen alten Herren, der mit seinem kleinen Hund spazieren ging, als von einem anderen Baum ein dicker Ast abbrach", erzählt Kucharczyk. Er hatte Glück, das Holz verfehlte ihn knapp. "Der Mann sagte: ,Jetzt habe ich zwei Geburtstage.'"
Doch dann liefen immer mehr Menschen in den Biergarten. Als Kucharczyk eine Frau fragte, was geschehen sei, rief diese: "Helfen Sie mit, da liegt eine Frau!" Nicht nur der Dolmetscher, auch seine polnischen Geschäftspartner und andere Hotelgäste stürzten im strömenden Regen zu dem abgebrochenen Kastanienast. Fast zwei Dutzend Menschen versuchten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, den Ast von der Frau zu wuchten, darunter weinende Menschen, die mit der Frau im Biergarten gesessen hatten. "Einen Ast konnten wir mit Mühe heben, darunter lag eine verletzte Frau", berichtet Kucharczyk. "Bei dem anderen hatten wir keine Chance."
Stephanie Mersmann




















Diesen Artikel versenden