Halbmarathon: Tragik und Triumph liegen eng beieinander
Loblenz - Es hatte schon fast etwas Tragisches: Nach zwei zweiten Plätzen beim Halbmarathon durch das Mittelrheintal durfte Judith Olinger 17 Kilometer lang von ihrem ersten Sieg träumen. Die Japanerin Izumi Oka, Siegerin der Jahre 2007, 2008 und 2009, lag deutlich abgeschlagen hinter der Läuferin vom PST Trier. Mit Halsschmerzen kämpfte sich die 40-Jährige aus Boppards Partnerstadt Ome am Ende in 1:25:32 Stunden auf den dritten Platz.
Doch an Olingers Fersen heftete sich 17 Kilometer lang Thurid Buch. „Sie ist die ganze Zeit hinter mir geblieben. Und ich habe die ganze Zeit gedacht: Sie muss noch genauso viele Kilometer laufen wie ich auch“, erzählte Olinger – natürlich enttäuscht, dass es wieder nicht geklappt hat, aber nicht vorwurfsvoll.
Kraft sparen im Schatten
Olingers Feststellung war natürlich richtig: Thurid Buch blieb hinter der Triererin laufend kein einziger Meter erspart. Aber die Läuferin vom nordrhein-westfälischen Klub Alfterer SC sparte Kraft. Obwohl die Bedingungen mit wenig Wind und milden, nicht zu hohen Temperaturen nahezu ideal waren, wer mehr als eine Stunde vorn läuft, lässt mehr „Körner“ auf der Strecke – muskulär und auch mental.
An der Koblenzer Stadtgrenze, vier Kilometer vor dem Ziel, war es so weit: Olinger musste ihrer Tempoarbeit Tribut zollen: „Auf einmal waren die Beine zu“, erzählte die Medizinerin, die zurzeit ihr praktisches Jahr am Trierer Brüderkrankenhaus absolviert. Buch erkannte die Situation, nutzte die Schwächephase der 26-Jährigen, wie es sich für eine Wettkämpferin gehört, eiskalt aus. „Als Judith langsamer wurde, bin ich vorbeigegangen“, sagte die dreimalige Mutter.
Auf der leicht abfallenden Mainzer Straße versuchte Olinger zwar, noch einmal heranzukommen, doch Buch ließ sich den Sieg in 1:22:49 Stunden nicht mehr nehmen. 32 Sekunden später lief Olinger ins Ziel. „Ich trainiere bewusster“, erzählte Buch, wie sie trotz großer Familie ausreichend trainieren kann.
Anders als Olingers Tempolauf führte der von Charai Abderazzak zum Erfolg. Der 25 Jahre alte Marokkaner, der seit neun Monaten in Wiesbaden lebt und beim TV Waldstraße trainiert, landete einen Start-Ziel-Sieg. Ungläubig lauschte Ziel-Moderator Artur Schmidt den Meldungen von der Strecke: Nach zehn Kilometern hatte Abderazzak etwa einen Kilometer Vorsprung. Die Zeit: exakt 32 Minuten. Damit lag er auf Streckenrekordkurs. Und der frisch Verheiratete hielt das Tempo. Im Ziel zeigte seine Uhr 1:07:51 Stunden – schon nach einem Jahr ist damit der bisherige Streckenrekord von Tim Meyer aus Daaden (1:08:39) Geschichte.




















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