Gegen das Wochenend-Chaos: Koblenzer Altstadt-Gastronomen planen City-Streife
Koblenz - Demolierte Tische und Bänke in der Außengastronomie, zerborstene Blumenkübel, abgerissene Werbeschilder, zerschmetterte Bierflaschen - und am Wochenende regelmäßig menschliche Exkremente vor dem Eingang: Horden gewaltbereiter Säufer hinterlassen in der Altstadt beinahe jedes Wochenende ein Bild der Verwüstung.
Das beklagen nicht nur etliche Gastronomen und Gewerbetreibende. Auch bei der jüngsten Sitzung der "Initiative Sicherheit in unserer Stadt" stellten Polizei und Ordnungsamt fest: Die Altstadt hat ein handfestes Problem mit Schlägern und Kampftrinkern. Einige Wirte und Geschäftsleute planen deshalb, ein privates Sicherheitsunternehmen zu engagieren, das an den Wochenenden Streife laufen soll. Ordnungsamt und Polizei halten wenig von der Initiative.
"Das ist eine prima Idee, mit dem das Sicherheitsunternehmen sicherlich gutes Geld verdienen kann. Ich sehe aber keinen Sinn dahinter. Was soll diese Streife machen? Die haben keinerlei Befugnisse", stellt Ordnungsamtsleiter Reiner Klug fest. Für Gewalttaten und Sachbeschädigungen sei allein die Polizei zuständig. Die Polizei fährt zudem an den Wochenenden ein neues Einsatzkonzept.
Stefan Giesen, der in Sinzig einen Sicherheitsdienst angemeldet hat, will Polizei und Ordnungsamt auch gar nicht ersetzen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten. Er ist überzeugt: "Allein die Präsenz einer Streife, die ab 23 Uhr bis 5 Uhr morgens patrouilliert, wenn der kommunale Vollzugsdienst nicht mehr unterwegs ist, kann für mehr Ruhe und Ordnung in der Altstadt sorgen." Mit dieser Meinung steht er nicht allein da: Nach eigener Auskunft hat Giesen 40 Gastronomen und Geschäftsleute im Boot, die die City-Streife finanzieren wollen. Zwei Zweier-Teams sollen zunächst eingesetzt werden. Bei Bedarf auch mehr.
Ein Gastronom aus der Altstadt, der die City-Streife mit finanzieren will, hofft sehr auf eine Wirkung - weil er den Glauben an Polizei und Ordnungsamt verloren hat. "Ich habe es aufgegeben, Anzeige zu erstatten, wenn wieder einmal etwas zu Bruch gegangen ist", sagt der Mann. Warum? "Das bringt eh nichts. Da passiert auch nichts." Die Zustände in der Altstadt würden derweil immer schlimmer. "Etwa seit einem Jahr ist es fast unerträglich geworden", erzählt ein anderer Wirt aus der Altstadt. "Bis 23 Uhr ist das Publikum relativ gesittet. Doch nach Mitternacht kippt die Stimmung regelmäßig. Und dann wird es auch gefährlich. Wer versucht, einzuschreiten, landet schnell im Krankenhaus." Viele seiner Stammgäste kommen aus Lützel. "Früher sind die zu Fuß nach Hause gelaufen. Heute fahren die alle Taxi - aus Angst, zusammengeschlagen zu werden."



















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