Forscher bestätigen: Tropen-Virus ist schuld am Amselsterben
Mainz/Hamburg - Jetzt gibt es Gewissheit über das rätselhafte Amselsterben im Südwesten: Das tropische Usutu-Virus ist tatsächlich für das massenhafte Sterben der Vögel verantwortlich.
Das haben Virologen des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) bestätigt. Bei den untersuchten Amselkadavern wurden der von Stechmücken übertragene Erreger nach Angaben der Experten in 23 von 31 Fällen nachgewiesen werden, bei toten Vögeln anderer Arten hingegen nicht. „Der Befund ist alarmierend, da Usutu-Viren auch den Menschen infizieren können. In Deutschland sind jedoch bisher keine Infektionen von Menschen diagnostiziert worden“, berichtet Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Wissenschaftler am BNI.
Das Usutu-Virus galt lange Zeit nicht als Bedrohung für den Menschen, da keine schweren oder tödlichen Erkrankungen bekannt waren. Doch diese Einschätzung muss jetzt nach einem Bericht der „Ärztezeitung“ revidiert werden: Laut einer von der Zeitschrift zitierten Studie im europäischen Journal für Infektionskrankheiten „Eurosurveillance“ wurde im Jahr 2009 in Italien bei mehreren Patienten Usutu-Fieber diagnostiziert.
Unter ihnen waren zwei immungeschwächte Personen, die aufgrund des Virus an einer Enzephalitis (Gehirnentzündung) erkrankten. Sie waren die weltweit ersten Fälle, in denen ein Befall des Zentralen Nervensystems durch Usutu-Viren beschrieben wurde. Normalerweise leiden Patienten nach einer Infektion an Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlag. In der Regel stecken sie sich über das Blut mit dem Virus an. Das heißt, dass Stechmücken Überträger sein könnten.
Infizierte Vögel sind aber keine Gefahr für Menschen. In Italien wurden die Krankheitsfälle im Rahmen eines Überwachungsprogramms für das ebenfalls zu den Flaviviren gehörende West-Nil-Virus entdeckt. Die tatsächliche Zahl der Usutu-Virus-Infektionen beim Menschen könnte also durchaus auch höher liegen. Zwar stellt das Virus derzeit keine größere Bedrohung dar, schreiben die Autoren des Artikels in der Zeitschrift „Eurosurveillance“. Da es jedoch derzeit keine Möglichkeit gibt, die Viruserkrankung zu behandeln, muss die Virusaktivität nach Ansicht der Autoren der Studie verstärkt werden. Christian Kunst
Der Link zu der Studie: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=19935




















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