Cattenom: Die Angst vor dem GAU
Kreis Birkenfeld - Der Reaktorunfall im japanischen Fukushima hat auch in Deutschland die Diskussion um die Kernenergie neu angefeuert. Für viele Bürger stellt sich die Frage, welche Katastrophenschutzszenarien es für einen derartigen Störfall gibt. Von den drei Atommeilern in unmittelbarer Nähe zu Rheinland-Pfalz - Biblis bei Worms, Philippsburg bei Karlsruhe und Cattenom bei Thionville - spielt im Bewusstsein der Menschen vor allem der in Lothringen eine gewichtige Rolle: Nur 70 Kilometer Luftlinie trennen ihn von der Kreisgrenze - und meistens weht der Wind aus dem Westen.
Notstrom an den Tankstellen
Zwar gehört der Kreis Birkenfeld im Gegensatz zu Teilen der Kreise Trier-Saarburg, Merzig-Wadern und Saarlouis nicht zu der sogenannten "ersten Zone" in einem Umkreis von 25 Kilometern, für die die Katastrophenschutzplanung unter anderem die Einnahme von Jodtabletten und im Notfall die Evakuierung vorsieht. Letzteres würde auch den Kreis Birkenfeld dennoch betreffen: "Dann hätten wir sicher Unterkünfte bereitzustellen", erklärt der Dezernent der Kreisverwaltung, Jürgen Schlöder. Für solche Situationen existiert eine Übersicht der nutzbaren Sporthallen und Gemeinschaftshäuser, erklärt Kreisfeuerwehrinspekteur Eberhard Fuhr, der zugleich in der Kreisverwaltung Sachbearbeiter für den Katastrophenschutz ist. Ihm schwebt vor, diese Gebäude nach und nach mit Notstromeinspeisungsmöglichkeiten auszustatten, wie es derzeit mit den Tankstellen geschieht. Bislang steht nur für die Idar-Obersteiner Messehalle ein leistungsfähiges Aggregat zur Verfügung, das bei der Feuerwache 3 in Nahbollenbach stationiert ist. "Bei einem Reaktorunglück fällt nicht zwangsläufig der Strom aus", relativiert Regierungsdirektor Schlöder. "Aber wir müssen auch für Naturkatastrophen gewappnet sein." Sein Mitarbeiter Kai Scherer erinnert an den viertägigen Stromausfall im Münsterland 2005, der die wichtigsten Informationswege vom Internet über ISDN-Telefone bis zu den Handys lahmlegte.
Gefahrstoffzug ist geübt
Unabhängig von der Nähe zu Cattenom messen die Behörden in Rheinland-Pfalz und im Kreis Birkenfeld die Strahlenbelastung in den letzten Wochen verstärkt. "Seit der Havarie in Fukushima kontrollieren wir neben unserer täglichen Messung in Birkenfeld jeden Samstag an weiteren unserer zwölf Stationen die Werte", berichtet Fuhr: "Wir haben aber noch keine auffällige Veränderung registriert."
Bereits seit 1978 unterhält der Kreis Birkenfeld einen Dekontaminationsgruppe; sein dezentral aufgestellter Gefahrstoffzug hat 64 Strahlenmessgeräte, "die genauso sensibel sind wie jene, die jetzt in Japan eingesetzt werden", betont Fuhr. Bei ABC-Ereignissen würden er und seine Mitstreiter die Anweisungen aus Trier erhalten: Das Krisenmanagement zum Schutz der Bevölkerung vor radioaktiven, biologischen und chemischen Stoffen obliegt dem Präsidenten der dortigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).




















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