Braunes Haus: Chef schildert Arbeit für NPD
Koblenz - Seit August läuft der Mammutprozess gegen 26 mutmaßliche Mitglieder oder Unterstützer des rechtsradikalen Aktionsbüros Mittelrhein – jetzt hat einer der führenden Köpfe der ultrarechten Szene in Rheinland-Pfalz sein Schweigen gebrochen: Christian H. (28) berichtete am 40. Prozesstag vor dem Landgericht Koblenz über sein Leben als rechtsradikaler Aktivist, über den Alltag im Braunen Haus und über seine Zusammenarbeit mit der NPD.
Christian H. galt als Chef des ehemaligen Braunen Hauses in der Weinbergstraße 17 in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Er bezog das cappuccinofarbene Einfamilienhaus im Jahr 2010 mit vier „Kameraden“ und begründete ein nationalsozialistisches Wohnprojekt. Es wurde zum Treffpunkt für Menschen, die gemeinsam das SA-Sportabzeichen ablegten, gern Braunhemden trugen und sich in Rassenkunde fortbildeten.
2012 war Schluss. Die Polizei stürmte das Haus am 13. März, ebenso weitere Häuser in Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern. Sie nahm zahlreiche Neonazis fest. Rund ein Drittel der 26 Angeklagten des Mammutprozesses sitzt bis heute in Untersuchungshaft, auch Christian H. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Sie sollen Hakenkreuze an Wände geschmiert, Linke verprügelt und ausspioniert haben.
Donnerstag, Gerichtssaal 128, 10.15 Uhr: Christian H. – buntes T-Shirt, Kinnbärtchen, Kapuzenjacke – fühlt sich sichtlich unwohl. Er rutscht auf seinem Stuhl hin und her und blickt in den Saal mit 25 (ehemaligen) Kameraden und 52 Anwälten. Bevor er 45 Minuten lang über das Aktionsbüro referiert und stundenlang Fragen der Richter beantwortet, hält er eine Klarstellung für geboten. Einer seiner Anwälte tut kund: H. will kein Aussteiger sein, will sich „auch in Zukunft nicht im Kampf der Staatsanwaltschaft gegen Rechtsextremismus instrumentalisieren lassen“.
Er will nur aussagen, weil der Prozess bisher ein „falsches, unvollständiges und irreführendes“ Bild des Aktionsbüros gezeichnet habe.
So schilderte H. sein Leben: Mit 13 Jahren beschäftigt er sich erstmals mit Politik, hört Die Ärzte, interessiert sich für Che Guevara. Dann wendet er sich der rechten Szene zu, hört Landser, entwickelt ein „positives Verhältnis zur Heimat“, diskutiert über den Zweiten Weltkrieg. 2003 besucht er erstmals eine NPD-Veranstaltung, nimmt in der Folge an gut 100 „nationalen Demonstrationen“ teil.
Die NPD ist seine politische Heimat. H. war nie Mitglied, aber offenbar so integriert, dass ihn der rheinland-pfälzische NPD-Vize-Chef Safet Babic auf Nachfrage unserer Zeitung einst als früheren NPD-Vorsitzenden im Kreis Ahrweiler bezeichnete. Das Aktionsbüro verbreitet bis heute im Internet ihr Manifest „Eine Aufforderung zum Kampf“. H. räumte ein, er habe es irgendwo besorgt, kopiert und im Namen des Aktionsbüros publiziert. Den Verfasser kenne er nicht.




















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