Andernacher Stadtsoldaten bieten Spektakel
Andernach - Wer ein farbenfrohes Spektakel gespickt mit exzellenten Büttenreden in jeder Variation und wunderschönen Tänzen erleben möchte, ist bei den Prunksitzungen der Andernacher Stadtsoldaten bestens aufgehoben. In der Mittelreinhalle erlebten am Wochenende mehrere Hundert Jecken eine tolle Schau und amüsierten sich prächtig. Als Ritter und Burgfräuleins hatten die Elferräte mit Kommandant Molly Zins an der Spitze an die Schlosstafel geladen und tischten Einiges auf.
Wie anno dazumal stand das spitze Wort im Vordergrund. Als eine der wenigen Gruppen im Andernacher Karneval verstehen es die beiden Stadtsoldatencombos, pointiert das Geschehen in der Bäckerjungenstadt aufzugreifen und musikalisch umzusetzen. Die Altstadtrebellen (Waldemar Thiele, Stefan Fischer, Molly Zins, Aaron Friedland) lösten etwa das Taubenproblem gleich auf zwei Arten. Entweder könne man sie auf einem Taubenfest braten oder sie exportieren: "Nach Neuwied, nach Neuwied, und wir sind sie quitt", sang das Quartett. Die Kleevkurschte (Andrea Paulmann, Erika Schwickert, Martina Eiden, Vera Zerwas-Schneider) wünschten sich musikalisch ein Kino für die Stadt und schossen humoristischen Pfeile in Richtung Parkbuchten am Rennweg und abgefahrene Autospiegel.
Als wortsicher zeigten sich ebenso die jungen Rednerinnen. Andrea Peters, "Et Blondche", wusste mit gereimten Antimuffelspritzen gegen schlechte Laune zu helfen. Nadine Krebs und Nina Ruppert hatten zur Freude der Jecken als "die Ähn on die Anner" mit englischsprachigen Papageien, Pisa-Studie und Kaffeefahrten zu kämpfen.
Zum Bedauern aller Narren gaben die Bütten- und Slapstickmeister Markus Topp und Erwin Schmidt als "Trips und Trölles" ihre letzte Vorstellung. Zum Abschied verschossen sie ihr Pulver noch einmal ausgiebig in alle Richtungen, sei es auf der Jagd mit Kuscheltieren oder beim Angeln nach Riesenfischen im Rhein.
Besonders freuten sich die Narren über die einfallsreichen Einlagen der Stadtsoldaten. Beim Regimentstanz heizte Detlef Lüdge als "Miss Piggy" mit verblüffenden Drehungen um die Gogo-Tanzstange seine wibbelnden Kameraden an. Der Spielmannszug unter der Leitung von Sandra Bell ließ bei seinem musikalischen Streifzug durch die amerikanische Filmgeschichte plötzlich einen Supermann fliegen, und die wirbelnden Fahnen der Fahnenschwenker (Leitung: Thomas Rieck) kamen im Schwarzlicht besonders gut zur Geltung. Die Turnerriege (Leitung: Mathias Busenkell) brachte zudem einige Cheerleader bis fast an die Bühnendecke.
Prinz Raphael I. "der Soldat im Funkenornat" sowie sein Kabinett setzten nach den Ovationen für das Karnevalslied Cowboyhüte auf und zeigten einen flotten Westerntanz. Und natürlich durften auch die Höchstleistungen in punkto Rhythmus, Akrobatik und Eleganz bei den Stadtsoldaten nicht fehlen. Kostümiert als Indianer, Wikinger und Disco-Girls oder in Uniform verstanden es die Tanzgruppen, die Jecken aus dem Häuschen zu bringen.
Silvin Müller




















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