Alternative Betreiber ohne Chance am Nürburgring?
Rheinland-Pfalz - Rennsportexperten und Unternehmen rund um den Nürburgring haben das ab 1. Mai wirksame neue Geschäftsmodell scharf kritisiert: Die gemeinsame Vermarktung der Rennstrecken und der Freizeitangebote in dem 330 Millionen Euro teuren Freizeit- und Geschäftszentrum habe keine Zukunft, prophezeit die "Initiatorengruppe Nürburgring 2010".
Von unserer Redakteurin Claudia Renner
"Das ist ein Luftschloss, auf Sand gebaut", sagte einer ihrer Sprecher, der ehemalige Marketing- und Vertriebschef der Nürburgring GmbH, Stefan Róta, vor der Presse in Mainz. Völlig undurchsichtig sei auch, wie nach der Nürburgring-Finanzaffäre und dem Rausschmiss von Ex-Ring-Boss Walter Kafitz die neuen Gesellschaftsstrukturen am Ring festgezurrt wurden.
Einen freien Wettbewerb habe es nie gegeben, beklagte Ossi Kragl, Marketing-Unternehmer am Ring. Das von der Gruppe in monatelanger Arbeit erstellte Alternativkonzept wurde wenige Tage nach einem Gespräch mit dem Ring-Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Schwanhold "ausgebootet". Nach dem Konzept der Gruppe wollten dem Ring nahestehende Privatunternehmen in eine Betriebsgesellschaft einsteigen, die sich ausschließlich um Erhalt und Weiterentwicklung des Rennsportgeschäfts kümmert - allerdings nicht um die Formel 1, die auch nach diesen Plänen weiterhin beim Land bleiben sollte.
Mit der Ring GmbH sollte ein Pachtvertrag geschlossen werden. Einzelheiten oder Namen potenzieller Gesellschafter will die Gruppe derzeit nicht nennen - auch vor dem Hintergrund, dass der EU-Kommission zwei Wettbewerbsbeschwerden zu den neuen Strukturen am Ring vorliegen. Eine kommt von den Grünen, die andere von einer Privatperson.
Mit dem nun beschlossenen Betriebskonzept befürchtet die Gruppe, dass Gewinne aus dem an sich profitablen Renngeschäft dazu genutzt werden, mögliche Finanzlöcher bei den neuen Zusatzangeboten vom Ring-Boulevard über die Riesen-Arena bis hin zum Rennsport-Erlebnismuseum "Ringwerk" zu stopfen. "Trennen Sie den Rennsport von den Freizeitaktivitäten", appellierte Marketingexperte Róta an die politisch Verantwortlichen. Das Erlebnismuseum Ringwerk werde sich genauso wenig tragen wie sein Vorläufer, die Erlebniswelt: "Investieren Sie noch einmal das Geld der Steuerzahler - reißen Sie es ab."
Einen prominenten Fürsprecher hat die Gruppe in Eifel-Krimi-Autor Jacques Berndorf gefunden. Für sein im Mai erscheinendes neues Buch hat er monatelang am Ring recherchiert: "Erschrocken" sei er darüber, dass "die Eifel und die Eifeler so wenig bedacht werden". Mit dem Ausbau "bekamen die Eifeler bis jetzt nur Größe - sonst nichts". Drei Mordopfer kommen in seinem Krimi vor. "Das bildet aber nicht die Realität ab", beruhigt Berndorf.
Das Wirtschaftsministerium sprach von "einer Präsentation weitgehend vager Vorstellungen ohne konkrete Substanz". Minister Hendrik Hering (SPD) habe in einem Brief an Kragl längst klargestellt, dass der Motorsport zentraler Bestandteil des Zukunftskonzepts am Ring bleiben werde.



















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