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Winter im Wildpark bedeutet Ruhe und Mühe zugleich

Bad Marienberg - Das Thermometer zeigt an diesem Morgen vier Grad minus. Der Himmel über Bad Marienberg ist hellblau, die Sonne erhebt sich langsam zum Dienst. Während das Wetter die Wochen zuvor nur trübes Grau, Dauerregen und Temperaturen ohne jahreszeitlichen Bezug zu bieten hatte, scheint dieser Tag wie geschaffen für einen wunderbaren Ausflug unter dem Motto „Den Wildpark im Winter erleben“. Warm eingehüllt in Mantel, Schal, Mütze und Handschuhe geht's los.

Während das weitläufige, beliebte Gelände im Sommer um diese Uhrzeit längst mit Spaziergängern, Walkern und Joggern gefüllt ist, erwacht das Leben an diesem Januarmorgen nach einer klirrend kalten Nacht nur langsam. Lediglich im Streichelzoo herrscht schon rege Betriebsamkeit. Der ist zurzeit die Kinderstube des Wildparks – und alle Eltern wissen, dass Kinder meistens (viel zu) früh aufstehen wollen. So toben zahlreiche quirlige Zicklein durch das Gehege. Wenn die Kleinen eine Pause benötigen, kuscheln sie sich vor dem von der Sonne bereits hell beschienenen Stall zusammen oder suchen ihre Mütter, um zu trinken. Damit die niedlichen Ziegenbabys vorerst ungestört aufwachsen können, ist der Streichelzoo zurzeit für Besucher geschlossen. Doch auch jenseits des Zauns huscht einem bei dem süßen Anblick unwillkürlich ein Lächeln übers Gesicht.

Nachwuchs gibt es auch bei den Hochlandrindern. Doch anders als die große Ziegenfamilie lassen das erst wenige Wochen alte Kalb und seine Mutter den Tag gemütlich angehen. Das ändert sich aber schlagartig, als Wildparkranger Ralf Scherm zur Fütterung erscheint. Plötzlich beschleunigen die Tiere ihren Schritt, schreien vergnügt und versammeln sich mit ihren Artgenossen rund um den Trog, in den Scherm frisches Heu einfüllt. Die Portion Kraftfutter als besonderes Leckerchen fällt im Winter etwas üppiger aus als in der warmen Jahreszeit – auch wenn die Kälte den Hochlandrindern mit ihrem zotteligen Fell nicht wirklich zu schaffen macht. Ranger Scherm nutzt die kleine Futterbelohnung vielmehr dazu, Vertrauen zu den Tieren aufzubauen. „Wenn sie dicht zu mir kommen und mir aus der Hand fressen, kann ich besser überprüfen, ob sie in Ordnung sind“, erklärt er. Ähnlich wie seine rund 130 Tiere in 16 verschiedenen Bereichen startet Ranger Scherm im Winter etwas später in den Tag. Zwischen 7 und 7.30 Uhr beginnt er mit der Zubereitung des Futters. Er füllt den Wassertank auf und belädt den Anhänger seines Traktors. Dann steuert er bei Anbruch der Helligkeit die Gehege an, um den Wildparkbewohnern ihr Frühstück zu bringen.

Dass dieser Arbeitsschritt im Winter deutlich mühsamer ist als im Sommer, zeigt sich spätestens auf der Wiese der Alpakas. Die Wasserwanne ist eingefroren. Doch der Ranger ist nicht zimperlich: Mit bloßen Händen greift er in die Schüssel und fischt die Eisschollen von der Oberfläche, damit die kamelartigen Tiere wieder trinken können. Nicht nur die Fütterung, sondern die Pflege des gesamten Tierbestands ist bei Frost und Schnee aufwendiger. „Wenn die Wiesen gefroren sind und nicht mehr abgegrast werden können, müssen wir mehr Heu fahren. In den Ställen der etwas empfindlicheren Arten – wie etwa der Zebus – müssen wir die kalten Betonböden mit Stroh einstreuen“, berichtet Scherm.

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