In der Gänsekeulen-Affäre kommt es zum Eklat: Sigurd Remy rastet aus
Neuwied - Die Gänsekeulen-Affäre von Stadtwerke-Geschäftsführer Dirk Hillesheim wächst sich langsam zu einem „Fall Sigurd Remy“ aus. Nach den Äußerungen des SPD-Fraktionsvorsitzenden gegenüber der RZ („Das war nur eine Dummheit“) sind immer mehr Sozialdemokraten fassungslos, wie der Politiker mit den Vorwürfen gegen SWN-Chef Hillesheim (SPD) umgeht.
In diesem Zusammenhang ist es nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke zu einem Eklat gekommen. Nach RZ-Informationen hat sich Sigurd Remy (72) nach der Sitzung zu der Äußerung verstiegen, solange Martin Hahn Vorsitzender der CDU-Fraktion sei, werde es mit der Union keine Gespräche zur Altersvorsorge für die Geschäftsführung geben.
Hintergrund ist die Tatsache, dass die Stadtwerkedirektoren nach wie vor keine geregelte Altersvorsorge seitens des Unternehmens haben, wie dies in anderen Firmen üblich ist. Der Aufsichtsrat hatte eigentlich über eine neue Regelung abstimmen sollen. Doch aufgrund der aktuellen Vorwürfe gegen Dirk Hillesheim sollte das Thema vertagt werden, bis der Fall aufgeklärt ist. Teilnehmer berichten, der Streit sei vor der Tür eskaliert, einige (nicht Sigurd Remy) hätten heftig geschrien worden.
Mit Spannung hatten Beobachter die Sitzung des Stadtrats am Donnerstagabend erwartet. Da unter anderem der Jahresabschluss der Stadtwerke zur Beratung anstand, hätte es die Möglichkeit gegeben, auch den Fall Hillesheim öffentlich zu diskutieren. Die Mitglieder des Stadtrats widerstanden jedoch dieser Möglichkeit. Oberbürgermeister Nikolaus Roth (SPD) teilte zu Beginn mit, die Fraktionen hätten sich darauf geeinigt, „vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion keine Aussprache“ vorzunehmen. „Wir wollen das nicht noch verschlimmern, was öffentlich diskutiert wird“, sagte Roth.
Auf Antrag des fraktionslosen Werner Johann Keßler stimmte der Stadtrat dann getrennt über die Beschlussvorschläge ab. Hintergrund: Keßler wollte der SWN-Geschäftsführung die Entlastung nicht erteilen. Bei der Abstimmung votierte er mit „Nein“ – wie auch sein Sitznachbar Gustav Gehrmann. Alle anderen stimmten dafür.
Interessanter war, was sich nach der Sitzung abspielte. Wie kurz vor Weihnachten üblich, fand im Anschluss das Jahresabschlussessen statt. Der Raum war schnell in zwei Lager geteilt: da die SPD-Mitglieder, dort die Vertreter von CDU, FWG und FDP. Die meisten Genossen begegneten den Vertretern anderer Parteien mit eisigem Schweigen, bestenfalls mit wortlosem Lächeln, und an den Tischen gab es nur ein Thema: die Gänsekeulen-Affäre von Dirk Hillesheim.
In großer Besorgnis hatte übrigens die Stadtverwaltung auf den letzten Drücker sichergestellt, dass nicht etwa aus Versehen Gänsekeulen serviert wurden. Stattdessen gab es unverfänglichen Krustenbraten und Gulasch. (mp)












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