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Koblenzer Nachtleben: Polizei-Einsatz an den Brennpunkten

Koblenz - Zwei Sondereinsatzbusse und zwei Streifenwagen der Polizei rollen durch die dunklen Straßen der Innenstadt. Wie auf Schienen schieben sie sich durch die Nacht. Immer wieder dieselbe Route: vorbei an bekannten Diskotheken, Clubs, Kneipen und schummrigen Plätzen. Im Inneren der Wagen: Einsatzkräfte, die im Notfall die Türen aufreißen, rausspringen und eingreifen.

Der 27-jährige Christoph Reifenrath ist einer von ihnen. Er wird in dieser Nacht bis zum frühen Morgen eine brutale Prügelei aufnehmen, nach Glatzköpfen fahnden, etliche Personen kontrollieren, halb tot gesoffene und orientierungslose Menschen auflesen, pinkelnde Halbstarke verwarnen, Taxifahrer der Nötigung bezichtigen und sogar feiernde Kollegen befragen, denen Gewalttaten unterstellt werden.

Die Koblenzer Polizei erprobt zurzeit ein neues Einsatzkonzept. Ein Spezialteam bestehend aus 15 Polizisten und zwei Ordnungsamtsmitarbeitern durchstreift in den Nächten von Donnerstag bis Samstag das Zentrum - zusätzlich zur normalen Truppe. Denn: Aufgrund der Anzahl der Straftaten in diesem Bereich gelten die Innenstadt und die Altstadt als gefährliche Orte. Mit der verstärkten Präsenz sollen im besten Fall potenzielle Straftäter von ihrem Tun abgehalten werden.

Der Dienst von Reifenrath läuft ruhig an. Wo sich sonst schon in den frühen Abendstunden große Gruppen Jugendlicher zum "Vorglühen" treffen, ist keine Menschenseele zu sehen. Die Rheintreppen, das Stadtbad und der Hauptbahnhof liegen verlassen in der Dunkelheit. Hier beginnt sonst die Arbeit der Sondereinsatzgruppe: vorfahren, Leute kontrollieren, Personalien aufnehmen. Reifenrath erklärt: "Wir signalisieren damit: Passt auf, was ihr nachher treibt. Wir haben euch registriert und finden euch!" Das maßlose Saufen können die Polizisten trotzdem nicht unterbinden.

Der Kleinbus zeigt vor dem Agostea Präsenz. Ein junger Mann torkelt ins Freie und sackt auf den Rand eines Blumenkübels. Plötzlich kippt er rücklings ins Beet. Keine Reaktion. "Los, auf geht‘s!", ruft Reifenrath. Die Männer springen aus dem Fond des Wagens, rennen über die Straße. Sie rütteln den Saufbold wach und versuchen, mit ihm zu sprechen. Während sie rauskriegen wollen, wie er heißt und wo er wohnt, übergibt er sich etliche Male. Seine Spucke zieht Fäden im Wind, als er zu einem Taxi gebracht wird. Reifenrath ist froh, als er dem üblen Geruch entfliehen kann. Er schnappt sich einen Kollegen und läuft Fußstreife, die anderen drehen wieder im Auto ihre Runden. Gerade überqueren die Polizisten den Jesuitenplatz, da kommt es knüppeldick über Funk: "Schlägerei im Agostea. Zwei Türsteher und zwei Polizisten versuchen, einen der Schläger zu fixieren." Der kleine Fußtrupp macht auf der Stelle kehrt. Im Laufschritt ziehen die beiden ihre Handschuhe an. Da kommt der nächste Funkspruch: "Verletzte Person liegt am Boden, Löhrstraße/ Ecke Pfuhlgasse. Täterbeschreibung: zwei Glatzköpfe, russischer Akzent." Wie ein Tier brüllt und wehrt sich der Disco-Schläger, als zu den vier Bändigern auch noch Reifenrath und sein Kollege stoßen. Schweiß rinnt den Männern von der Stirn, als der Blutüberströmte mit Handfesseln fixiert und auf ein Sofa bugsiert wird. "Ich bin keiiiin Unschuldsssslammmmm. Aber! Keiiiine Ahhhnung, wasss hier los is", lallt der bullige Täter. Eine kurze Überprüfung per Funk in die Dienststelle zeigt: Der 19-Jährige ist mehrfach registriert. Die beiden Streifenpolizisten führen die Arbeit an Ort und Stelle zu Ende.

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Leserkommentare (11)

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von k.mueller vom 12.12 - 19:34 Uhr
Genau. Und wer danach noch auf der Straße gesichtet wird, gehört erschossen. So wie kürzlich ein Forenteilnehmer hier schrieb, das Mädchen, das ...
2
von Norbert vom 12.12 - 20:05 Uhr
[QUOTE=k.mueller;42898] ... Sperrstundendiskussionen gehören ins vorige Jahrhundert. Oder ins tiefste Bayern. Aber Koblenz als angebliche ...
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von k.mueller vom 12.12 - 20:18 Uhr
Nein, aber aus NRW-Sicht kann man über Koblenzer Diskussionen und Verhaltensweisen bisweilen nur den Kopf schütteln. Düsseldorf hat die ...

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