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    MittelrheinRekord: Nie trieben die Reben am Mittelrhein früher aus

    Seit einigen Tagen ist es so weit: Die Reben am Mittelrhein haben Frühlingsgefühle. Bei frühen Sorten auf exponierten Standorten sind bereits einzelne junge Blättchen zu sehen.

    Den frühesten Rebaustrieb verzeichnen die Winzer am Mittelrhein. Das Blattgrün ist mancherorts bereits kräftig entwickelt, mindestens drei Wochen früher als sonst üblich.
    Den frühesten Rebaustrieb verzeichnen die Winzer am Mittelrhein. Das Blattgrün ist mancherorts bereits kräftig entwickelt, mindestens drei Wochen früher als sonst üblich.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Von unserer Mitarbeiterin Suzanne Breitbach

    Damit macht das diesjährige Weinjahr erste Schlagzeilen. Der früheste Austrieb seit Beginn der Aufzeichnungen des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Bad Kreuznach im Jahr 1959 wurde erreicht, wie Edgar Müller in einem Rundbrief an die Winzer erläutert.

    Bisher waren die Jahre 1974 (13. April), 1959 (15. April) sowie 2007 und 2009 (16. April) rekordverdächtig, was den Austrieb der Reben betraf. In Anbetracht des Wetters ist das auch nicht verwunderlich. Die drei meteorologischen Wintermonate Dezember bis Februar lagen bereits dicht am bisherigen Rekordwert, schreibt Müller in seinem Rundbrief.

    Doppelt so viele Sonnenstunden

    Der März knüpfte nahtlos daran an. Mit einem Monatsmittel von 8,3 Grad Celsius lag er um 3 Grad über dem langjährigen Mittel und um 6 Grad über dem Wert vom vergangenen Jahr. Der zurückliegende Winter war viel zu trocken, und mit 220 Sonnenscheinstunden wurde das Doppelte des langjährigen Wertes erreicht.

    "Die Zeitspanne, in der die Winzer am Mittelrein vor möglichen Spätfrösten zittern müssen, wird also so lange wie nie zuvor dauern", erläutert Edgar Müller weiter. Weinbaupräsident Gerhard Lambrich betrachtet den frühen Austrieb mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Regen und Graupelschauer sind für die kommende Karwoche vorhergesagt. Wir können nur hoffen, dass wir daran vorbeikommen. Bei Frost sehen wir alle schwarz. Die Beiaugen treiben dann aus, was dazu führt, dass der Ertrag gering ist", erklärte der mittelrheinische Weinbaupräsident am Freitagvormittag.

    Die Weinkeller am Mittelrhein sind geleert. Eine frühreife Ernte würde dazu führen, dass die Keller früh gefüllt sind. Das wiederum hat zur Folge, dass früh die Weine abgefüllt werden können, um die Kunden mit allen Qualitätsstufen bedienen zu können.

    Frost wäre jetzt fatal

    "Ein langer Weg liegt vor uns", blickt Lambrich immer wieder kritisch auf die Wetterprognosen für die nächsten Tage und Wochen. Frost wäre fatal.

    Aber im Weinberg gibt es zurzeit zwei Tierarten, den Rhombenspanner und die Eulenraupen (Erdraupen), die derzeit sehr hungrig sind. Weniger Frost im Winter 2013/14 hat zur Folge, dass die Tierchen mehr Schäden im Weinberg verursachen.

    Sie fressen sich am Austrieb satt, die Ruten (das gebogene Holz) aus dem Vorjahr sind vermehrt blank. Das einzige Gegenmittel ist, die Insekten vor Einbrechen der Dunkelheit vom ausgetriebenen Weinstock zu sammeln.

    Seit vielen Jahren veranstalten die Winzer im Bopparder Hamm am letzten Sonntag im April den Mittelrheinischen Weinfrühling. Der Austrieb der Reben beginnt zu diesem Zeitpunkt normalerweise erst. Die Wander- und Weinfreunde werden in diesem Jahr mit einem Glas Riesling in der Hand kräftig begrünte Reben begutachten können.

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