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  • Rheinland-PfalzFlughafen Hahn: Wie konnte es zum neuen Desaster kommen?

    Die Zukunft des Flughafens Hahn wirbelt nach wie vor die Landespolitik auf. Ungeklärt bleibt, wie es geschehen konnte, dass der Verkaufsprozess so schnell an den Rand des Scheiterns geriet. Das Innenministerium verweist auf die Berater von KPMG. Die hoch bezahlten Juristen von KPMG verweisen auf die Grenzen ihres Prüfauftrags. Ist am Ende gar keine eindeutige Quelle für die Turbulenzen am Flughafen Hahn auszumachen?

    Hat der Hahn noch eine Zukunft? Diese Frage stellt sich nach dem aktuellen Verkaufsdesaster mehr denn je.
    Hat der Hahn noch eine Zukunft? Diese Frage stellt sich nach dem aktuellen Verkaufsdesaster mehr denn je.
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Allerdings: Noch immer ist alles zu beheben - außer einem gewaltigen Imageschaden für den Hunsrück-Airport und seine potenziellen Käufer. Zahlen die Chinesen den Kaufpreis und geht dieser nachweislich und ordnungsgemäß versteuert auf einem deutschen Konto ein, ist der bereits notariell beglaubigte Investorenvertrag zu retten. Ob der Käufer aber jemals das verlorene Vertrauen zurückgewinnen kann, dürfte eher fraglich sein. Dieses braucht er aber, um solvente Geschäftspartner aus der Flugbranche zu finden. Ansonsten dürfte der Flughafen Hahn kaum aus den roten Zahlen kommen.

    Die Frage ist: Wie konnte es zu dem neuerlichen Desaster am Flughafen Hahn kommen? Die Landesregierung war nach der folgenschweren Pleite am Nürburgring mehr als gewarnt. Sie hätte daher eher ein Sicherheitsnetz mehr als ein Sicherheitsnetz weniger einziehen müssen. Formaljuristisch mag das Beratungsunternehmen KPMG das Geschäft im Standardverfahren überprüft haben.

    Nachweis der Seriosität?

    Aber kann ein Prüfauftrag ausreichend sein, wenn die Shanghai Yiqian Trading (SYT) einigermaßen durchleuchtet wird, die eigentlichen Geldgeber im Hintergrund aber nicht? Und wenn die Profis von KPMG tatsächlich das bescheidene, teilgemietete Büro der SYT besucht haben, hat ihnen dies als Nachweis von Seriosität für einen derart brisanten Deal genügt? Schwer vorstellbar. Und die unauffindbare Investmentfirma im Hintergrund? Was eine Schnellrecherche von Journalisten ergibt, müssen doch auch teuer eingekaufte Wirtschaftsprofis aufdecken. Die Einsicht in das Protokoll der Gespräche von KPMG und Landesregierung könnte sicher ein paar Antworten auf einige dieser heiklen Fragen geben.

    Kein Thema: Der Flughafen Hahn muss privatisiert werden, anders ist er nicht lebensfähig. Aber warum eine Landesregierung sich ohne Not derart in Gefahr bringt, bleibt ein Rätsel. Sie hätte sich mehr Zeit lassen können, abwarten, bis das vage Geschäftsmodell der SYT verlässliche Konturen bekommen hätte. Und vor allem hätte sie bereits im Vorhinein auf alle Fragen eine schlüssige Antwort haben müssen, die nun im öffentlichen Raum gestellt werden.

    Schließlich drängt sich die Frage auf, was die SYT, sollte sie doch noch zum Zug kommen, überhaupt mit dem Flughafen vorhat. Denn laut KPMG ist der Erhalt des Flugbetriebs im Vertrag nicht als zwingend festgeschrieben. Das hat jüngst im Landtag noch deutlich anders geklungen. Böse Zungen behaupten jetzt schon, dass es den Investoren eher um die Grundstücke und vermieteten Immobilien ging und gar nicht um einen florierenden Airport. Sollten die Chinesen ein paar Millionen Euro aus der Barkasse plus die erste Tranche an Betriebsbeihilfen einstreichen, wäre der reale Kaufpreis schon deutlich gesunken. Würde das weitläufige Hahn-Areal so zum Schnäppchen? Der eigentliche Verlustbringer ist die hoch defizitäre Flughafengesellschaft FFHG. Damit diese Rendite abwirft, ist eine unternehmerische Meisterleistung nötig. Bislang hat die SYT noch keinen Nachweis dafür gebracht, dass sie dazu in der Lage ist. Man kann nur hoffen, dass sich hinter diesem augenscheinlichen Defizit keine Strategie verbirgt.

    Wende zum Guten möglich

    Noch einmal: Am Flughafen Hahn kann sich immer noch alles zum Guten wenden - trotz aller berechtigten Zweifel. Doch Landesregierung und ihre Berater von KPMG müssen weitaus mehr Karten auf den Tisch legen, als sie es bisher getan haben. Vor allem die Beschäftigten an dem Hunsrück-Airport verdienen es, dass ihr Schicksal in verantwortungsvolle Hände gelegt wird. Davon war bisher wenig zu spüren.

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