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  • Zoff in der Eifel: Facebook, Jacques Berndorf und 10.000 Aufkleber gegen die Eifel-Zeitung

    Daun. 10.000 Aufkleber, Deutschlands erfolgreichster Krimiautor und eine Facebook-Gruppe gegen eine Zeitung, die offenbar die Kritiker „Soziopathen in Sozialen Netzwerken“ betitelt: In der Vulkaneifel brodelt es - es gibt Protest gegen die Eifel-Zeitung – und in immer mehr Briefkästen ist das kostenlose Blatt nicht erwünscht.

    Daun - 10.000 Aufkleber, Deutschlands erfolgreichster Krimiautor und eine Facebook-Gruppe gegen eine Zeitung, die offenbar die Kritiker „Soziopathen in Sozialen Netzwerken“ betitelt: In der Vulkaneifel brodelt es - es gibt Protest gegen die Eifel-Zeitung – und in immer mehr Briefkästen ist das kostenlose Blatt nicht erwünscht. Ein erfolgreicher Unternehmer steht am Pranger, mit "seiner Zeitung" das politische Klima zu vergiften - und hat nach eigenem Bekunden damit gar nichts zu tun.

    Eine Menge Leser der Eifel-Zeitung werden sich gewundert haben über einen Artikel auf der letzten Seite. „Legendär“ nennen ihn einige, „eine Schweinerei gegenüber jungen Leuten“ sieht darin Deutschlands bekanntester Krimiautor Jacques Berndorf. In jedem Ballungsraum hätte er wohl einen "Shitstorm" ausgelöst,  eine heftige Protestwelle im Netz. Im Text heißt es: „Facebook und Co entwickelt sich in letzter Zeit zweckentfremdet zum Tummelplatz für Soziopathen und jede Menge Trittbrettfahrer." Und weiter: „Soziale Netzwerke eröffnen Zeitgenossen mit soziopathischer Persönlichkeitsstörung ungeahnte Möglichkeiten, vermeintlich Macht auszuüben über andere, die erfolgreicher, besser oder intelligenter sind.“

    Den Artikel verstand nur, wer aufmerksam bei Facebook unterwegs ist: In dem Netzwerk war die Gruppe „Keine Eifel-Zeitung“ entstanden – und die Eifel-Zeitung hatte postwendend ihre Fan-Seite gelöscht. Für die hatte sie zuvor noch auf ihrer Titelseite geworben. Mit den Attributen „erfolgreicher, besser oder intelligenter“ im Text meint der Unternehmer Peter Lepper sich selbst, sagen die, die sich gegen die Eifel-Zeitung wenden und sich als "Soziopathen" angesprochen fühlen.

    Peter Lepper aus Daun ist erfolgreicher Unternehmer mit einem kleinen Imperium, einem großen Gestaltungswillen und noch größerer Impulsivität. Und den Gestaltungswillen, sagen Menschen, die sich gegen die Eifel-Zeitung organisieren, lebt der Vorsitzende der von ihm gegründeten Bürger-Union Vulkaneifel (BUV) auch sehr impulsiv und konsequent in der von ihm gegründeten Eifel-Zeitung aus. „Er missbraucht die Institution, die er sich dazu selbst geschaffen hat“, sagt Jacques Berndorf. Ihn hat es wütend gemacht, „wie mit einer Zeitung das politische Klima in der Eifel versaut wird.“ So wütend, dass er sogar dafür gezahlt hat, einen offenen Brief gegen die Zeitung an alle Haushalte zu verteilen.

    Jacques Berndorf, Zugezogener mit großem Herz für die Eifel, fühlt sich wie in einem schlechten Krimi: Mit seinem offenen Brief wehrt er sich dagegen, dass das politische Klima durch die Eifel-Zeitung vergiftet werde.
    Jacques Berndorf, Zugezogener mit großem Herz für die Eifel, fühlt sich wie in einem schlechten Krimi: Mit seinem offenen Brief wehrt er sich dagegen, dass das politische Klima durch die Eifel-Zeitung vergiftet werde.
    Foto: dpa
    Berndorf und andere, die die Eifel-Zeitung kritisieren, machen für deren Linie Peter Lepper verantwortlich: Der 65-Jährige, der für seine sozialen Verdienste und die Schaffung von Arbeitsplätzen aus den Händen von Kurt Beck das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, taucht aber als Autor gar nicht auf. Die Redaktion leitet Peter Doeppes, der auch Geschäftsführer der Südwest- und Eifel-Zeitung Verlags- und Vertriebs-GmbH ist und 50 Prozent der Anteile hält. Die andere Hälfte: Leppers TechniRopa Holding GmbH, Konzern mit mehr als 350 Millionen Euro Umsatz, zu dem etwa auch die für ihre hochwertigen Satellitenreceiver und Flachbildfernseher bekannte Marke TechniSat gehört.

    Lepper und Doeppes reagierten aber überhaupt nicht auf mehrfache Anfragen unserer Zeitung per E-Mail und Telefon zur Rolle von Lepper. Lepper weist aber  in einer Antwort (Facebook-Link) an Berndorf "aufs Schärfste zurück", dass von ihm Texte kommen. „Ich bin kein Redakteur und schreibe auch nicht für die EAZ Eifelzeitung“, so Lepper, der Berndorf fragt. „Können Sie sich vorstellen, dass ich nicht die Zeit habe, mich um die Eifelzeitung zu kümmern?“

    "Für Wahrheit und Recht“, steht über dem Titel der Zeitung, die nach eigenen Angaben in 70.000 Haushalte geliefert wird, „Alles, was in dieser Zeitung geschrieben steht, gilt als Meinungsäußerung“, heißt es im Impressum. Für den Medienrechtler Martin Huff ist das ein Unding. „Das ist mir noch nie begegnet“, sagt der Experte aus Leverkusen. „Aber wenn damit versucht werden sollte, die Haftung für mögliche unwahre Tatsachenbehauptungen zu umgehen, dann ist es Unfug.“ Rechtlich mache es auch keinen Unterschied, ob es sich um ein Anzeigenblatt oder eine Tageszeitung handele. Lepper selbst drohe freilich kein Ärger: „Wenn er nicht als Autor auftaucht und etwas schief geht, dann hat der im Impressum genannte Peter Doeppes das Problem.“

    Einer von denen, die zu Gegnern der Eifel-Zeitung wurden, ist Heinz Onnertz. Der parteilose Landrat des Kreises Vulkaneifel war früher mal so etwas wie ein enger Weggefährte von Lepper. Vor einigen Monaten, als sonst noch niemand über Aufkleber an den Briefkästen sprach, verbat er sich allerdings die Zustellung der Eifel-Zeitung. Er will sich schützen: „Ich möchte nicht jeder Woche meiner Familie erklären müssen, dass ich kein Idiot bin.“ Onnertz ist so etwas wie das Lieblingsopfer des Blattes geworden, sagen die Kritiker. „Lepper macht ihn systematisch fertig“, erklärt Berndorf.

    Lepper dagegen hält dem Krimiautor Berndorf vor, „offensichtlich angestachelt worden“ zu sein vom Landrat, der „nicht verstehen kann, dass man in Sachfragen anderer Meinung sein kann“.

    Das Verhältnis zwischen Unternehmer und Landrat war einmal anders. Onnertz wurde Landrat mit Hilfe der Eifel-Zeitung. „Sie hat mich unterstützt“, sagt Onnertz offen. „Sie hat Anzeigen geschaltet, mir wohl gesonnene Artikel geschrieben, das war angenehm.“ Umgeschlagen sei das, nachdem die BUV in den Kreistag eingezogen ist – und er in einigen politischen Themen andere Positionen vertreten habe. Im September 2010 hatte er unter donnerndem Applaus im Kreistag kritisiert, die Eifel-Zeitung habe Grenzen überschritten. Er warf dem Blatt neben „haltlosen Vermutungen und falsche Tatsachendarstellung“ auch die „fortlaufende Verunglimpfung von Einzelnen“ und „persönliche Anfeindungen“ vor.

    Peter Lepper, hier auf einem PR-Foto auf der Internationalen Funkausstellung bei einem Besuch von Kurt Beck, ist erfolgreicher Unternehmer und engagiert sich in der Kommunalpolitik. Kritiker halten ihm aber vor, dass er in der Eifel-Zeitung politische Gegner systematisch verunglimpfe.
    Peter Lepper, hier auf einem PR-Foto auf der Internationalen Funkausstellung bei einem Besuch von Kurt Beck, ist erfolgreicher Unternehmer und engagiert sich in der Kommunalpolitik. Kritiker halten ihm aber vor, dass er in der Eifel-Zeitung politische Gegner systematisch verunglimpfe.
    Foto: TechniSat Digital GmbH
    Die Eifel-Zeitung gebe es nur, „weil Lepper seine Meinung gedruckt bekommen will“, meint der Bahn-Unternehmer Jörg Petry. Er sagt, er habe sich für ein Projekt in Gerolstein „zwei Jahre von der Eifel-Zeitung die Fresse polieren lassen“. Er hat die Aufkleber produzieren lassen, unterstreicht aber auch: „Wir wollen nicht die Welt verändern und Herrn Lepper nichts Schlechtes. Wir wollen, dass er ein erfolgreicher Unternehmer bleibt – und die Hetze aufhört.“

    Doch die Eifel-Zeitung hat auch ihre Verdienste. Keinen Dünkel habe sie, und: „Die traut sich was“, sagen die einen. Das heraufziehende Nürburgring-Debakel hatte die Eifel-Zeitung sehr früh skizziert, als es sonst noch keiner wahrhaben wollte. Das Blatt, dessen Verbreitungsgebiet sich in zwei Verbandsgemeinden mit dem der Rhein-Zeitung überschneidet, gewann viel Respekt. Es rührt sich auch wenig Protest, wenn sie heute heftig auf Ministerpräsident Kurt Beck einprügelt. Ständige Attacken unter der Gürtellinie gegen Mandatsträger vor Ort haben aber die Facebook-Gruppe „Keine Eifel-Zeitung“ entstehen lassen.

    Eine, die das Blatt von innen kennt, ist Angelika Koch. Ein „Eifel-Berlusconi“ sei Lepper nicht, sagt die Journalistin, die im Dezember 2011 als Redakteurin bei der Eifel-Zeitung angefangen hatte – und es dort nur zwei Monate aushielt. „Er will die Region voranbringen – und es ärgert ihn, wenn jemand nicht exakt so mitzieht, wie er will und vorgibt.“ Dem manager-magazin sagte Lepper selbst mal: "Ich bin kein Freund ewiger Analysen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Obwohl die Eifel-Zeitung ein guter Arbeitgeber gewesen sei und ordentlich bezahlte, hat Angelika Koch schnell das Handtuch geworfen: „So kann man Journalismus nicht machen“, erklärt sie. „Ich hätte der Hälfte der Menschen nicht mehr in die Augen schauen können. Ich will, darf und kann mich nicht einspannen lassen für Kämpfe, die von vornherein unfair und aussichtslos sowie für die Region nur destruktiv sind.“

    Koch glaubt, dass 70 bis 80 Prozent der Menschen auch der Meinung sind, dass man den destruktiven Streit nicht gebrauchen kann. Wie viele von den 10.000 Aufklebern aber schon an Briefkasten hängen, kann aus der Gruppe „Keine Eifel-Zeitung“ niemand auch nur grob sagen. „Man muss auch sehen, dass viele uns gut verstehen, sich aber nicht trauen“, sagt Kramp. Fast jeder hat jemanden in der Familie, der bei einer Lepper-Firma arbeitet oder der weiter Aufträge von dort haben möchte.

    Lars Wienand

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