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    Rheinland-PfalzWhatsApp in der Schule: Fluch oder Segen?

    Soziale Netzwerke wie WhatsApp sind für Schüler wie Lehrer ein Teil des Alltags geworden. Doch im Unterricht selbst sind sie häufig tabu. Wieso ist das eigentlich so? Wir beantworten wichtige Fragen:

    Streitfall WhatsApp: Für unterrichtsrelevante Kommunikation darf der Dienst in Rheinland-Pfalz nicht genutzt werden. Foto: dpa
    Streitfall WhatsApp: Für unterrichtsrelevante Kommunikation darf der Dienst in Rheinland-Pfalz nicht genutzt werden.
    Foto: dpa

    Wird WhatsApp im Unterricht genutzt?

    Offiziell ganz klar: Nein. Die Nutzung sozialer Netzwerke im oder für den Unterricht ist in Rheinland-Pfalz tabu, sagt der Landesdatenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann. Er setzt dann aber gleich nach: „Es wird teilweise trotzdem genutzt, weil es einfach ist.“ Manche Lehrer verteilen Kugelmann zufolge so die Hausaufgaben. Besonders häufig kommt das allerdings offenbar nicht vor. Klaus-Peter Hammer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, will zwar nicht ausschließen, dass einzelne Kollegen soziale Netzwerke für den Unterricht nutzen: „Ich kenne aber kaum welche“, sagt er. Im beruflichen Kontext rate er ihnen zudem, „sehr vorsichtig damit umzugehen“. Genauso sieht es der Landeselternbeirat. „Wenn man WhatsApp als schulisches Instrument haben will, muss man sicherstellen, dass alle Kinder es nutzen“, sagt Landeselternsprecher Thomas Ralle und fragt: „Wollen wir das wirklich?“

    Wieso kann es problematisch sein, wenn WhatsApp und Co. im Unterricht eingesetzt werden?

    Problem Nummer eins: die Vertraulichkeit der Daten. Sie ist Kugelmann zufolge bei dem US-Messengerdienst, aber auch bei fast allen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Snapchat nicht gewährleistet. Zwar behauptet der Betreiber, die Daten verschlüsselt zu übertragen. Seit Januar ist aber eine Sicherheitslücke bekannt. Das Unternehmen selbst und Sicherheitsbehörden können demnach Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation bekommen. Zudem hat Facebook WhatsApp gekauft – auch, um an die Daten der WhatsApp-Nutzer heranzukommen. Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg darf Facebook zwar weiter keine Daten deutscher Nutzer von WhatsApp verwenden. Facebook hat allerdings ankündigt, dagegen in Berufung zu gehen.

    Auch aus psychologischen Gründen kann es schwierig werden, WhatsApp zur unterrichtsrelevanten Kommunikation zu verwenden: Aus dem harmlosen Chat über die Hausaufgaben entwickelt sich unter Umständen ein Streit, der das Klassenklima vergiftet. Natürlich kann das auch im wahren Leben passieren. Gerade bei WhatsApp hat der Lehrer das Geschehen aber womöglich nicht permanent im Blick – es sei denn, er will immer erreichbar sein. „Deswegen rate ich den Kollegen auch von der aktiven Nutzung in der Schule ab“, sagt Gewerkschafter Hammer. „Echte Probleme kann man ohnehin nur in persönlichen Gesprächen lösen.“

    Haben soziale Medien denn überhaupt etwas in der Schule zu suchen?

    „Natürlich ist es Aufgabe der Schulen, Schüler zu einem reflektierten Umgang mit sozialen Medien zu erziehen“, findet Hammer. Aus seiner Sicht müssen Schüler und Lehrer aber trennen zwischen der aktiven Nutzung im Unterricht und dem Wissen über soziale Netzwerke. Ähnlich sieht es die Bildungsministerin des Landes, Stefanie Hubig (SPD): „Digitale Medien gehören heute ganz selbstverständlich zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Lehrerinnen und Lehrern“, sagt sie. „Gerade in Zeiten von Fake News und Cybermobbing muss Schule einen Beitrag dazu leisten, dass unsere Schüler digitale Medien kompetent nutzen und Inhalte kritisch einordnen können.“ Sie verweist auf das Landesprogramm „Medienkompetenz macht Schule“, das bald zehn Jahre alt wird. Schüler und Lehrer werden dabei im Umgang mit digitalen Medien geschult. Der Datenschutzbeauftragte Kugelmann bietet selbst Unterrichtseinheiten an.

    Gibt es denn Alternativen zu WhatsApp im Unterricht?

    Es gibt Konkurrenten, die ihre Server nicht in Amerika haben und sämtliche Kommunikation tatsächlich verschlüsseln. Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium empfiehlt auf einem Faltblatt zum Thema zum Beispiel Telegram und Threema. Das Land stellt zudem eine eigene Lernplattform zur Kommunikation bereit. Sie basiert auf der Software Moodle und gewährleistet Datensicherheit, weil landeseigene Server verwendet werden. Angela Kauer-Schöneich/

    Oliver von Riegen

    Ein Leitfaden für Lehrer zum Thema „Schulischer Datenschutz“ öffnet sich, wenn Sie diesen Artikel mit der RZplus-App scannen.

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