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  • Werner Mauss und die Spendenaffäre: CDU im Moseltal der Ahnungslosen

    Rheinland-Pfalz. Der frühere Geheimagent Werner Mauss will mit keinem in der CDU über seine Spenden gesprochen haben. Doch als heimlicher, selbstloser Gönner ist er bisher nicht bekannt. Unser Landeskorrespondent Dietmar Brück schreibt über die CDU und Mauss sowie über Wahrheit und Wahrscheinlichkeit.

    Mein Name ist Mauss, und ich weiß von nichts: Der frühere Geheimagent will mit keinem in der CDU über seine Spenden gesprochen haben. Doch als heimlicher, selbstloser Gönner ist er bisher nicht bekannt.
    Mein Name ist Mauss, und ich weiß von nichts: Der frühere Geheimagent will mit keinem in der CDU über seine Spenden gesprochen haben. Doch als heimlicher, selbstloser Gönner ist er bisher nicht bekannt.
    Foto: dpa

    Mit einer Lüge verhält es sich wie mit der Fahrt in einem Schnellzug. Bevor Lok und Wagen richtig Fahrt aufgenommen haben, könnte man vielleicht noch abspringen. Doch irgendwann ist der Moment verpasst. Der Zug rast über die Gleise. Der Absprung wäre lebensgefährlich. Oder politisch ausgedrückt: Wer dann noch abspringt, ruiniert Karriere und Ruf. Möglicherweise befinden sich einige wenige Christdemokraten gerade in exakt dieser Situation. Die Spendenaffäre um den ehemaligen Superagenten Werner Mauss ist derart verfahren, dass jegliches eingestandene Mitwissertum zum Ballast wird, der den Betroffenen unweigerlich in die Tiefe zieht.

    Nach allem, was bisher bekannt ist, hat Mauss, der Ex-Geheimagent, seit 1968 an die CDU gespendet, vor allem an den Kreisverband Cochem-Zell. Das sind fast 50 Jahre. Insgesamt dürften seine finanziellen Gaben eine Dimension von Hunderttausenden Euro angenommen haben. Viel Geld für einen Kreisverband. Und davon soll niemand etwas gewusst haben? Da fällt es leichter, an den Weihnachtsmann zu glauben.

    Nelsons Identität war bekannt

    Zumal Mauss lange Zeit unter seinem Decknamen Richard Nelson spendete. In seiner Wahlheimat im Hunsrück wussten Eingeweihte durchaus, wer Herr Nelson war, der in der herrschaftlichen Festung samt legendärem Reitstall residierte. 1986 berichtete beispielsweise die Hunsrücker Friedensbewegung in einem Forum über Werner Mauss und die Bauarbeiten zu seinem Anwesen. Der damalige V-Mann ging meist sofort juristisch gegen derartige Veröffentlichungen vor. Verständlich, denn Mauss brauchte ein diskretes, verborgenes Schlupfloch. Zugleich musste sein weitläufiges Anwesen aber mit derart vielen Sicherheitsvorkehrungen ausgerüstet werden, dass er damit zwangsläufig Aufmerksamkeit erregte.

    Auf eine gewisse Kooperation der Region war der Privatermittler also angewiesen. Zeigte er sich dafür an geeigneter Stelle erkenntlich? Da wäre die mit Abstand stärkste politische Kraft in seiner Heimatregion sicher eine gute Adresse gewesen. Verbindungen zur CDU gab es auf vielen Ebenen: Mauss stieg später, also in der Ära von Kanzler Helmut Kohl (CDU), gar zur Wunderwaffe des Kanzleramtes auf. Die Symbiose von Kanzleramtsminister und Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer und Werner Mauss ist längst Geschichte.

    Doch zurück zum Verhältnis von Wahrheit und Wahrscheinlichkeit: In der CDU heißt es, niemand ahnte, dass Dauerspender Nelson mit Mauss identisch war. Trotz mannigfaltiger Spuren. Entweder liefen die bestens vernetzten Christdemokraten lange Jahre blind durch die Welt, oder hier stimmt etwas nicht. Als Mauss später seine finanziellen Zuwendungen nicht mehr über Nelson fließen ließ, nahm er einen kleinen Umweg über seinen Vertrauten Franz Otto Hansen. Der Rechtsanwalt, wohl ein Christdemokrat, ist im Kreis Cochem-Zell bestens bekannt. Doch keiner will stutzig geworden sein, dass die regelmäßigen Zahlungen, die eben noch von Nelson (also Mauss) kamen, plötzlich über Hansen eingingen.

    Zum Teil wurden die Spenden des Agenten sogar mit dem verräterischen Kennwort Nolilane versehen. Mauss’ Anwesen im Hunsrück gehört der gleichnamigen Stiftung, die sich wiederum im Besitz von Mauss befindet. Nolilane hinterlässt eine breite Spur im frei zugänglichen Internet. Für jeden erkennbar, der googeln kann. Zudem: Der Ex-Agent gab sich nicht einmal besondere Mühe, den Absender seiner Gaben zu verschleiern. Warum auch? Man verfolgte schließlich einen Zweck mit einem derart hohen Aufwand. Nur die CDU lebte knapp 50 Jahre im Moseltal der Ahnungslosigkeit. Man muss schon kühn sein, um diese These weiterhin zu vertreten.

    Doch wer könnte im Bilde gewesen sein? Die meisten Fragen richten sich an Peter Bleser (CDU), den Landesschatzmeister und Bundesagrarstaatssekretär. Bleser kennt Hansen sehr gut und war öfter bei Mauss zu Hause. Zwischen 1992 bis 2006 amtierte er als Kreisvorsitzender der CDU Cochem-Zell.

    Es fällt schwer zu glauben, dass bei all diesen vertraulichen Begegnungen nie die wahre Herkunft der Spenden thematisiert wurde. Bleser behauptet das mit Vehemenz. Aber der Druck auf ihn wächst - auch innerparteilich.

    Doch es gibt auch noch andere Protagonisten, die qua Amt und nach den Gesetzen der Logik potenzielle Mitwisser sein könnten. Dazu zählen die derzeitige CDU-Kreisvorsitzende Anke Beilstein, der Landesgeschäftsführer Jan Zimmer, der zuvor in leitender Funktion im Kreisverband Cochem-Zell seine Meriten verdiente, oder auch der EU-Abgeordnete Werner Langen, der von 1981 bis 1992 als CDU-Kreischef in Cochem-Zell amtierte. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

    Alle drei bestreiten, je etwas von der wahren Natur der Mauss-Spenden gewusst oder mit Mauss irgendwie zu schaffen gehabt zu haben. Beilstein hat sich sogar verlässlich um Aufklärung bemüht. Und in Langens Amtszeit fallen zumindest nicht die verdeckt weitergeleiteten Gelder, also die illegale Praxis. Dennoch ist es derzeit schwer, in der CDU verlässlich einzuschätzen, wie groß der Kreis der Mitwisser sein könnte.

    Legendäres Treffen im Reitstall

    Und dann ist da noch das legendäre Treffen von Landeschefin Julia Klöckner, Peter Bleser und Werner Mauss im Reitstall des Ex-Spitzenagenten 2009 oder 2010. Ging es hier wirklich nur um Boxen und Pferde, wie es in der CDU heißt? Durchaus denkbar, dass niemand Klöckner mit brisantem Wissen belasten wollte. Aber Gewissheiten gibt es auch hier nicht. Die Christdemokraten sollten endlich reinen Tisch machen - und Verantwortlichkeiten benennen.

    Denn in der CDU herrscht Frust angesichts der neuerlichen Spendenaffäre. Eine Partei, deren Wähler Redlichkeit und Verlässlichkeit verlangen, trifft ein derartiger Skandal tief - zumal die Christdemokraten Wiederholungstäter sind. Nach der üblen Niederlage bei der Landtagswahl sah man sich wieder im Aufwind. Der Verkaufsskandal um den Flughafen Hahn brachte die CDU in die Offensive. Das ist mit der Spendenaffäre komplett passé. CDU-Generalsekretär Patrick Schnieder gab daher auch jüngst unumwunden zu, wie ärgerlich und unangenehm die Folgen der falsch verbuchten Spenden sind. Von einer möglichen Strafzahlung ganz zu schweigen.

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