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    Welterbe: Kühne Baupläne auf der Loreley

    Die norddeutsche Neubau Immobilien Development AG (Nidag) will auf dem Loreley-Plateau 150 bis 200 Millionen Euro in drei Hotels unterschiedlicher Kategorien investieren. Diese Größenordnung aber ist vielen Natur- und Denkmalschützern mindestens eine Spur zu groß - und der Unesco, wie gerade beschlossen, nicht "welterbeverträglich".

    Michael Stoll erläutert die Hintergründe zu den Investorenplänen auf der von Mythen umrankten Loreley bei St. Goarshausen.
    Michael Stoll erläutert die Hintergründe zu den Investorenplänen auf der von Mythen umrankten Loreley bei St. Goarshausen.

    Die norddeutsche Neubau Immobilien Development AG (Nidag) will auf dem Loreley-Plateau 150 bis 200 Millionen Euro in drei Hotels unterschiedlicher Kategorien investieren. Diese Größenordnung aber ist vielen Natur- und Denkmalschützern mindestens eine Spur zu groß - und der Unesco, wie gerade beschlossen, nicht "welterbeverträglich"..

    Loreley: Wie verträgt sich ein ehrgeiziges Hotelprojekt mit der berühmten Kulturlandschaft?
    Loreley: Wie verträgt sich ein ehrgeiziges Hotelprojekt mit der berühmten Kulturlandschaft?

    In die gleiche Kerbe schlagen nun das Welterbe-Zentrum in Paris und der Internationale Denkmalpflegebeirat Icomos in ihrer Empfehlung an das Welterbe-Komitee: Die drei geplanten Gebäude und die Parkplatzflächen sind gewaltig, heißt es da, und würden akzeptable Ausmaße bei Weitem überschreiten.

    Wenn das Komitee nun in Kambodscha über das Welterbe Oberes Mittelrheintal diskutiert und beschlossen hat, dann geht es neben Seil- und Sommerrodelbahn also auch um die künftige Entwicklung eines der bekanntesten und markantesten Anziehungspunkte in Deutschland.

    Seit Jahrzehnten wird genau über diese Frage diskutiert: Wie lässt sich der „Schatz“ Loreley heben, wie könnte eine Vermarktung aussehen, ohne dass die Landschaft und der von romantischen Mythen umrankte Ort dabei zerstört werden?

    Das Berghotel und ein Turner- und Jugendheim, beide seit Jahrzehnten hier angesiedelt, reichen vielen längst nicht aus. In einer Region, die mehr als andere von den Folgen der demografischen Entwicklung betroffen ist, die zudem dringend Arbeitsplätze für junge Leute braucht, sind der Tourismus und damit das Aushängeschild Loreley wie ein Strohhalm, der vor dem langsamen Ertrinken retten soll.

    Denkmalschützer wollen den Geist des Ortes bewahren

    Dass das Plateau nicht im besten Zustand ist und dass in verschiedenen Bereichen Verbesserungen möglich sind, dies ist auch für Icomos „unbestritten“. Allerdings müsse jeder Eingriff die empfindliche Balance zwischen Natur und Aktivitäten berücksichtigen. Danach ist der „Geist des Ortes“ schon heute während der Sommermonate kaum wahrnehmbar, die Auslastung stößt gerade an Festivalwochenenden an ihre Grenzen. Das komplette Hotelprojekt „würde diese Überbeanspruchung in starkem Maße fördern“, heißt es.

    Schützenswerte, naturdominierte Landschaft oder kommerzielle Nutzung – Icomos unterbreitet folgenden Vorschlag: „Ein neues Hotel könnte akzeptiert werden, wenn es kleiner ausfiele und sein Standort mit Augenmerk ausgewählt würde.“ Die Dimensionen der Hotelpläne insgesamt aber und vor allem die ursprünglich vorgesehene Position eines Luxus-Spa-Resorts mit 60 Suiten an der Hangkante zum Rhein hin sind für die Denkmalpfleger inakzeptabel.

    Die Hangkante hingegen ist für Lutz Fischer, Berater der Nidag, längst Schnee von gestern. „Wir werden dieses Haus auf dem jetzigen Campingplatz so planen, dass es nicht direkt am Hang liegt und zudem Welterbe-verträglich ist.“ Eine solche Architektur dürfe vom Rhein aus nicht zu sehen sein. Zum Resort selbst aber gibt es keine Alternativen, so Fischer, denn die Hotelpläne der Nidag sind aufeinander abgestimmt.

    200 Zimmer sollen in einem Viersternehotel auf dem Gelände des heutigen Turner- und Jugendheims und 84 Zimmer in einem internationalen Jugendgästehaus in der Nähe des heutigen Loreley- Besucherzentrums entstehen. Außerdem soll eine Gastronomie direkt an der Spitze der Loreley gebaut werden, dort, wo heute das Berghotel steht. Zielgruppe für das Spa-Resort sind betuchte Gäste aus aller Welt, vor allem aber aus Mittel- und Südostasien.

    Was die Dimensionen und die Architektur angeht, so muss sich das nach Ansicht Fischers in das Gesamtbild des Felsens einfügen: „Der Wert des Standorts für den Investor ist nur dann gegeben, wenn die Landschaft nicht zerstört wird. Alles andere wäre Harakiri, weil dann auch die touristische Vermarktung nicht gelänge. Ich denke, wir werden da einen für alle Seiten gangbaren Weg finden.“ Mehr noch: Das Plateau als „Kulturparklandschaft“ gestalten, auch das ist eine Idee auf Investorenseite. Die Fläche dafür will man zur Verfügung stellen, dann müsse mit der öffentlichen Hand über eine Refinanzierung gesprochen werden.

    Für den Park soll es einen internationalen Architektenwettbewerb geben. Für die Hotels selbst hält Fischer das nicht für nötig: „Wir werden erst einmal selbst Vorschläge namhafter Architekten einholen. Einen Wettbewerb sehe ich im Moment nicht als verpflichtend an.“ Worüber er sich allerdings massiv ärgert, ist die Tatsache, dass die Icomos-Empfehlung „offenbar seit Monaten beim Land bekannt ist, ohne dass wir am Ort davon erfahren. In dieser Zeit hätten wir bereits über Lösungen diskutieren können.

    Ich frage mich ernsthaft, ob wir in einer Monarchie oder Autokratie leben ...“ Für die Nidag spielt der Zeitfaktor bei dem Projekt eine wichtige Rolle, denn mit so ziemlich allen Eigentümern auf dem Plateau gibt es bereits vertraglich fixierte Kaufoptionen. Und damit auch terminliche Verpflichtungen. „Wir wollen so schnell wie möglich einen Beschluss, dass endlich geplant werden kann“, erklärt Lutz Fischer. „Im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens werden dann alle Anregungen und Einwände abgearbeitet.“

    Da es für den Bereich Turnerheim und Berghotel einen gültigen Bebauungsplan gibt, der nur modifiziert werden muss, will die Nidag mit dem Projekt des Viersternehotels, der Gastronomie und des Kulturparks beginnen. Schritt für Schritt das Gesamtvorhaben zu verwirklichen, ist laut Fischer das Ziel der Investoren. Dies bedeutet aber keineswegs, dass das Luxus- Spa-Resort aus dem Auge verloren wird. Vielmehr müsse das Verfahren hierfür parallel laufen. „Wir können die Loreley doch nicht fünf Jahre zur Baustelle machen“, warnt der Berater.

    Fakt ist: Es hat schon viele Interessenten für Hotelneubauten auf der Loreley gegeben. So weit wie die Nidag hat sich aber noch keiner ans Ziel herangearbeitet. Waren die Reaktionen auf den potenziellen Investor rund um die Loreley zunächst fast schon euphorisch, so kühlte die Begeisterung spätestens mit der Pleite auf dem Nürburgring ab. Die örtlichen Grünen etwa könnten mit einem Hotel mittlerer Kategorie leben, lehnen aber die „Luxusherberge“ grundsätzlich ab. Sie sehen „eines der ältesten Landschaftsschutzgebiete in Rheinland-Pfalz und einen der wichtigsten Orte innerhalb des Welterbes Oberes Mittelrheintal mit seiner geschützten Kulturlandschaft“ in Gefahr.

    Statt eines „Freizeitparks“ soll das „Naturerlebnis Loreley“ bei der touristischen Vermarktung in den Vordergrund gestellt werden. Auch Günter Kern, Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, rät zu einem besonnenen Vorgehen. Die Entwicklung auf dem Loreleyplateau müsse mit Maß und Ziel geschehen. Die Verantwortlichen müssen sich die Frage stellen, ob das Ganze in die Landschaftsentwicklung passt und wirtschaftlich tragbar ist.

    Hatte Kern als damaliger Vorsitzender des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal noch ein Entwicklungskonzept auch für die Loreley auf den Weg gebracht, so bezahlte nun die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises eine Kurzanalyse des Hotel-Vorhabens. Das Ergebnis der dB & K, Bierwirth und Kluth Hotel Management GmbH war ernüchternd: Das Hotelprojekt der Nidag sei „überdimensioniert“ und „in einigen wesentlichen Details fragwürdig“.

    Das „Schlüsselprojekt“ Spa- Resort erscheint in der Analyse als „unwirtschaftlich“ und „riskant“. In der Summe sehen die Berater aus Wiesbaden „durchaus die Gefahr“, dass „Fehler wie beim jüngsten Nürburgring-Debakel gemacht werden könnten“.

    Bornich und St. Goarshausen haben die Planungshoheit

    Wie gesagt: Es handelt sich um eine Kurzanalyse. Ein umfassendes Gutachten würde locker das 20-Fache kosten. Dies aber übersteigt die Möglichkeiten der beiden Kommunen, die auf der Loreley Planungshoheit haben – die Ortsgemeinde Bornich und die Stadt St. Goarshausen. Beide entsenden Vertreter in den sogenannten Planungsverband Loreley.

    Dessen Vorsitzender ist Werner Groß, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley. Ihm ist bewusst, dass letzten Endes kommunale Vertreter über Millioneninvestitionen und über das höchst sensible Thema der Weiterentwicklung der Loreley zu entscheiden haben. Er setzt zunächst mal auf einen städtebaulichen Vertrag mit der Nidag, um alle entscheidenden Fragen bezüglich Finanzierung, Geldgeber und späterem Betreiber der Hotels zu beantworten.

    Vorweg müssen laut Groß aber noch viele Steine aus dem Weg geräumt werden, darunter die Fragen, die das Welterbe aufwirft. Wobei der Bürgermeister klarstellt: „Diskussion und Kooperation sind selbstverständlich. Im Namen des Welterbes darf aber keine Käseglocke über die Loreley gestülpt werden.“ Ehe jedoch Bebauungspläne geändert beziehungsweise neu aufgestellt werden, wird voraussichtlich erst einmal ein Raumordnungsverfahren bei der Strukturund Genehmigungsdirektion Nord beantragt. Dies wird wohl notwendig sein, da es sich bei den Hotelbauten mit hoher Sicherheit um „raumbedeutsame“ Eingriffe handelt.

    Das Verfahren kann mindestens ein halbes Jahr dauern. Ob damit noch in diesem Jahr begonnen wird, wie ursprünglich vorgesehen, kann zurzeit noch niemand sagen.

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