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  • Vera Reiß im Interview: Flüchtlingskinder zügig integrieren

    Rheinland-Pfalz. Flüchtlingskinder sollen mehr Sprachförderung erhalten, die Berechnung des Unterrichtsausfalls wird transparenter gestaltet, in der Inklusion sieht sich die Landesregierung auf einem guten Weg: Die neue Bildungsministerin Vera Reiß (SPD) hat sich viel vorgenommen. Im ihrem ersten Interview im neuen Jahr gibt sie einen Einblick in ihre inhaltliche Agenda.

    Vera Reiß: Wir müssen Flüchtlingskinder schneller integrieren.
    Vera Reiß: Wir müssen Flüchtlingskinder schneller integrieren.
    Foto: picture alliance

    2015 ist das Jahr, in dem Sie eine Handschrift als Bildungsministerin entwickeln müssen. Welche Akzente wollen Sie in der Schulpolitik setzen?

    Unser Schulsystem muss durchlässig und aufstiegsorientiert bleiben. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben, unabhängig von der sozialen Herkunft. Da sind wir in Rheinland-Pfalz gut aufgestellt. Was mich aktuell umtreibt, ist die Frage, wie wir Kinder und Jugendliche besser fördern können, die als Flüchtlinge und Asylsuchende nach Rheinland-Pfalz kommen. Mein Ziel ist, dass sie schneller Deutsch lernen. Da herrscht Handlungsbedarf. Vor allem, weil die Zahlen steigen. Diese Kinder und Jugendlichen brauchen Perspektiven. Dazu müssen sie möglichst schnell und gut in unser Bildungssystem integriert werden.

    Wo wollen Sie konkret ansetzen?

    Im Land gibt es bereits erste runde Tische auf regionaler Ebene - unter anderem in Andernach, Mainz, Sohren-Büchenbeuren und Bad Kreuznach. Dort ermitteln die unterschiedlichsten Akteure Sprachförderbedarf und organisieren fachgerechte Hilfe. Dieses Modell möchte ich ausweiten. Zudem gibt es bereits jetzt einen ganzen Fächer von Möglichkeiten, um Flüchtlingskinder zu unterstützen. Wir brauchen aber mehr passgerechte Lösungen. Ein Beispiel: Kommen in eine Schule 25 Flüchtlingskinder, sollten sie sofort einen Deutsch-Intensivkurs erhalten. Trotzdem könnten sie bereits vollumfänglich am Sport- oder Musikunterricht teilnehmen, wo die Sprachhürde viel niedriger ist als in Erdkunde, Mathematik oder Sozialkunde. Zudem benötigen wir eine bessere Vernetzung der bisherigen Angebote.

    Ist mehr Personal nötig? Und wie sieht die Finanzierung aus?

    Meines Erachtens geht es um Umorganisation, Vernetzung, den Abbau von Verfahrenshürden. Warum sollen eine Sprachförderkraft an einer Grundschule und eine Sprachförderkraft an einer Kindertagesstätte nicht intensiv zusammenarbeiten. Es geht darum, unsere Ressourcen so einzusetzen, dass sie möglichst viel Wirkung entfalten. Die Frage nach mehr Personal und zusätzlichen Mitteln stellt sich erst einmal nicht. Wir haben jetzt bereits 300 Stellen, die alle für die Sprachförderung eingesetzt werden. Zum jetzigen Schuljahr wurde die Anzahl bewusst um 50 Stellen erhöht.

    Anderes Thema: Der Unterrichtsausfall liefert der Opposition seit Jahren Munition. Warum drücken Sie ihn nicht auf null?

    Wir könnten das statistische Defizit schnell auf null drücken, wenn wir ein schematisch einfacheres System einführen würden. Für den Außenstehenden ist nicht einfach zu verstehen, wie die Unterrichtsversorgung in Rheinland-Pfalz ermittelt wird. Wir weisen den Schulen mehr Stunden zu, als sie für die Abdeckung des Pflichtunterrichts brauchen. Darin liegt unser besonderer pädagogischer Anspruch. Daraus errechnen wir die strukturelle, also dauerhaft absehbare Unterrichtsversorgung. Schule ist für uns einfach mehr als Pflichtunterricht. Aber klar ist auch: Erst muss dieser abgedeckt werden, dann kommen die freiwilligen Arbeitsgemeinschaften.

    Wenn das System so schwer kommunizierbar ist, warum ändern Sie es nicht? Sie könnten doch allein die Abdeckung der Pflichtstundentafel ausweisen?

    Wir werden das System ändern und dazu mit allen relevanten Gruppen Gespräche führen - etwa mit den Lehrerverbänden oder den Hauptpersonalräten. Alles, was wir auf diesem Feld tun, ist mitbestimmungspflichtig. Man kann nicht von heute auf morgen den Hebel umlegen.

    Was ändern Sie konkret?

    Wir wollen die Berechnungsmethode, wie Unterrichtsversorgung in Rheinland-Pfalz bemessen wird, ändern. Sie soll einfacher und transparenter werden. Und vor allem deutlich machen, dass Pflichtunterricht absoluten Vorrang hat.

    Ein Großthema ist mehr gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Schülern. Die CDU spricht von Inklusion mit der Brechstange. Wie bewerten Sie diesen Vorwurf?

    Dieser Vorwurf ist völlig haltlos. Ich weise ihn mit aller Schärfe zurück. Das ist ein absichtliches Missverstehen der CDU. Uns geht es beim gemeinsamen Lernen nicht um eine Quote. Wir wollen, dass Eltern das gesetzlich garantierte Recht haben, sachgerecht zu entscheiden, ob sie ihre Kinder einer Förderschule anvertrauen oder einer Schule, in der behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Wie viele das am Ende sind, entscheiden allein die Eltern in Rheinland-Pfalz.

    Sie haben eine Tradition als Feministin. Rheinland-Pfalz hat eine sehr weibliche Regierung. Ist die politische Frauenbewegung in puncto Gleichberechtigung inzwischen am Ziel?

    Es ist toll, dass die Landesregierung aus so vielen Frauen besteht. Die Ministerpräsidentin hat ja mal begründet, wie sie zu dieser großen Weiblichkeit gekommen ist: Sie habe rein nach Sachkompetenz entschieden. Aber im Ernst: Auch in Rheinland-Pfalz ist die Gleichberechtigung noch nicht in allen Bereichen Realität. Das Berufswahlverhalten ist unterschiedlich, die Bezahlung erst recht. Es ist noch viel zu tun.

    Das Gespräch führte Dietmar Brück

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