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    Rheinland-PfalzStyropor-Müll: Handwerker schlagen Alarm

    Eine neue Vorschrift zur Entsorgung für Dämmplatten aus Styropor wird für viele Dachdeckerfirmen in Rheinland-Pfalz zum Problem. Einige Unternehmen im Land müssen Aufträge verschieben oder nehmen sie gar nicht erst an, weil sie altes Dämmmaterial nicht mehr loswerden. Baustellen stehen still. "Potenziell betroffen sind alle unsere 470 Mitgliedsbetriebe", sagt Rolf Fuhrmann, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands des Dachdeckerhandwerks Rheinland-Pfalz.

    Styropor ist derzeit schwierig zu entsorgen.
    Styropor ist derzeit schwierig zu entsorgen.

    Von unserer Redakteurin Angela Kauer

    Was ist passiert? Vielen Dämmplatten wurde über Jahrzehnte das bromhaltige Flammenschutzmittel HBCD beigemischt. Es soll verhindern, dass sich Brände rasend schnell ausbreiten. Allerdings gilt HBCD seit dem 1. Oktober in Deutschland als giftiger Sondermüll. Die Länder hatten im Bundesrat eine entsprechende Gesetzesänderung durchgesetzt und eine EU-Richtlinie damit in deutsches Recht umgewandelt.

    Bei Dachdeckerarbeiten müssen stets große Mengen des belasteten Styropors entsorgt werden. Laut der neuen Verordnung muss das Baumaterial separat verbrannt werden. Dafür benötigen Müllverbrennungsanlagen eine besondere Zulassung. Die Folge: Es kommt zu Entsorgungsengpässen und teils heftigen Preissteigerungen.

    Das schildert auch Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz und selbst Dachdeckermeister. "Vor dem 1. Oktober konnten wir HBCD-haltiges Material für 150 bis 200 Euro pro Tonne entsorgen", berichtet er. Inzwischen werden laut einer Umfrage des Landesinnungsverbands unter seinen Mitgliedern Preise zwischen 3000 und 8000 Euro verlangt. "Das kann je nach Größe des Betriebes schon existenzbedrohend sein", sagt Krautscheid. Den Betrieben bleibe nichts anderes übrig, als diese Kosten auf ihre Kunden umzulegen.

    Um die Lage zu entspannen, hat das Landesumweltministerium Ende Oktober einen Erlass für die Entsorgung HBCD-haltiger Dämmplatten vorgelegt: Enthalten Bauabfälle nur maximal 25 Volumenprozent des giftigen Materials, gilt das Verhältnis als unbedenklich, und das Styropor kann wieder in allen Hausmüllverbrennungsanlagen entsorgt werden.

    Den Dachdeckern im Land geht das nicht weit genug. "Wenn wir ein Flachdach abdecken, haben wir 80 bis 90 Volumenprozent Wärmedämmung auf Styroporbasis", rechnet HwK-Präsident Krautscheid vor. Da Abfälle für jede Baustelle einzeln entsorgt werden müssen, dürfen die Handwerker sie auch nicht mit den Abfällen anderer Baustellen vermischen, um so auf die geforderten 25 Volumenprozent zu kommen.

    "Der Erlass des Landes löst unser Problem nicht", sagt Krautscheid. Die Dachdecker fordern deshalb, dass die Gesetzesänderung zur Styropor-Entsorgung komplett zurückgenommen wird. "Man kann ja den Entsorgungsweg vorgeben, aber der muss praktikabel sein", signalisiert Krautscheid Kompromissbereitschaft.

    Einen ersten Vorstoß zur Zurücknahme des Gesetzes wagt nun Sachsen. Bei der Umweltministerkonferenz, die heute in Berlin beginnt, will Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) beantragen, dass die Vorschrift zur gesonderten Verbrennung gekippt wird. Das Saarland unterstützt das Vorhaben. Auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium teilt auf Anfrage mit, es wolle sich für "Lösungen einsetzen, die gewährleisten, dass die Gefährlichkeit eines Inhaltsstoffes wie zum Beispiel Flammschutzmittel beachtet wird und die HBCD-Platten umweltverträglich und kostengünstig verbrannt werden können".

    Das Bundesumweltministerium empfiehlt inzwischen ebenfalls, die Verordnung zurückzunehmen. "Würden die Bundesländer einen entsprechenden Vorschlag in den Bundesrat einbringen, würden wir das unterstützen", sagte ein Sprecher unserer Zeitung.

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