40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » SPD-Dilemma: Jung, weiblich, chancenlos
  • SPD-Dilemma: Jung, weiblich, chancenlos

    Rheinland-Pfalz. Die rheinland-pfälzische SPD präsentiert sich gern als moderne Partei, in der Frauen gleichberechtigt Zugang zu allen Spitzenämtern haben. Beim Blick in die Führungszirkel scheinen Anspruch und Wirklichkeit sogar übereinzustimmen. Beim  politischen Nachwuchs indes sieht das schon anders aus. Meist sind es Männer, denen man eine große Karriere zutraut.

    Rheinland-Pfalz. Die rheinland-pfälzische SPD präsentiert sich gern als moderne Partei, in der Frauen gleichberechtigt Zugang zu allen Spitzenämtern haben. Auf den ersten Blick scheinen Anspruch und Wirklichkeit sogar übereinzustimmen.

    In den Führungszirkeln von Regierung, Partei und Fraktion sind viele Frauen vertreten. Beim politischen Nachwuchs indes sieht das schon anders aus. Meist sind es Männer, denen man eine große Karriere zutraut.

    Das Nachwuchstalent mit dem größten Potenzial ist derzeit zweifelsfrei SPD-Generalsekretär Alexander Schweitzer (38). Unermüdlich im Land unterwegs, errichtet sich der Riese aus der Pfalz ein solides Fundament, auf dem eine große Karriere Halt finden könnte.

    Gute Chancen, in der SPD aufzusteigen, hat auch der Andernacher Landtagsabgeordnete Clemens Hoch (34). Als Justiziar der Fraktion ist er für heikle und anspruchsvolle Themen zuständig. Im Nürburgring-Untersuchungsausschuss machte der scharfsinnige Jurist einen exzellenten Job.

    Intern werden zudem David Langner (36) und Salvatore Barbaro (37) hoch gehandelt. Langner amtiert als Vizepräsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) und ist Chef der Koblenzer SPD. Der Nackenheimer Finanzexperte Barbaro weiß trockene Materie charmant zu verkaufen. Ein Talent, das man bei der SPD schätzt. Auch er hat noch ein Stück auf der Karriereleiter vor sich, wenn es ihn nicht zurück an die Universität zieht. Barbaro ist clever, aber alles andere als ein klassischer Parteisoldat.

    Nach hoffnungsvollen Talenten unter den jüngeren Sozialdemokratinnen muss man indes suchen. Nicht dass es keine begabten Frauen bei der SPD gäbe. Aber entweder fehlt ihnen der letzte Biss, um ganz nach oben zu kommen, oder sie stehen vor der quälenden Frage, sich zwischen Beruf und Familie zu entscheiden. Da macht zumindest die Bundesebene Hoffnung. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles (41) ist junge Mutter – und behauptet sich trotzdem in einem Top-Job. Sollte die SPD bei der nächsten Bundesregierung eine Rolle spielen, könnte die burschikose Intellektuelle aus der Eifel Ministerin werden.

    Einen Sprung nach oben traut man auch Sabine Bätzing-Lichtenthäler (37), der früheren Drogenbeauftragten, zu. Die Bundestagsabgeordnete (Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen) ist ebenfalls junge Mutter. Als Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe Demografischer Wandel bleibt sie politisch im Spiel. Sie gestaltet eines der wichtigsten Zukunftsthemen mit.

     

    In den Gefilden der Landespolitik hält man hingegen fast vergeblich nach Parteiaktivistinnen Ausschau, die sich zum politischen Schwergewicht entwickeln könnten. Vom Kaliber Schweitzer oder Hoch ist niemand in Sicht. Am ehesten wäre Tanja Machalet (37) eine Kandidatin, um einen Spitzenposten auszufüllen. Die Landtagsabgeordnete aus dem Westerwald leitet den fraktionsinternen Arbeitskreis Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Zudem wird sie über das Fellowship der Führungsakademie gefördert – eine sozialdemokratische Eliteschmiede.

     

    Gelegentlich ist auch von Rebekka Dukat (35) die Rede, die sich als Geschäftsführerin des SPD-Büros in Koblenz viel Anerkennung verdiente. Sie ist engagiert, ohne zur Ellenbogen-Fraktion zu gehören. Dukat hat es dennoch zur persönlichen Referentin des SPD-Fraktionschefs Hendrik Hering geschafft – und damit nah ans Machtzentrum. Um in der SPD voranzukommen, müsste die semiprofessionelle Sängerin allerdings ein Abgeordnetenmandat im Landtag erobern.

     

    Anna Gros (29) ist so eine Art Geheimtipp. Die Juristin hat einen guten Namen im Trierer Raum, der sich bis nach Mainz herumgesprochen hat. Das brachte ihr einen Platz im SPD-Landesvorstand ein. Die Promotionsstudentin kann sich durchaus vorstellen, irgendwann einmal hauptamtlich in die Politik zu gehen. „Politik ist noch immer sehr männerdominiert“, sagt sie, „vor allem in ländlichen Räumen.“ Das entmutigt viele junge Frauen, überhaupt erst in die Parteiarbeit einzusteigen.

     

    Wer weitere Nachwuchshoffnungen sucht, landet zwangsläufig bei den Jusos. Susanne Kasztantovicz (25) gehört zu den jungen Linken, für die noch alles möglich ist. Als Vize-Bundesvorsitzende der Jusos hat sie eine gute Ausgangsbasis. Die Mainzer Jura-Studentin ist viel auf Kongressen im Ausland unterwegs. Das große Thema der Expertin für Migrations- und Entwicklungspolitik ist klassisch: der soziale Gegensatz zwischen Arm und Reich.

     

    „Dabei interessiert mich die internationale Perspektive am meisten“, erklärt sie in einem Papier. In der Landes-SPD gehört Kasztantovicz zu den Frauen, die man im Auge behält. Aber ihr Weg ist noch weit. Jaqueline Rauschkolb (24) amtiert mit ihren jungen Jahren nicht nur als stellvertretende Juso-Landesvorsitzende, sondern sammelte als B-Kandidatin von Ex-Umweltministerin Margit Conrad Wahlkampferfahrung. Als eine von zwei weiblichen Mitgliedern des Verbandsgemeinderats Eisenberg (Pfalz) hat sie reichlich Erfahrung mit Männerdominanz gesammelt: „Da muss man als junge Frau schon viel Selbstbewusstsein mitbringen, um in die Debatte einzusteigen.“ Eine Erfahrung, die auch Stefanie Seiler (28) gemacht haben dürfte. Die Bildungssekretärin der Landes-Jusos sitzt im Stadtrat von Speyer. Immerhin: Sie wird von der Sozialdemokratischen Kommunal-Akademie gefördert.

     

    Jung-Politikerinnen wie Jaqueline Rauschkolb lassen sich ihren Optimismus nicht nehmen. „Alles in allem sind wir in der SPD auf einem guten Weg“, sagt sie. Frauenquote und Reißverschlussverfahren bei den Listenbesetzungen hält sie für hilfreich. Haben es auch deswegen einige SPD-Frauen weit gebracht?

     

    Zwei der gewichtigsten Ressortleitungen in der Landesregierung sind weiblich besetzt: mit Doris Ahnen (Bildung) und Malu Dreyer (Soziales). An deren Fachkompetenz zweifelt niemand. Dazu kommt, dass die Landesvertretung in Berlin in weiblichen Händen liegt. Ex-Umweltministerin Margit Conrad führt die Geschäfte. Und auch unter den Staatssekretärinnen (zweite Reihe) sind die Frauen stark vertreten. Jacqueline Kraege (Soziales), Vera Reiß (Bildung), Beate Reich (Justiz) und Heike Raab (Innen) besetzen Schlüsselpositionen. In den achtköpfigen Fraktionsvorstand indes haben es nur noch drei Frauen geschafft: Barbara Schleicher-Rothmund (deren Ambitionen für höhere Ämter bekannt sind), Ulla Brede-Hoffmann und Astrid Schmitt. An der Spitze des Landesvorstands stehen mit Ahnen und Theresia Riedmaier zwei Frauen – von sechs exponierten Vorstandsmitgliedern. Bei den Beisitzern beträgt das Verhältnis acht zu neun – zugunsten der Männer.

    Im Koalitionsvertrag haben SPD und Grüne immerhin einen Masterplan zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen beschlossen. Für ihn gäbe es durchaus auch parteiintern einige Ansatzpunkte.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    CDU: Debatte um Beck-Nachfolge lähmt LandBeck-Nachfolge: In der SPD brodelt esVariante Lewentz, Variante Hering: Was sich personell ändern könnte
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Wetter
    Dienstag

    13°C - 26°C
    Mittwoch

    14°C - 28°C
    Donnerstag

    12°C - 26°C
    Freitag

    14°C - 27°C
    epaper-startseite
    Anzeige
    Hartmut Wagner

    Prozesse in Koblenz: Hartmut Wagner berichtet aus dem Gerichtssaal. Er freut sich über Anregungen, Tipps oder Kritik per Mail.