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    MainzSenioren am Steuer: Führerschein ist hochemotionales Thema

    Der Führerschein ist ein hochemotionales Thema mit Potenzial zum Generationenkonflikt. Senior-Fahrer gelten bei Jüngeren als rollende Verkehrshindernisse mit Hut. Immer wieder werden Gesundheitstests für Ältere am Steuer gefordert. Doch die Oldies kämpfen um den Lappen.

    Führerscheine
    Vor 30 Jahren sah der "Lappen" noch grau aus: Drei Führerscheine verschiedener Generationen. Ein Frankfurter wurde jetzt mit einer gefälschten Version erwischt.

    Mainz - Der Führerschein ist ein hochemotionales Thema mit Potenzial zum Generationenkonflikt. Senior-Fahrer gelten bei Jüngeren als rollende Verkehrshindernisse mit Hut. Immer wieder werden Gesundheitstests für Ältere am Steuer gefordert. Doch die Oldies kämpfen um den Lappen.

     

    85-Jährige fährt gegen Pferdekutsche, 70- Jähriger übersieht Radfahrer, 82-Jährige rammt sechs Autos: Immer wieder tauchen in den Polizeiberichten Unfälle auf, bei denen Senioren am Steuer beteiligt sind. Kein Wunder: Der Anteil älterer Menschen an der Gesellschaft steigt, die Generation ist insgesamt mobiler geworden und es besitzen mehr Frauen einen Führerschein als noch vor 50 Jahren. Besonders wenn Ältere schwere Unfälle verursacht haben, werden Forderungen nach regelmäßigen Gesundheitschecks für Führerscheininhaber laut.

     

    Es ist unumstritten, dass Reaktionsfähigkeit, Seh- und Hörvermögen im Alter abnehmen. Sind alle Menschen so selbstkritisch, die Fahrerlaubnis von alleine abzugeben, wenn es nicht mehr geht? Ein schwieriges Thema, denn beim "Lappen" schlagen die Emotionen hoch. Mit dem demografischen Wandel wird das Thema Verkehrssicherheit für Senioren allerdings immer drängender. Das sagt Manfred Brummer von der Landesverkehrswacht Rheinland-Pfalz. Der Führerschein sei ein hochsensibles Thema, viele Ältere hätten Angst, ohne ihn ihre Eigenständigkeit zu verlieren oder zu vereinsamen.

     

    Die Zahl der über 65-jährigen Hauptverursacher von Unfällen in Rheinland-Pfalz, bei denen Menschen zu Schaden kamen, hat sich von 1987 bis 2009 nahezu verdoppelt, wie aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Allerdings hat in diesem Zeitraum die Zahl der älteren Menschen in der Bevölkerung insgesamt auch um fast die Hälfte zugenommen, die der jüngeren stieg nur leicht. Die Statistiken geben allerdings keine Auskunft darüber, wie sich die Altersstruktur der Führerscheinbesitzer entwickelt hat und wie viele Kilometer der Einzelne im Jahr auf den Tacho bekommt.

     

    Die ab 2013 gültigen EU-einheitlichen Führerscheine werden nach 15 Jahren ablaufen. Danach müssen die Fahrer eine neue Fahrerlaubnis beantragen, aber keine neue Prüfung absolvieren. Für Führerscheine, die bis 2013 ausgegeben werden, gilt eine Umtauschfrist bis 2033. "Eine solche befristete Gültigkeit wird zukünftig für Senioren ein Problem darstellen, wenn damit eine neue Fahr- und Gesundheitsprüfung verbunden wäre", sagt Dieter Berberich, Bundesvorsitzender des Bundes der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen (BRH).

     

    Besonders auf dem Land mit schlechten Bus- und Bahnverbindungen hätte dies fatale Folgen und würde die Einsamkeit der Menschen noch verstärken. "Eine zwingende Notwendigkeit dafür sehen wir nicht", betont Berberich zur Frage nach dem Gesundheitstest. Beim Thema Fahrtüchtigkeit sei vielmehr die Eigenverantwortung der Menschen gefragt und nicht ein neues, teures Verwaltungsverfahren.

     

    Dabei gibt es nicht den einen typischen "Silver-Driver". "Mancher 65-Jährige ist schon unsicher, andere unternehmen mit 80 noch weite Fahrten", sagt Brummer. Die beste Vorsorge sei, sich um seine körperliche und geistige Fitness zu kümmern. Das verbessert die Lebensqualität insgesamt - nicht nur die Fahrtüchtigkeit. "Am besten ist Tanzen gehen", rät Brummer. Rumba, Cha-Cha-Cha und Walzer schärften die Sinne, förderten die Koordination und stärkten die Fitness. Aber auch Schwimmen und Radfahren eigneten sich gut, um auch im Alter aktiv zu bleiben.

     

    Allerdings falle Radfahren vielen Senioren schwer - "die Topographie ist ja an vielen Orten in Rheinland-Pfalz nicht so ideal wie in Holland", sagt Brummer. Die Verkehrswacht startet daher im kommenden Jahr ein Projekt mit Leih-Elektrofahrrädern, die mit ihrem kleinen Motor den Radler unter anderem an steilen Passagen unterstützen.

     

    Wer merkt, dass er am Steuer unsicherer wird, muss ja nicht gleich ganz aufs Auto verzichten, rät Brummer. "Man sollte die Fahrten seinem Leistungsvermögen anpassen", sagt der ehemalige Polizist. Wenn es dunkel ist oder regnet sei es beispielsweise besser, auf Taxi oder Bus umzusteigen. Wer Angst vor Autobahnfahrten hat, kann sich ja mehr Zeit nehmen und eine Route über Land wählen. Auch ein kleinerer Wagen oder eine elektronische Einparkhilfe erleichterten vieles. "Wenn möglich, müssen Senioren ja auch nicht gerade zur Rush Hour fahren."

    Von Andrea Löbbecke

    Laster fährt auf Auto auf und tötet FahrerSattelzug zerquetscht PKW auf A60 bei Waxweiler/Bitburg - Senior totZahl älterer Unfallverursacher hat sich verdoppeltAuto auf drei Reifen unterwegs83-Jähriger mißachtet Vorfahrt - totweitere Links
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