40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Selbst Kinder saufen sich vermehrt ins Koma
  • Aus unserem Archiv

    Cochem-ZellSelbst Kinder saufen sich vermehrt ins Koma

    Kampftrinken als Jugendsport: Die Zahl der 10-bis 20-Jährigen im Kreis Cochem-Zell, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, ist um 23,1 Prozent gestiegen.

    Je oller, je voller? Nein, eine aktuelle Statistik belegt, dass vor allem Kinder und Jugendliche im Kreis zunehmend zu viel Alkohol trinken.
    Je oller, je voller? Nein, eine aktuelle Statistik belegt, dass vor allem Kinder und Jugendliche im Kreis zunehmend zu viel Alkohol trinken.
    Foto: David Ditzer

    Cochem-Zell - Kampftrinken als Jugendsport: Die Zahl der 10-bis 20-Jährigen im Kreis Cochem-Zell, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, ist nach Zahlen des Statistischen Landesamtes von 26 im Jahr 2008 auf 32 im Jahr 2009 gestiegen, um 23,1 Prozent. Besonders alarmierend ist der Anstieg bei den 10- bis 15-Jährigen: In dieser Altersgruppe kletterte die Zahl der Fälle von 4 im Jahr 2008 auf 12 im Jahr 2009, verdreifachte sich also.

    Kinder, die sich ins Koma trinken? Im Kreis Cochem-Zell gibt es dieses Phänomen öfter, als Eltern, Polizei, Jugendämtern und allen übrigen Beteiligten lieb sein kann. Der Statistik zufolge lieferten Rettungskräfte 2008 "nur" zwei 10 bis 15 Jahre alte Jungen sowie zwei 10 bis 15 Jahre alte Mädchen mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus ein. Für das Jahr 2009 stiegen diese Werte deutlich - bei den Jungen auf sieben, bei den Mädchen auf fünf. "Es kommt schon immer mal wieder vor, dass unter 16-Jährige unter Alkoholeinfluss stehen", sagt Harald Ehses von der Cochemer Polizei. Besonders in der Fastnachtszeit.

    Ehses kann auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Mit Vertretern des Jugendamtes und der Stadt kontrolliert er in der fünften Jahreszeit regelmäßig, wer in welchem Alter auf dem Endertplatz oder in Kneipen der Kreisstadt Alkohol trinkt. Am 3. März, also an Weiberfastnacht, wird es wieder so sein. "Alkoholkonsum von Jugendlichen ist auf jeden Fall ein Thema", sagt der Polizist. "Und verstärkt auch Drogenkonsum."

    Dabei reicht Alkohol als Rauschmittel vollkommen aus. Viele Jugendliche finden es offenbar cool zu saufen, bis der Arzt kommt respektive kommen muss. Ehses sagt: "Es gehört einfach dazu, dass man sich abschießt oder am Wochenende volllaufen lässt." Hier sieht der Polizist vor allem die Eltern in der Pflicht einzuschreiten. Aber er sieht auch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Dass sich Jugendliche zum Beispiel auf Wein- oder Junggesellenfesten die Kante geben, "wird allseits toleriert und als Kavaliersdelikt abgetan".

    Das bestätigt auch die Zeller Polizei. Nicht selten pilgerten Jugendliche wochenends ins Einkaufszentrum auf dem Barl, kauften harten Alkohol, also Wodka oder andere Spirituosen, "zum Vorglühen" vor Partys. Dass der Tag dann oft im Vollrausch endet, verwundert kaum.

    Hässliche Begleitphänomene inklusive: Wenn es zwischen junge Leuten zu Schlägereien und Gewalt komme, sei meist Alkohol im Spiel, erzählt der Cochemer Polizist Ehses. Die Zahl solcher Gewalttaten im Rausch sei deutlich gestiegen.

    Oft unterschätzen Jugendliche auch die Wirkung des Alkohols, vor allem wenn sie zu Mixgetränken greifen, die Saft oder andere süße Softdrinks mit hochprozentigem Schnaps, etwa Whiskey oder Wodka, kombinieren. Diese sogenannten Alcopops sind bei Jugendlichen nach wie vor sehr beliebt. Tückisch sind sie, weil die Sirupsüße der Softdrinks dem Alkohol zwar den bitteren Beigeschmack, nicht aber die Wirkung nimmt.

    Dass sich schon 10- bis 15-Jährige derart betrinken, dass sie mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen, ist zwar nicht nur ein Cochem-Zeller Problem, wie die Zahlen zeigen. Aber schaut man auf die Werte für die vier Cochem-Zeller Nachbarkreise, so verzeichnet nur der Rhein-Hunsrück-Kreis ebenfalls einen klaren Anstieg der Fallzahlen in dieser unrühmlichen Statistik. Tranken dort im Jahr 2008 "nur" 13 Kinder bis zur Alkoholvergiftung waren es 2009 bereits 21, ein Plus von 61,5 Prozent. In den Kreisen Bernkastel-Wittlich, Mayen-Koblenz und Vulkaneifel sank die Zahl der Komasäufer dieses kindlichen Alters um 42,8 bis 57,6 Prozent. Bei null liegen die absoluten Zahlen allerdings auch dort nicht, sondern zwischen vier (Vulkaneifel) und elf (Mayen-Koblenz).

    Rheinland-Pfalz
    Meistgelesene Artikel
    epaper-startseite
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    12°C - 23°C
    Sonntag

    12°C - 21°C
    Montag

    13°C - 22°C
    Dienstag

    14°C - 25°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!