40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Sanierer: Ring geht nur an ernsthafte Interessenten
  • Sanierer: Ring geht nur an ernsthafte Interessenten

    Rheinland-Pfalz. Am Nürburgring geistert noch immer die Sorge herum, ein exzentrischer Milliardär könnte die Rennstrecke kaufen und anschließend zu seinem Privatvergnügen machen. Die Ring-Sanierer halten ein derartiges Szenario allerdings für ausgeschlossen.

    Jens Lieser (links) und Thomas Schmidt: Den Ring-Racer haben die beiden Insolvenzprofis zwar noch nicht am Laufen gebracht, aber ansonsten ist ihnen schon eine Menge gelungen. Doch bis zum gelungenen Neustart des Nürburgrings liegt noch viel Arbeit vor ihnen.
    Jens Lieser (links) und Thomas Schmidt: Den Ring-Racer haben die beiden Insolvenzprofis zwar noch nicht am Laufen gebracht, aber ansonsten ist ihnen schon eine Menge gelungen. Doch bis zum gelungenen Neustart des Nürburgrings liegt noch viel Arbeit vor ihnen.
    Foto: DPA

    Der Verkaufsprozess, der bereits im April in die heiße Phase gehen könnte, öffnet nach Überzeugung des Insolvenzprofis Jens Lieser weder einem russischen Oligarchen noch einem arabischen Scheich die Tür zum Nürburgring.

    Die Sicht der Sanierer: Ein Investor, der keine Unterstützung von Region und Politik hätte, könnte am Nürburgring kaum erfolgreich agieren. Die Gemeinde Nürburg, die direkt an der Rennstrecke liegt, hätte es leicht, ihn mit Lärmschutzauflagen in die Enge zu treiben. Außerdem ist jeder Ring-Betreiber von einer Fülle von Genehmigungen abhängig, für die ein gutes Einvernehmen mit den relevanten Kräften in Politik und Verwaltung nötig ist. Man muss sich ja bloß an den erbitterten Streit um die stillstehende Achterbahn, den Ringracer, erinnern.

    „Der Verkaufsprozess richtet sich an alle ernsthaften Interessenten“, ist Ring-Sachwalter Lieser überzeugt. Und zwar nur an diese. Alles andere wird vorher herausgesiebt. Im Moment gibt es bereits bis zu 50 potenzielle Kaufinteressenten, die den gesamten Komplex oder Teile davon im Blick haben. Allerdings vermuten die Sanierer darunter nur etwa fünf bis zehn Kandidaten, die die Übernahme des Nürburgrings überhaupt stemmen könnten. Zumeist sind das Konsortien. Die früheren Ring-Pächter Kai Richter und Jörg Lindner sollen sich bislang noch nicht offiziell gemeldet haben.

    Der Preis allein entscheidet nicht

    Laut EU-Recht ist eine bedingungslose, transparente, europaweite und diskriminierungsfreie Ausschreibung nötig. Anders dürfen Rennstrecke und Freizeitpark nicht vermarktet werden. Eine solche Ausschreibung darf man sich aber nicht wie ein Bieterverfahren nach deutschem Baurecht vorstellen, bei dem am Ende der günstigste Anbieter obsiegt. Jens Lieser sagt zum Verfahren nach EU-Reglement: „Eine bedingungslose Ausschreibung bedeutet nicht, dass die Interessen der Region keine Berücksichtigung finden.“ Auflagen und Vorgaben, die etwa die Landesregierung mit der Wettbewerbsbehörde aushandelt, können jederzeit eingespeist werden. Die Tür für die Interessen der Region fällt so schnell nicht ins Schloss. Insolvenzprofi Lieser meint: „Zugeständnisse der Europäischen Kommission können noch berücksichtigt werden, wenn der Verkaufsprozess bereits begonnen hat.“

    Dieser ist höchst komplex. In der ersten Stufe erhalten nahezu alle Interessenten eine Basisinformation. Erst wer diese Hürde genommen hat, erreicht Stufe zwei und kommt dann an Detailwissen heran. Potenzielle Investoren finden in einem virtuellen Datenraum alle betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, Grundbuchauszüge, Genehmigungen, Verträge und Businesspläne. Das ist ihre Entscheidungsgrundlage. Wenn bis Ende des Jahres ein finales Angebot vorliegt, liegen die Sanierer im Plan.

    Sie sind allerdings nicht gezwungen, ein Angebot anzunehmen, dessen Qualität sie nicht vertrauen. Zudem ist der Gläubigerausschuss eng eingebunden. Die Insolvenzprofis Jens Lieser und Thomas Schmidt sind fest davon überzeugt, dass Finanzhaie und Absahner aller Art keine Chance haben, sich an dem Eifelkurs einzukaufen. Dafür müssen sie zu viel Geld mitbringen, heißt es. Bislang haben sich weder Finanzspekulanten noch prestigeverliebte Oligarchen gemeldet. Die Sanierer glauben ohnehin vielmehr, dass der eigentliche Wert des Rings nicht die Immobilie, sondern die Marke ist. Wer den weltberühmten Ring kauft, kann damit sein Produkt im globalen Maßstab bewerben. Der Eifelkurs hat also einen hohen marktstrategischen Wert. Dieser lässt sich natürlich nur einsetzen, wenn eine entsprechende Konzeption vorhanden ist.

    Ein zügiges Vorgehen ist geboten

    Die Sanierer betonen, dass sie den Nürburgring nicht auf Biegen und Brechen verkaufen, sondern ihm eine Zukunft geben wollen. Dennoch treiben sie den Verkaufsprozess voran. Der Grund: Schließt die EU das Beihilfeverfahren bereits im Herbst oder Winter ab, könnte sie von der insolventen Nürburgring GmbH (NG) 100, 200 oder gar 300 Millionen Euro zurückfordern. Auf einen Schlag und ohne Verzug. Ist bis dahin der Verkauf nicht angeschoben, hat die NG leere Taschen. Die EU könnte den Nürburgring in der Folge schließen. Das gilt es vor allem anderen zu verhindern. Daher können die Sanierer auch nicht warten, ob Brüssel eventuell einem Stiftungsmodell seinen Segen gibt. Obwohl ihnen eine solche Variante durchaus sympathisch ist. Doch bislang fehlen jegliche Geldgeber. Auch in der Landespolitik besteht – parteiübergreifend – keine Neigung, noch einmal Geld für den Nürburgring in die Hand zu nehmen. Wer eine Stiftung dennoch will, könnte sich immerhin noch an der Ausschreibung beteiligen.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

     

    Rot-Grün drückt Nürburgring-Gesetz gegen CDU durch Nürburgring: Fans kaufen Eifelkurs zur Not selbstAlmunia stärkt Insolvenzprofis am RingAlmunia-Brief an die Sanierer zum Nürburgring Nürburgring: Öffentliches Zugangsrecht ohne die Testfahrten der Autoindustrie?weitere Links
    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Mittwoch

    8°C - 20°C
    Donnerstag

    9°C - 21°C
    Freitag

    10°C - 24°C
    Samstag

    8°C - 19°C
    Anzeige
    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!