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  • Sanierer: Am Nürburgring ist nichts überdimensioniert

    Rheinland-Pfalz. Nürburgring-Sanierer Thomas Schmidt kann das Wort vom „überdimensionierten Freizeitpark“ nicht mehr hören. Seiner Ansicht nach war das Konzept „Nürburgring 2009“ vom Grundansatz richtig.

    Foto: DPA

    Das Gespräch führte Dietmar Brück

    Nur die Finanzierung stimmte seines Erachtens nicht. Hier das Interview mit dem streitbaren Sanierungsgeschäftsführer:

    20 000 Besucher weniger als 2011 bei der Formel 1, sind Sie trotzdem zufrieden?

    Die angeblich 69 000 Besucher im Jahr 2011 spiegeln nicht den tatsächlichen Erfolg der Formel 1 wieder. Damals wurden viele Karten verschenkt. Es gab besondere Rabattaktionen. Unsere Zahlen hingegen gehen auf real zahlende Besucher zu vernünftigen Preisen zurück. Angesichts der Tatsache, dass wir erst Anfang Februar, also nach dem verpassten Weihnachtsgeschäft mit dem Verkauf starten konnten, wurden unsere Erwartungen übertroffen.

    Kritiker des laufenden Verkaufsprozesses werfen Ihnen vor, dass Sie die Braut Nürburgring unangemessen aufhübschen – unter anderem auch den überdimensionierten Freizeitpark?

    Mich stört schon länger der Begriff des „überdimensionierten Freizeitparks“, der mittlerweile überall bedenkenlos verwendet wird. Es gibt keinen überdimensionierten Freizeitpark. Es gab allenfalls eine Überdimensionierung im Bereich der Finanzierung. Die Investition war nicht refinanzierbar. Trotzdem gilt: Aus sportlicher und organisatorischer Hinsicht sind die errichteten Gebäude keineswegs überdimensioniert. Wir brauchen diese Infrastruktur dringend für die sportlichen Großveranstaltungen. Jeder, der bei der Formel 1 war, hat gesehen wie gut der Boulevard als Businesscenter funktioniert. Alle Ausstellungsflächen waren bis auf den letzten Quadratmeter genutzt. Das ist auch bei anderen Großveranstaltungen so. Mit Freizeitpark hat der Boulevard rein gar nichts zu tun.

    Schwenken wir zum Partydorf „Grüne Hölle“. Dort ist nicht gerade die Hölle los.

    Das sehe ich anders. Die „Grüne Hölle“ ist intakt. Sie ist vollkommen angenommen von den Besuchern. Bei Hochbetrieb wie am Wochenende war sie bis auf den letzten Platz belegt. Davon habe ich mich persönlich überzeugen können. Für das ganze Areal gilt: Ohne die 2009 errichteten Kapazitäten – also die Gastronomie, die Hotels, die Businessbereiche und Ausstellungsflächen – könnten wir motorsportliche Großevents gar nicht professionell betreiben.

    Was ist mit dem Schimmelbefall?

    Diese Schäden im Partydorf sind inzwischen alle behoben.

    Und wie steht es mit dem Ring-Racer, der zur Formel 1 wieder nicht an der Start gehen konnte?

    Der Coaster läuft. Er läuft sogar sehr gut. Alle TüV-Abnahmen wurden mit Bravour bestanden. Wir erwarten eine Genehmigung der Kreisverwaltung Ahrweiler. Vielleicht gibt es noch die ein oder andere zusätzliche Auflage, das werden wir sehen. Der Coaster ist betriebsbereit und geht auch in Betrieb. Dann wäre da noch die Kartbahn.

    Über eine solche verfügen viele Rennstrecken. Das hat nichts mit Freizeitpark zu tun. Das ist Motorsport. Das ist Rennsport für die Kleinen. Die meisten Rennfahrer haben ihre Laufbahn auf einer Kartbahn begonnen. Zusammenfassend kann man sagen: Es gibt am Nürburgring keinen Freizeitpark und schon gar nicht einen überdimensionierten.

    Ich bin froh, dass wir für Großveranstaltungen die erforderliche Infrastruktur heute haben, die das Land für viel Geld errichtet hat.

    Die Grundkonzeption „Nürburgring 2009“ war also richtig?

    Das sehe ich so und das belegen auch die Tourismuszahlen. Seit das Projekt „Nürburgring 2009“ in die Tat umgesetzt wurde und seitdem wir in der Lage sind, Großveranstaltungen professionell zu organisieren, sind Belegungszahlen von Betten in der gesamten Region von Jahr zu Jahr gewachsen. Die Region, der Nürburgring, der Motorsport und die Fans profitieren.

    Die Grundkonzeption war gut. Sie war nur zu teuer. Aber das ist bei Infrastrukturprojekten manchmal der Fall. Hätte die Landesregierung eine Finanzierungsform gewählt, die europarechtlich unproblematisch gewesen wäre und hätte sie auf eine komplette Refinanzierung verzichtet, würden wir heute ganz anders darüber sprechen.

    Der versprochene Ganzjahresbetrieb ist doch vollkommen illusorisch.

    Wenn alle Einrichtungen funktionieren und wenn auch neue Ideen und Konzepte entwickelt werden und greifen, halte ich einen Ganzjahresbetrieb nicht für ausgeschlossen. Auch wenn ein Rennbetrieb witterungsbedingt nicht möglich ist. Tatsache ist: Wir haben den Nürburgring in einem ziemlich desolaten Zustand übernommen. Aufgrund von Baumängeln und Dauerstreitereien war er noch nie voll einsatzfähig. Das ist jetzt anders. Die Nagelprobe für den Ganzjahresbetrieb steht noch aus.

    Die Besucherresonanz für das Ringwerk war ein Flop. Oder etwa nicht?

    Das Ringwerk ist nur ein Baustein von vielen. Als einzelner Magnet ist es zu wenig. Dafür muss die Attraktivität noch gesteigert werden. Es bekommt aber einen anderen Stellenwert, wenn alle anderen Elemente funktionieren. Das Konzept muss mit innovativen Ideen weiter ausgebaut werden. Ideen, wie zum Beispiel ein Automobilmuseum gab es schon.

    Es gibt also noch Hoffnung für den Nürburgring?

    Auf jeden Fall. Der „Nürburgring 2009“ hat eine Perspektive und er bietet jede Menge Chancen für den Motor- und Breitensport, Musikevents und die Region.

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