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  • Public Viewing in Neuwied: Eintritt für Dunkelhäutigen nur gegen deutsches Gedicht?

    Neuwied. Die schwarz-rot-goldene Fußballparty hat in Neuwied einen herben Dämpfer bekommen. Während des EM-Spiels Deutschland gegen Griechenland sollen sich Mitarbeiter des Sicherheitspersonals rassistisch gegenüber mehreren jungen, dunkelhäutigen Personen geäußert haben.

    Die EM-Euphorie hat einen herben Dämpfer bekommen. Jugendliche sollen beim Viertelfinalspiel der Deutschen Nationalelf gegen Griechenland wegen ihrer Hautfarbe nicht aufs Gelände gelassen worden sein. Foto: Jörg Niebergall
    Die EM-Euphorie hat einen herben Dämpfer bekommen. Jugendliche sollen beim Viertelfinalspiel der Deutschen Nationalelf gegen Griechenland wegen ihrer Hautfarbe nicht aufs Gelände gelassen worden sein.
    Foto: Jörg Niebergall

    Neuwied. Die schwarz-rot-goldene Fußballparty hat in Neuwied einen herben Dämpfer bekommen. Während des EM-Spiels Deutschland gegen Griechenland sollen sich Mitarbeiter des Sicherheitspersonals, die die Besucher auf das Gelände der VR-Bank-Fanmeile ließen, rassistisch gegenüber mehreren jungen, dunkelhäutigen Personen geäußert haben.

    Sie sollen zwei Fußballfans afrikanischer Abstammung sogar den Zutritt zum Public-Viewing-Bereich verwehrt haben. Der RZ liegen drei Berichte von Personen vor, die sich schockiert über die Vorfälle in der Deichstadt geäußert haben.

    "Du wohl heute nicht"

    "Wir sind nach dem Training zur Fanmeile gefahren und konnten es nicht glauben, als der einzige Dunkelhäutige in unserer Gruppe ohne Abtasten mit den Worten ,Du wohl heute nicht' aus der Veranstaltung entfernt wurde", berichtet ein Mitglied eines Neuwieder Sportvereins. Auf Nachfrage nach einer Begründung habe die Gruppe nur die knappe Antwort erhalten: "Hier herrscht Hausrecht, wir können reinlassen, wen wir wollen."

    Zwei deutsche Gedichte aufsagen

    Der Mann vom Sportverein berichtet weiter, dass man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal probiert habe, in den Public-Viewing-Bereich zu gelangen. "Wir hatten in unserer Gruppe erneut einen farbigen Jugendlichen dabei, und diesmal ereignete sich ein unglaublicher Eklat. Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma bestanden darauf, dass er, um letztlich eingelassen zu werden, zwei deutsche Gedichte aufsagen müsse."

    14-Jähriger verbringt erste Halbzeit vor dem Eingang

    Bei einem weiteren Vorfall war die Lehrerin einer Neuwieder Schule beteiligt. "Ich besuchte mit meinen Schülern das Public-Viewing in Neuwied. In dem Gedränge fiel uns erst etwas später auf, dass einer unserer Schüler fehlte. In der Halbzeitpause entdeckten wir ihn vor dem Eingang wieder", sagt die Pädagogin. "Es stellte sich heraus, dass er die gesamte erste Halbzeit vor dem Eingang verbracht hatte. Auf die Frage, warum er draußen stehen würde, berichtete er Ungeheuerliches. Die Einlasskontrolle habe ihm den Zutritt verweigert. Als er fragte, warum er denn nicht rein dürfe, hätten sie ihm geantwortet: Weil du schwarz bist." Die Lehrerin war geschockt: "Der Junge ist 14 Jahre alt, wohnt in Neuwied, ist wohl erzogen, zurückhaltend und war an diesem Abend wie immer sauber gekleidet und nüchtern."

    Sponsor zeigt sich schockiert

    Von einem weiteren diskriminierenden Verhalten berichtet eine Frau aus Neuwied, deren dunkelhäutiger Adoptivsohn (13) zunächst nicht die Fanmeile betreten durfte. "Ohne Gründe zu nennen, hat man ihn am Eingang an die Seite gestellt. Er wusste nicht, was er dort machen sollte. Irgendwann hat man ihn doch aufs Gelände gelassen."

    Die Neuwiederin beschwerte sich unter anderem bei der VR-Bank, dem Sponsor der Veranstaltung. Sie sprach mit Vorstand Franz Lacher über die Vorkommnisse, und der zeigte sich gegenüber der RZ ebenfalls schockiert. "Das ist unfassbar, und wir verurteilen solch ein Verhalten auf das Schärfste. Wir sind zwar nicht der Veranstalter, dennoch kann ich sagen, dass beim nächsten Spiel eine andere Sicherheitsfirma auf der Fanmeile arbeiten wird. Es werden zudem Mitarbeiter der VR-Bank vor Ort sein, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt."

    Veranstalter will die Vorfälle aufarbeiten

    Veranstalter des Public-Viewings auf der VR-Bank-Fanmeile ist die Neuwieder Eventagentur Rheingefeiert, die von Daniel Ecker und Ralf Michalowicz geführt wird. Beide haben unmittelbar nach dem Bekanntwerden den Kontakt zu der in Koblenz ansässigen Sicherheitsfirma aufgenommen. "Wir sind geschockt über die an uns herangebrachten Informationen rund um die Vorfälle beim Einlass", sagt Michalowicz. "Wir werden die Vorfälle recherchieren und aufarbeiten." Fakt sei aber auch, dass man nicht für das Fehlverhalten von Mitarbeitern beauftragter Firmen verantwortlich sei.

    Die Eventmanager wollen zeitnah ein Gespräch mit Vertretern der VR-Bank, der Sicherheitsfirma und mit den vermeintlichen mutmaßlichen Opfern führen. "Nur so können wir feststellen, was wirklich geschehen ist", sagt er.

    Sicherheitsfirma weist die Vorwürfe zurück

    Bei der Koblenzer Sicherheitsfirma weist man die Vorwürfe zurück. "Als wir am Montag damit konfrontiert wurden, waren wir sehr schockiert, weil es so ein Verhalten in unserem Unternehmen nicht gibt und dieses auch nicht geduldet wird", heißt es in einer Presseerklärung. "Unsere Mitarbeiter verwehren niemandem den Einlass wegen seiner Herkunft, sondern höchstens wegen seines Verhaltens." Und weiter: "Wir hatten in Neuwied drei Mitarbeiter anderer Herkunft dabei, von denen zwei ebenfalls eine dunkle Hautfarbe haben. Der Bereichsleiter, der für die Einlasskontrolle zuständig war, war einer von beiden."

    Von unserem Redakteur Philipp Daum

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