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    FluterschenPsychiater: Die Aufsichtspflicht des Staates hat Grenzen

    Mehr als 20 Jahre lang soll ein Familienvater aus Fluterschen seine Töchter missbraucht haben. Der Bad Emser Psychiater Dr. Erich Krausbeck spricht über das geschlossene System Familie und das Schweigen der Öffentlichkeit.

    Psychiater: Die Aufsichtspflicht des Staates hat Grenzen
    Psychiater Dr. Erich Krausbeck
    Foto: Carlo Rosenkranz

    Fluterschen - Mehr als 20 Jahre lang soll ein Familienvater aus Fluterschen seine Töchter missbraucht haben. Der Bad Emser Psychiater Dr. Erich Krausbeck spricht über das geschlossene System Familie und das Schweigen der Öffentlichkeit.

    Es hat Jahrzehnte gedauert, bis die Fälle an die Öffentlichkeit kamen. Wie erklären Sie sich dieses Schweigen über einen so langen Zeitraum hinweg?

    Die Tat erinnert an den „Fall Fritzl“ in Österreich. Wir sprechen von einem geschlossenen System Familie. Kinder kommen oft gar nicht auf die Idee, dieses System zu durchbrechen. Solche Taten gelten als Familiengeheimnis. Betroffene haben meist auch gar keinen Lösungsweg im Kopf. Daraus auszubrechen, erfordert eine enorme Energie. Der Gang an die Öffentlichkeit ist ein Riesenschritt und hat ja auch weitreichende Konsequenzen: Die Betroffenen werden vor einer Gemeinde, vor Verwandten und Bekannten bloßgestellt – auch als Opfer. Es hätte durchaus sein können, dass dieses schreckliche System weiter Bestand gehabt hätte.

    Offenbar haben auch die Menschen im Ort nicht wirklich etwas bemerkt. Kann das sein?

    Die Störung war nicht so massiv, dass man den Impuls hatte, das als kriminell einzuordnen. Es ist möglich, verdächtige Beobachtungen zu machen. Daraus den Rückschluss zu ziehen, dass möglicherweise ein Verbrechen vorliegt, ist ein anderer Schritt. Wenn jemand wenig integriert und abgesondert lebt, so wird er zwar beobachtet – er gibt aber keinen Einblick.

    Gibt es in solchen Fällen nicht Signale, die darauf schließen lassen, dass etwas nicht stimmt?

    Nein, woran sollte man das erkennen? Dabei stellt sich auch die Frage, wann man sich einmischen darf. Ich kann nicht jeden Nachbarn denunzieren, nur weil er mir seltsam erscheint. Es ist die Angst, irgendwo unberechtigt einzudringen – davor scheuen sich viele zu Recht.

    Also hätte das Jugendamt reagieren müssen?

    Solche Familien vermeiden oft, verdächtig aufzutreten. Es gibt solche Strukturen mit Grauzonen, die in die Kriminalität gehen. Die Öffentlichkeit kann erst dann aktiv werden, wenn es einen Anhaltspunkt gibt. Schließlich gibt es keine routinemäßigen Überprüfungen der Familie. Das ist mit unserer gesellschaftlichen Vorstellung nicht vereinbar. Die Aufsichtspflicht des Staates hat eben Grenzen.

    Was ja auch gut ist ...

    ... Das dachte ich bisher auch. Vielleicht muss nach solchen Fällen aber neu nachgedacht werden.

    Wie verarbeiten die Enkelkinder diese Erfahrung?

    Die Kinder der Stieftochter werden mit einer völlig neuen Realität konfrontiert. Bis vor Kurzem haben sie ihre Situation als normal betrachtet. Diese Liebe war aber kriminell. Welche Folgen dies für die Kinder hat, ist schwer abzuschätzen. Vielleicht hatten sie innerhalb dieses Gewaltsystems auch einen Schonraum.

    Die Fragen stellte Dietmar Telser

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