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    Prozess zum Fall Anna wird am Montag fortgesetzt: Was bisher geschah...

    Königswinter/Bad Honnef - Der Prozess im Fall Anna wird am Montag fortgesetzt. Ein Rückblick fasst die bisherigen Ereignisse zusammen: Es ist Montag, der 26. Juli 2010. Die kleine Anna ist gerade mal drei Tage tot. Ertrunken in der Badewanne ihrer Pflegeeltern in Bad Honnef.

    Prozess zum Fall Anna wird am Montag fortgesetzt: Was bisher geschah...
    Jugenddezernent Holger Jung (links) und Bürgermeister Peter Wirtz bei der Pressekonferenz am Samstag.
    Foto: Marcelo Peerenboom

    Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom

    Die 51-jährige Pflegemutter und ihr gleichaltriger Mann befinden sich bereits in Untersuchungshaft; sie sollen für den Tod des Kindes verantwortlich sein.

    Während die Staatsanwaltschaft an diesem Montag gerade versucht, die Puzzlestücke zusammenzusetzen, herrscht im Königswinterer Jugendamt, das für die neunjährige Anna zuständig ist, maximale Aufregung und größte Betriebsamkeit. Das weitere Verfahren wird besprochen, Kontakt zur Staatsanwaltschaft aufgenommen. Die Strafverfolger fordern die Akten des Jugendamts an. Ja, man werde sie schnellstens nach Bonn bringen, lautet die Zusage.

    Die zuständige Mitarbeiterin ist nervös, sie soll die Akten durchgehen und zusammenstellen. Unter „durchgehen“ versteht sie: So aufbereiten, dass kein Krümel auf der weißen Weste der Behörde verbleibt. Und so beginnt sie, Gesprächsnotizen auszuheften, zu zerreißen und wegzuwerfen. Alles soll einen guten Eindruck machen. Insgesamt 93 Seiten der Pflegeakte wandern auf diese Weise in den Papierkorb.

    Die für Pflegekinder verantwortliche Führungskraft ist schnell: Bereits am Nachmittag sind die Akten in einem herzeigbaren Zustand; ein städtischer Bote bringt sie umgehend nach Bonn zur Staatsanwaltschaft. Am Donnerstag derselben Woche im Juli 2010 muss die Fachkraft bei der Kripo aussagen. Einen Tag später nagen Gewissensbisse an der Frau aus dem sozialen Dienst. Sie informiert den Personalchef der Verwaltung, Holger Jung. Der Jurist schaltet schnell: Am selben Tag meldet er sich bei der Staatsanwaltschaft, bereits mittags gibt es dort einen Termin. Schnell werden die entnommenen Aktenblätter rekonstruiert, aus anderen Akten herauskopiert, zusammengestellt und dem Staatsanwalt übergeben.

    Exakt eine Woche später flattert Bürgermeister Peter Wirtz (CDU) ein Brief der betreffenden Mitarbeiterin auf den Tisch. Sie gesteht darin, dass sie Akteninhalte vernichtet hat, gibt an, ihr Chef, Jugendamtsleiter Klaus Plate, habe sie dazu aufgefordert.

    Wirtz leitet umgehend ein Disziplinarverfahren gegen sie ein, führt Gespräche mit ihr, mit dem Jugendamtsleiter. Ergebnis: Die Frau erhält eine Abmahnung. Der Verdacht, dass Plate eine Aktenvernichtung in Auftrag gegeben haben soll, bestätigt sich laut Wirtz nicht.

    Ein halbes Jahr später – gerade läuft der Prozess gegen die angeklagten Pflegealtern – wird das Schreiben der Mitarbeiterin publik. Die Aufregung ist groß: Was gab es zu vertuschen? Warum wurden Akten zerrissen? Reicht eine Abmahnung? Fragen über Fragen, denen sich Bürgermeister Wirtz an diesem Samstag stellt. Er sieht in der Tat seiner Mitarbeiterin eine Kurzschlusshandlung, bringt Verständnis auf die die außerordentlich belastende Situation seit dem Tod Annas. Natürlich, sagt er, wäre es der einfacherer Weg gewesen, die Kollegin zu entlassen. Doch er habe sich anders entschieden. Und er betont: Er sehe keine strafrechtlich relevanten Versäumnisse in seiner Behörde. Wirtz gleichwohl: „Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.“

    Damit spielt er auf den Fortgang des Prozesses an, in dem das Gericht noch viele Zeugen hört. Unter anderem auch die Sachgebietsleiterin aus dem Jugendamt, die so fleißig Aktenblätter vernichtete. Sie ist für den 21. Februar vorgeladen. Der Pflegevater hat sie bereits in seinen Aussagen schwer belastet. Auch andere Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass das Jugendamt auf Hinweise, die auf Misshandlungen hindeuten ließen, nicht angemessen reagiert hat. Sie glauben, der Tod Annas wäre zu verhindern gewesen.
    Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

    KOPIE_ID_205776/Königswinterer Jugendamt fertigte Protokoll des Hilfsplangesprächs drei Tage nach dem Tod des Pflegekinds Anna Fall Anna - Bürgermeister tritt nicht zurückFall Anna: Königswinterer Jugendamt soll mit den Bestrafungsaktionen einverstanden gewesen seinAnnas Pflegemutter stellt den Tod des Mädchens als Unfall darKOPIE_ID_3216/Pflegekind Anna (9) ertrank in der Badewanne: Ende eines Martyriums?
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