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    Prozess: Afghanistan-Veteranin zertritt Tiere mit Lackstiefel

    Koblenz - Bestialische Tierquälerei in Koblenz: Eine frühere Bundeswehr-Soldatin (28) aus Koblenz kam von einem Afghanistan-Einsatz zurück, richtete in ihrer Wohnung vor laufender Kamera ein Blutbad an und wollte das Video für 100 000 Euro verkaufen.

    Jetzt wurde der 57-Jährige wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
    Jetzt wurde der 57-Jährige wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
    Foto: dpa

    Koblenz - Bestialische Tierquälerei in Koblenz: Eine frühere Bundeswehr-Soldatin (28) aus Koblenz kam von einem Afghanistan-Einsatz zurück, richtete in ihrer Wohnung vor laufender Kamera ein Blutbad an und wollte das Video für 100 000 Euro verkaufen.

    Sie fixierte 33 lebendige Mäuse mit Klebeband auf einem Brett. Dann trat sie die völlig wehrlosen Tiere tot, mit Sandalen oder schwarzen Lackstiefeln. Ein weiterer Afghanistan-Veteran (32) filmte die Tat. Beide warfen die getöteten Mäuse später in eine öffentliche Mülltonne. Jetzt müssen sich die Tierquäler vor dem Amtsgericht Koblenz verantworten. Sie haben am ersten Prozesstag ein umfassendes Geständnis abgelegt.

    Wie sieht jemand aus, der zu einer solchen Tat fähig ist? Erschreckend normal. Die Frau – Hochsteckfrisur, schwarzer Pullover, Jeans – wirkt unauffällig, als sie den Gerichtssaal 108 betritt. Auffallend sind nur ihre Schuhe: schwarze, fast kniehohe Lederstiefel. Der Mann, Typ BWL-Student, trägt einen feinen Wollpullover, darunter blitzt ein Hemdkragen hervor.

    Beide Angeklagten sagten wenig im Prozess. Doch ihre Anwälte erzählten diese Geschichte: Die Frau verpflichtete sich 2003 für acht Jahre bei der Bundeswehr. 2009 ging sie für einige Monate nach Afghanistan. Sie war nicht an Kämpfen beteiligt, hörte aber täglich von getöteten Kameraden anderer Streitkräfte. Sie bekam psychische Probleme. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wurde sie krankgeschrieben, litt unter Panikattacken. Sie brach oft in Tränen aus, verlor büschelweise Haare und magerte ab. In dieser Zeit, im März 2010, soll es „passiert“ sein: Ein Mann mit sexuellem Fußfetisch kontaktierte sie im Internet über ein soziales Netzwerk. Er hatte eine perverse Vorliebe für „Animal Crushing“ (Tier-Zerquetschen) und bot ihr 100 000 Euro, wenn sie barfuß oder in Stöckelschuhen Mäuse zertritt – und das auf Video aufnimmt.

    Die Frau willigte ein. Sie überredete den Mitangeklagten, den sie in Afghanistan kennengelernt hatte, einen Teil der Mäuse zu kaufen und das Blutbad zu filmen. Auch der 32-Jährige, der bis heute Soldat ist, litt nach seinem Auslandseinsatz unter psychischen Problemen. Laut seinem Anwalt hatte er Schlafstörungen und Schweißausbrüche.

    Die Frau schickte Videosequenzen ihrer Taten an den Fetischisten. Der weigerte sich aber zu zahlen, weil sie seine abartigen Regieanweisungen nicht ausreichend berücksichtigt habe. Irgendwann flog die Sache auf. Die Polizei durchsuchte die Wohnung des Fetischisten, fand das Video und machte die Angeklagten ausfindig.

    Jan Zielke, der Anwalt der Frau, betonte im Prozess: „Meine Mandantin bereut die Tat zutiefst. So etwas tut sie nie wieder. Das war ein einmaliger Ausrutscher.“ Man müsse außerdem berücksichtigen, dass sie bei der Bundeswehr gelernt habe zu töten und ihre Hemmschwelle zu überwinden. Die Anwälte beider Angeklagten betonten: Ihre Mandanten hätten die Tat in erster Linie verübt, weil sie durch ihren Afghanistan-Einsatz große psychische Probleme hatten. Darum prüft jetzt ein Gutachter, ob die Tierquäler zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig waren. Wann der Prozess weitergeht, ist unklar.

    Die Frau lebt heute in Niedersachsen, der Mann im Raum Köln. Im Prozess war ein weiterer Ex-Soldat (33) aus Koblenz angeklagt. Er soll für die Frau Mäuse gekauft haben. Laut seinem Anwalt Ralph Querbach leistete er nur einen geringen Tatbeitrag. Das Gericht stellte das Verfahren gegen ihn ein. Als Auflage muss er 750 Euro an den Tierschutzverein Koblenz zahlen.

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

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