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    HunsrückPanama Papers meets Hunsrück: Dienten Briefkastenfirmen von Ex-Agent Mauss dem guten Zweck?

    Sein Name ist Mauss, Werner Mauss. Der frühere Geheimagent der Bundesregierung, der in einem Hunsrückdorf im Kreis Cochem-Zell in seinem riesigen Anwesen residiert, beschäftigt das Mainzer Innenministerium. Weniger wegen der Briefkastenfirmen in Panama als wegen seiner „amtlichen“ Doppelidentität.

    Der Ex-Agent der Bundesregierung, Werner Mauss, lebt im Kreis Cochem-Zell.
    Der Ex-Agent der Bundesregierung, Werner Mauss, lebt im Kreis Cochem-Zell.

    Unsere Chefreportin Ursula Samary erhielt einen Anruf von Werner Mauss, als sie im Fall seiner Briefkastenfirmen recherchierte. Er schilderte seine Version zu den Panama-Spuren 

    Sollte sich Mauss wegen der Briefkastenfirmen überhaupt strafbar gemacht haben, wäre das ohnehin ein Fall für Steuerbehörden und Staatsanwälte, nicht fürs Innenministerium. Es prüft nun als Rechtsaufsicht, ob die Verbandsgemeinde Simmern dem Mann, der schon im Mittelpunkt vieler Enthüllungsgeschichten stand, vor zwei Jahren zu Recht einen Pass mit einem Tarnnamen verlängerte.

    Denn nach den Worten von Ministeriumssprecher Marco Pecht hat keine rheinland-pfälzische Sicherheitsbehörde eine Tarnidentität - etwa in einem Zeugenschutzprogramm - angeordnet. Dies soll auch für Dienste der Bundesregierung gelten. Denn die hat auf Anfrage des Abgeordneten Hans-Christian Ströbele (Grüne) noch im Herbst 2015 erklärt, dass nach ihrer Kenntnis keine Bundesbehörde Mauss seit dem Jahr 2000 mit Aufträgen oder Tarndokumenten versorgt hat.

    Für den Ex-Agenten ist das „kleinkariert

    Für den 76-Jährigen ist die Frage, ob er den Pass zu Recht hat oder nicht, einfach nur "kleinkariert". Denn der erste deutsche Undercoveragent, der im Dienste verschiedener Staaten sowie Bundeskriminalamt oder Bundesnachrichtendienst den RAF-Terroristen Rolf Pohle in Athen aufgespürte, den Kölner Domschatz zurückführte oder mit der kolumbianischen Guerilla verhandelte, hatte nach eigenen Worten "in seinem Leben weit mehr als 100 Schutzlegenden und Identitäten sowie Pässe, die auch von dazu autorisierten Behörden nach deutschem Recht ausgestellt wurden".

    Da er nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahrzehnten immerhin 43 Geiseln aus schlimmster Gefangenschaft von Aufständischen retten konnte, habe er sich viele Feinde gemacht. "Ich fühle mich immer noch in höchster Lebensgefahr", wie er - in diesem Moment aufgewühlt wirkend - unserer Zeitung sagt. Auch deshalb hat er sein Anwesen in dem von anderen Gemeinden und Autobahnen weit abgelegenen Dorf "auch wie Fort Knox gesichert", wie sich jemand an seinen Besuch in der Villa von Mauss erinnert.

    Fühlt sich als Opfer einer Intrige

    Überhaupt fühlt sich der über Jahre nur als Phantom bekannte Elite-Ermittler in der Briefkasten-Story wie so oft als Opfer einer groß angelegten Intrige. "Bis auf zwei bis drei Offshore-Firmen, die ich noch zum privaten Schutz brauche", sind nach seiner Darstellung die meisten Firmen "bereits 2013 liquidiert worden". Über sie sei nie Geld geflossen, weil für sie "nie ein Konto eingerichtet wurde".

    Nach seiner persönlichen Version, die er unserer Zeitung schildert, brauchte er sie "nur als Firmenhülle". Um dies zu erklären, holt er aus: Er habe weltweit in Krisengebieten mit Geiselnehmern verhandelt und "43 Menschen aus ihrer Todesfalle geholt". Dafür sei er auch unter eigener Lebensgefahr immer in die "Höhle des Löwen" gegangen, um über Lösegelder direkt zu verhandeln - mithilfe von Informanten und Stafetten. Bares sei bei den Lösegeldforderungen aber nie übergeben worden, wie Mauss betont. "Geld ist wie Waffen. Denn mit Geld kann man wieder Waffen kaufen."

    Briefkastenfirmen für gute Zwecke (sagt Mauss)

    Da beispielsweise eine Guerilla aber auch immer humanitäre Güter wie Lazarette, OP-Bestecke oder Medikamente dringend brauche, habe er "in letzter Konsequenz" immer erreichen können, mit solchen Gütern die Geiseln frei zu bekommen - im Auftrag von Regierungen oder humanitären Organisationen. Diese Güter habe er immer selbst beschafft. In der letzten Kette kamen dann nach seiner Erzählung die Briefkastenfirmen "ohne eigene Konten" ins Spiel, um möglichst alle Spuren zu verwischen und die Operation zu neutralisieren. "Denn alles muss geräuschlos und top secret sein", wie der Ex-Agent aus dem Hunsrück betont. Über die Briefkastenfirmen wurden demnach die Hilfsgüter ins jeweilige Land eingeführt und über örtliche Hilfsorganisationen an seine Ansprechpartner übergeben. Nach jeder "und immer erfolgreichen" Mission sei die dafür eigens gegründete Gesellschaft wieder liquidiert worden. Zeitweise hatte Mauss, wie er sagt, "acht bis zwölf solcher Firmen für diese Zwecke in Reserve". Sie waren nach seiner Darstellung aber "nur ein Vehikel zum Schutz für Leib und Leben". Und wieder betont er, dass er sich auch "Todfeinde" gemacht habe und heute "hochgradig gefährdet" sei.

    Ob die Staatsanwaltschaft Bochum - wie die Süddeutsche Zeitung berichtet - gegen ihn wegen des Verdachts wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ermittelt, wisse er nicht. Auf Anfrage unserer Zeitung schweigt die Behörde dazu mit Hinweis auf das Steuergeheimnis. Mauss schließt nach dem Wirbel um die Panama Papiere nicht aus, dass sich auch Staatsanwälte gefordert sehen. Ihm ist aber wichtig, nach der Verwicklung in viele Schlagzeilen zu betonen: "Ich bin nach über 50 Jahren weltweit nicht vorbestraft." In kolumbianischer Haft, wo er neun Monate im Hochsicherheitstrakt sitzen musste, sei er "illegal" gelandet. Ein Gericht habe festgestellt, dass er gegen kein Gesetz verstoßen habe (Freispruch am 20. Mai 1998). Die Hintermänner der illegalen Festnahme - Staatsanwälte wie Polizisten - seien aber alle bestraft, der Hauptdrahtzieher zuletzt zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Nach der Schilderung von Mauss hat er bei allen, oftmals spektakulären Aktionen immer in Absprache mit den Diensten oder Strafverfolgungsbehörden agiert. "Soll mir doch einer mal nachmachen, was ich geleistet habe", fügt er irgendwie trotzig hinzu. Er ist stolz auf seine Lebensleistung - eine mit vielen Legenden. Ob seine Geschichte zu Panama auch die richtige ist, dürften Behörden noch prüfen.

    Noch immer zu „zu höchster Geheimhaltung verpflichtet“

    Mauss ist seit dem Abschied der Kohl-Regierung und Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidtbauer (Kohls 008) nicht mehr für die Regierung tätig. Aber ganz loslassen kann er offenbar nicht. Nach seinen Worten ist er heute aber nur noch als Berater für Menschenrechtsorganisationen tätig - und erneut "zu höchster Geheimhaltung verpflichtet".

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