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  • „Nun sind die Brote wieder Abfall": Aus für Geschäft mit Backwaren vom Vortag

    Kirchen. In Kirchen gab es einen Laden, der nur Backwaren vom Vortag verkaufte. Nun ist er wieder geschlossen. "Zu hohe Auflagen", sagt Inhaber Bernd Pieroth.

    Wieder geschlossen ist das Geschäft „Immer noch frisch“ in der Siegstraße in Kirchen. Im Kreis Altenkirchen, so Inhaber Bernd Pieroth, sei es das einzige Geschäft gewesen, das in der Form Backwaren vom Vortag anbot. Doch die vielen Auflagen, so Pieroth, hätten nun zur Schließung geführt.
    Wieder geschlossen ist das Geschäft „Immer noch frisch“ in der Siegstraße in Kirchen. Im Kreis Altenkirchen, so Inhaber Bernd Pieroth, sei es das einzige Geschäft gewesen, das in der Form Backwaren vom Vortag anbot. Doch die vielen Auflagen, so Pieroth, hätten nun zur Schließung geführt.
    Foto: Markus Döring

    Von Andreas Neuser

    Vergangenen Sommer hatte das Backhaus Pieroth in Kirchen eine gute Idee, als es im August 2013 in der Siegstraße beim Kaufland die Filiale „Immer noch frisch" eröffnete. Ein Geschäft, das es so noch nicht im Kreis Altenkirchen gab.

    Bernd Pieroth wollte mit dem Laden der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken und so auch finanziell schwächer gestellten Menschen die Möglichkeit geben, sich zum günstigen Preis mit handwerklich hergestellten Backwaren zu versorgen, die in anderen Filialen der Bäckerei Pieroth am Vortag nicht verkauft wurden.

    Auch Kleintierhalter konnten sich hier sackweise mit Brot und Brötchen für Haustiere, Schweine und Rinder versorgen, erzählt Pieroth. Doch jetzt ist Schluss. Das Geschäft ist geschlossen. Auf Nachfrage der Rhein-Zeitung begründet Pieroth das vor allem mit Auflagen, die ihm gemacht worden seien. „Man kann nur sagen, dass hier der Amtsschimmel mal wieder ganz laut gewiehert hat und der Gesetzgeber letztendlich dafür verantwortlich ist, dass eine gute Idee im Keim erstickt wurde. Der Vortagsladen „Immer noch frisch" hat aufgegeben und seine Pforten wieder geschlossen", fasst Pieroth das Ergebnis zusammen.

    Der Laden in der Siegstraße, so Pieroth, wurde gut angenommen und hätte noch weiter ausgebaut werden können. „Aber von Behörden und durch gesetzlichen Vorschriften wurden uns umgehend Steine in den Weg gelegt." Bereits eine Woche nach Eröffnung seien durch die Kreisverwaltung Altenkirchen Kontrollen durchgeführt und Proben entnommen worden. Alle lebensmittelhygienischen Vorschriften wurden eingehalten, die Ware in den Selbstbedienungs(SB)-Regalen gekennzeichnet und eine Informationsmappe mit allen Inhaltsstoffen zur Einsicht für die Kunden ausgelegt.

    „Aber das genügte der Lebensmittelkontrolle nicht. Man verwies auf die Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln (LMKV), auf das Gesetz über Mess- und Eichwesen (EichG) und die Los-Kennzeichnungs-Verordnung (LKV) der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, wonach es sich bei den angebotenen Waren, die aus hygienischen Gründen in Polybeuteln verpackt wurden, ja nunmehr plötzlich um SB-Ware handeln sollte, die genauestens mit Inhaltsstoffen, Mindesthaltbarkeitsdatum und insbesondere mit dem Gewicht ausgezeichnet werden soll.

    Pieroth schüttelt hier nur noch mit dem Kopf. Bei vielen Bäckereien sei im oder vor dem Verkaufsladen ein Korb mit Brot vom Vortag zu sehen. Da seien die Brote auch in Folie eingepackt. Genaue Auszeichnungen (Gewicht) sehe er da auch nicht. Brot zum halben Preis stehe dann oft nur dabei. Doch in seinem Laden in Kirchen, der nur Waren vom Vortag anbietet, sollte er alles umfangreich auszeichnen. Es wurde extra ein umfangreiches Gutachten mit 14-seitigem Fotoanhang beim Landesuntersuchungsamt in Koblenz in Auftrag gegeben, erzählt Pieroth weiter.

    „Der Hinweis, dass es sich ausschließlich um Brot und Backwaren handelt, die am Vortag gebacken wurden und auch nur einen weiteren Tag als „Vortagsware" verkauft werden sollte, genügte der Behörde nicht", ärgert sich der Kirchener. Auch das Landesamt für Vermessung und Eichwesen in Bad Kreuznach wurde eingeschaltet. Es folgten weitere Kontrollen, Fotos der verpackten Ware wurden gemacht, um darzulegen, dass es sich hier um Selbstbedienungswaren handelt, sagt Pieroth. Und da greift dann die Fertigverpackungsverordnung. Dabei, so erzählt der Geschäftsmann, legt das Eichamt wohl „ein besonderes Augenmerk auf die Angabe des Brotgewichtes". Pieroth zitiert aus einem Schreiben: „Wenn Sie also an einem Morgen 750-Gramm-Brote hergestellt haben und diese am Abend für den „Vortagsladen" verpackt werden, kann die Nennfüllmenge der Fertigpackung nicht den 750 Gramm entsprechen. Durch die Austrocknung über den Tag ist das Brot abends leichter und die Fertigpackung muss entsprechend deklariert werden. "

    Bernd Pieroth: „Wir müssten im Prinzip jedes einzelne Brot neu wiegen und das Gewicht auf der Verpackung ausweisen. Ähnliches dürfte für alle anderen eingepackten Backwaren gelten. Hier steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis." Konsequenz: „Immer noch frisch" ist geschlossen. „Nun sind die Brote vom Vortag wieder Abfall", sagt er frustriert.

    Ralf Zimmermann, Leiter des Landesamtes für Mess- und Eichwesen in Bad Kreuznach betonte im Gespräch mit der Rhein-Zeitung, dass seine Behörde Gesetze und Vorschriften, die sie nicht selbst gemacht hätten, umsetze. Und diese Regeln würden für alle Bürger gleich gelten. Zu dem Einzelfall Pieroth äußert er sich nicht. Aber allgemein sagt er, dass man im Bäckerhandwerk immer wieder Diskussionen um den Problembereich verpackter und unverpackter Ware habe. Und die Vorschriften, so macht er deutlich, gelten auch für Brot vom Vortag bei jeder einzelnen Bäckerei. Der Hinweis von Zimmermann: Wer einen Laden eröffnet, kann sich vorab bei Landesamt beraten lassen. „Dann gibt es im Nachhinein auch keine Überraschungen."  

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