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  • Nürburgring: Muss Wild aussteigen? - Wild bedauert "Fehler" [5. Update]

    Rheinland-Pfalz. Der Nürburgring schlingert in die nächste heftige Krise: Der Käufer der Rennstrecke, der Düsseldorfer Unternehmer Robertino Wild, ist offenbar in finanziellen Schwierigkeiten. In einer Stellungnahme bedauert er "Fehler", die unter Druck entstanden. Die Insolvenzverwalter sehen derzeit noch keinen Grund, vom Kauf zurück zu treten.

    Auf den ersten Blick schien alles auf einem guten Weg. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sah in Capricorn-Geschäftsführer und Nürburgring-Investor Robertino Wild einen großen Hoffnungsträger. Auf den zweiten Blick ist nun erneut eine Luftnummer zu befürchten.
    Auf den ersten Blick schien alles auf einem guten Weg. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sah in Capricorn-Geschäftsführer und Nürburgring-Investor Robertino Wild einen großen Hoffnungsträger. Auf den zweiten Blick ist nun erneut eine Luftnummer zu befürchten.
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Seine Gesellschafteranteile am Ring sind an einen Treuhänder übertragen worden, seine Villa und eine Gemäldesammlung hat er mehrfach beliehen - und er sucht nach neuen Geldgebern. Zugleich verhandelt sein Kauf-Partner Axel Heinemann mit Investoren, die Wild als Zwei-Drittel-Gesellschafter der Ring-Besitzgesellschaft ablösen könnten. Entsprechende Rechercheergebnisse unserer Zeitung haben sich am Wochenende als zutreffend erwiesen.

    Die Übertragung von Wilds Gesellschafteranteilen an einen Treuhänder erfolgte, als aufflog, dass der Capricorn-Chef seine millionenschwere Kunstsammlung doppelt beliehen hatte. Die Insolvenzverwalter Jens Lieser und Thomas Schmidt bestätigten diesen Vorgang gegenüber unserer Zeitung.

    Hintergrund: Capricorn (Besitzer Wild) und das am Nürburgring ansässige Unternehmen GetSpeed (Besitzer Heinemann) haben den Ring im März für 77 Millionen Euro erwoben. Der eigentliche Käufer ist die Capricorn Nürburgring Besitzgesellschaft mbH (CNBG). Der Kaufpreis wird gestaffelt gezahlt. Bis zum 20. Dezember müssen zunächst insgesamt 15 Millionen Euro fließen - aufgeteilt in drei Raten á 5 Millionen Euro. Bei Bruch der Vereinbarung droht eine Vertragsstrafe von 25 Millionen Euro.

    Die erste Rate wurde von GetSpeed/Heinemann im März diesen Jahres nach Abschluss des (noch nicht rechtsgültigen) Kaufvertrags überwiesen. Die zweite Rate hätten Capricorn/Wild am 31. Juli zahlen müssen. Dazu war der Unternehmer aber offenbar nicht in der Lage. Um einen Zahlungsaufschub bis zum 31. Oktober zu erreichen, musste Wild seine Kunstsammlung als Sicherheit einbringen. Nur hatte er diese bereits anderweitig beliehen. Derzeit ist unsicher, ob Capricorn Ende Oktober seine Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag überhaupt bedienen kann.

    Auffanglösung in Arbeit

    Aufgrund der offensichtlich angespannten Lage der Capricorn-Gruppe wird seit Anfang dieses Monats intensiv an einer Auffanglösung gearbeitet. Das bestätigte Minderheitsgesellschafter Heinemann gegenüber unserer Zeitung.

    Will Wild, dass seine Gesellschafteranteile am Ring wieder an ihn zurückgehen, muss er die fälligen Raten zahlen. Dazu soll er mit potenziellen Geldgebern im Gespräch sein. Hat Wild dabei keinen Erfolg, ist er den Ring ganz oder in großen Teilen los. Der Ausgang dieses Prozesses ist offen. Neben dem Düsseldorfer haben jetzt auch andere Unternehmen die Chance, in den laufenden Vertrag einzusteigen. Man spricht in solchen Fällen von einem "Windhundrennen".

    Nach Informationen unserer Zeitung werden mit den im Kaufprozess unterlegenen Bietern darüber derzeit keine Gespräche geführt. Die Investmentgesellschaft H.I.G. sowie das amerikanische Technikunternehmen Nexovation erheben ihrerseits Anspruch auf den Nürburgring und haben Klagen angedroht.

    Pikant ist: Wild verhielt sich offenbar bereits bei der Abfassung des Kaufvertrags im März fragwürdig. Der Unternehmer brachte sein wertvolles Villengebäude als Sicherheit ein. Später stellte sich heraus, dass dieses bereits zweimal beliehen war. Auch das bestätigten Lieser und Schmidt gegenüber unserer Zeitung.

    Kredit nicht gezogen

    Inzwischen scheint zudem festzustehen, dass der ausgehandelte Deutsche-Bank-Kredit über 45 Millionen Euro, mit dem der Ring-Kauf maßgeblich finanziert werden sollte, später doch nicht von den Erwerbern gezogen wurde. Angeblich, weil die Bereitstellungsgebühren zu hoch waren. Die 45 Millionen müssen ohnehin erst drei Monate nach Gültigkeit des Kaufvertrages fließen. Die Rechtssicherheit schien aber kurz nach Abschluss des Kontrakts angesichts des EU-Verfahrens und der angedrohten Klagen außer Sicht. Hier haben sich entsprechende Recherchen der "Wirtschaftswoche" augenscheinlich als zutreffend erwiesen. Robertino Wild wollte sich gestern nicht zu der aktuellen Entwicklung äußern.

    Die Arbeitsplätze an der weltberühmten Rennstrecke dürften von dem möglichen Umbau der Gesellschafterstrukur nicht betroffen sein. Dort führt die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) als Betreiber das Geschäft.

    Für die rot-grüne Landesregierung ist die sich dramatisch zuspitzende Lage am Nürburgring äußerst unangenehm. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will am Dienstag eine große Regierungserklärung im Landtag abgegeben. Sie wollte dabei vorrangig über die EU-Beihilfebeschlüsse reden - unter anderem zum Ring und zum Flughafen Hahn. Diese Agenda wird nun kaum mehr zu halten sein.

    [1. Update:] Capricorn-Chef Robertino Wild erklärte gegenüber unserer Zeitung zerknirscht: "Ja, ich habe Fehler gemacht, aber ich habe immer versucht, Schaden von anderen fern zu halten." Und weiter heißt es: "Die aus meiner Sicht unerwartete Verzögerung bei der EU-Genehmigung und die stellenweise hart mit mir ins Gericht gehenden Veröffentlichungen haben mich in eine Lage gebracht, in der ich Fehler gemacht habe." Wild will alle Kräfte mobilisieren, um die aktuelle Krise zu überstehen. "Ich hoffe, alles zu einem guten Ende zu führen, auf jeden Fall trage ich die Verantwortung für meine Fehler", erklärte er weiter.

    [2. Update:] Auch die Insolvenzverwalter Schmidt und Lieser haben nun Stellung genommen: Sie bestätigen in einem Schriftstück, das wir HIER veröffentlichen, dass Robertino Wilds capricorn HOLDING GmbH nicht mehr Gesellschafterin der Käuferin capricorn NÜRBURGRING Besitzgesellschaft mbH (CNBG) ist. Ihr Zwei-Drittel-Anteil wurde auf einen Treuhänder übertragen. Dieser werde nun, davon gehen die Insolvenzverwalter bisher aus, gemeinsam mit der zweiten Käuferin, der GetSpeed GmbH & Co. KG (GetSpeed), den Kaufvertrag erfüllen. Schmidt und Lieser sehen - falls die Kaufpreisraten zu den vereinbarten Terminen bezahlt werden - bisher keinen Anlass, vom Vertrag Abstand zu nehmen.

    [3. Update:] Bezeichnend aber auch der bemerkenswerte Satz: "Die Verwalter werden sich vertragskonform verhalten." Das gilt auch, falls Wild, die Gesellschafter oder der Treuhänder keine Finanzierung bis November stemmen. Denn dann haben die Sanierer nach eigener Aussage keine Alternative, dann "sieht der Vertrag den Rücktritt der Verwalter vor". Dann müsste der Ring rasch erneut ausgeschrieben werden.

    [4. Update:] Die Nürburgring Betriebsgesellschaft bestätigte in einer Mitteilung, dass Capricorn-Chef Robertino Wild seine Gesellschafteranteile an einen Treuhänder übertragen hat und wieder eine Finanzierung sucht.

    „Der Wechsel am Nürburgring spielt sich auf der Gesellschafterebene und nicht auf der operativen Ebene ab“, betont Carsten Schumacher, Geschäftsführer der capricorn Nürburgring GmbH (CNG). Das operative Geschäft des Nürburgrings geht uneingeschränkt weiter und ist von dem Gesellschafterwechsel in keiner Weise betroffen. „Wir halten ausdrücklich fest, dass die bereits geschlossenen Verträge der capricorn Nürburgring GmbH (CNG) mit Veranstaltern, Kunden und Lieferanten selbstverständlich eingehalten und umgesetzt werden. Alle Veranstaltungen sind gesichert. Damit weist die Geschäftsleitung der CNG die kursierenden Gerüchte und Spekulationen ausdrücklich zurück. Tatsache ist, dass der Gesellschafterwechsel keinen Einfluss auf die Erfüllung der seitens der CNG geschlossenen Verträge mit Veranstaltern, Lieferanten und Kunden hat. Auch für die Mitarbeiter des Nürburgrings ändert sich nichts.

    [5. Update:] CDU fordert Rücktritte: Im Finanzskandal um den Nürburgring hat die rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner personelle Konsequenzen in der rot-grünen Landesregierung gefordert. Sie verlangte am Montag den Rücktritt von Innenminister Roger Lewentz und von Finanzminister Carsten Kühl (beide SPD). Zudem solle Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auf einen Rückzug des Fraktionschefs der Sozialdemokraten im Mainzer Landtag, Hendrik Hering, hinwirken. „Ein schlichtes Bedauern ersetzt keine Verantwortung“, mahnte die CDU-Bundesvize.

    Die Stellungnahme der CDU-Fraktionschefin im Video:

     

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