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    Rheinland-PfalzMorddrohungen per E-Mail belasten Opfer

    Für viele ist der Klick auf das elektronische Postfach ein Moment gespannter Erwartung am Computer. Die Vorfreude weicht aber einem flauen Gefühl, wenn E-Mails mit üblen Drohungen auftauchen.

    Rheinland-Pfalz - Für viele ist der Klick auf das elektronische Postfach ein Moment gespannter Erwartung am Computer. Die Vorfreude weicht aber einem flauen Gefühl, wenn E-Mails mit üblen Drohungen auftauchen.

    Stephanie Mayfield, Studentin in Mainz und Aktivistin der Frauenbewegung, hat seit Ende Januar drei Morddrohungen erhalten – per E-Mail. Gleich nach der ersten erstattete sie Anzeige. Zwei Monate später stellte die Staatsanwaltschaft Mainz die Ermittlungen wegen Bedrohung ein: Der Täter sei nicht zu ermitteln. Doch Mayfield will nicht aufgeben und hat Beschwerde eingelegt. Zumal sie heute weiß, dass mutmaßlich derselbe Täter weitere Opfer tyrannisiert.

    Mayfield veröffentlicht Blogs auf feministischen Internetseiten, sie betreibt ein Internetangebot und erhält Zuschriften. Eine Mail von einer unbekannten Absenderin ist daher nichts Ungewöhnliches. Beim Lesen muss Mayfield aber schlucken: Beleidigung und Morddrohung mit sexistischer Färbung.

    Der Absender ist gefälscht, wie die Ermittlungen bestätigen. Vom Internetdienstleister der vermeintlichen Absenderin erfährt die Polizei deren Anschrift. Eine Frau dieses Namens hat dort aber nie gewohnt. Wer steckt dahinter? Persönliche Rachefeldzüge schließt Mayfield aus. Dennoch: „In Seminaren habe ich in der Nähe der Tür gesessen“, erinnert sich die Studentin. „Ich wusste ja nicht, wie nahe der Täter mir war.“ Verunsicherung ist das, was solche Täter bezwecken, sagt Veit Schiemann, Internetexperte beim „Weissen Ring“. Die Opferhilfsorganisation registriert seit Jahren eine Zunahme bei Drohungen und Nachstellen („Stalking“) im Internet. Das Medium senkt die Hemmschwelle: „Man ist viel schneller bereit, viel härtere Worte zu wählen, als wenn man einen Brief schreiben würde.“

    Zahlen zum Problemkreis sind rar. Im vergangenen Jahr spielte bei 1240 Fällen von Stalking in Rheinland-Pfalz das Internet in 64 Fällen eine Rolle. Zu Mobbing im Internet berichtet der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest in seiner jüngsten Jugendstudie, dass ein Viertel der 12- bis 19-Jährigen damit in Kontakt gekommen ist.

    Zwei weitere Droh-Mails an Mayfield enthalten brutale Vergewaltigungsfantasien – doch tätliche Angriffe fürchtet sie nicht mehr: Nachdem sie einen Blogbeitrag über Droh-Mails geschrieben hatte, traten weitere Opfer an sie heran. Der Schluss liegt nahe, dass derselbe Täter seit über zwei Jahren etwa ein Dutzend Feministinnen in Deutschland und Österreich per E-Mail mit sexualisierten Mordszenarien verfolgt – häufig aus einem Internetcafé in Innsbruck. Das hat ein anderes Opfer durch eigene Recherchen herausgefunden. Vermutlich stammt der Täter aus Kreisen extremer Anti-Feministen und tritt unter Decknamen in frauenfeindlichen Internetforen auf.

    Seine Identität liegt weiter im Dunkeln. Er wechselt Anbieter und E-Mail-Adressen, sendet über Mail-Anonymisierer. Bei einer Analyse der Zugriffe auf ihre Homepage stößt Mayfield jedoch auf zwei Aufrufe aus Innsbruck am selben Tag: „Der Täter könnte sich auch vom heimischen PC aus über mich informiert haben.“ Die Zugriffe müssten sich mittels der gesicherten IP-Adressen („Internet Protocol“) zurückverfolgen lassen.

    Zur Einstellung der Ermittlungen sagt der Mainzer Leitende Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth, dass es immer eine Abwägung sei, ob sich ein aufwendiges Rechtshilfeersuchen lohnt – in diesem Fall an Österreich. Über Mayfields Beschwerde entscheidet die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Ihre Anwältin Regina Sigmund zeigt sich optimistisch: „Es gibt wichtige Spuren im Internet, die verfolgt werden können.“

    Von unserer Redakteurin Claudia Renner

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